Segeltörns: 2020 - 1991
Toern 2009
SCHWELMER SEGELCREW „HIERUM & DARUM“ Begonnen hat es im Jahr 1991 mit einem Junggesellenabschied auf dem Ijsselmeer in Holland. Seitdem fährt die Schwelmer Segelcrew mit dem nicht ganz ernst gemeinten Namen „Hierum & Darum“ jedes Jahr auf einen gemeinsamen Törn. Neben der Ostsee (Deutschland, Dänemark und Schweden) wurde in letzten Jahren auch das Mittelmeer besucht. 4 Törns in Kroatien und 2 Törns in Griechenland begeisterte die Crew.
Schwelmer Segelcrew, Segeln, Hierum & Darum, Dänemark, Schweden, Kroatien, Griechenland, Spanien
33312
page-template,page-template-full_width,page-template-full_width-php,page,page-id-33312,bridge-core-2.5.7,cookies-not-set,,qode-title-hidden,qode_grid_1200,side_menu_slide_from_right,footer_responsive_adv,hide_top_bar_on_mobile_header,qode-content-sidebar-responsive,qode-child-theme-ver-1.0.0,qode-theme-ver-24.2,qode-theme-bridge,disabled_footer_bottom,qode_header_in_grid,wpb-js-composer js-comp-ver-6.4.2,vc_responsive
06.06.2009 – 13.06.2009
Palamos – Costa Brava (Spanien)

Markus Wiethoff
Andreas „Haggy“ Happe
Jürgen Michels
Ralf Stoffels
Dirk Stoffels
Michael Gutman
Jürgen Rahmer
Skipper
Wachführer A
Wachführer B
Krötenmeister & Mâitre de Plaisir
Ersatz-Leitender Ingenieur und Öl-Wart
Leichtmatrose, Seebar
Öl-Wart

Schiffs- Art:
Hersteller
Modell
Schiffs-Baujahr:
Schiffslänge / Breite
Tiefgang
Liegeplatz / Ort
Kojen / Schlafplätze
Wasser- / Dieseltank
SY
Jeanneau
Sun Odyssey 45
2008
13,70 Meter / 3,70 Meter
2,00 Meter
Palamos (Spanien)
4/ 12
450 Liter / 250 Liter
Logbuch / Hinfahrt:
Anreise: Schwelm – Palamos (E)
Logge/Trip:
1368 km in 13 Std.30 Min.
Fotogalerie
Nachdem sich im Laufe der Woche die Ereignisse überschlagen haben, trudeln dann schließlich doch 7 Aufrechte bei Haggy ein, um den Wagen zu packen und gegen 18.30 Uhr aufzubrechen. Leider hat es unseren 1-Sterne-Smut Christian erwischt. Seine kürzlich vorgenommene Fuß-OP zeigt über die Pfingsttage Wirkungen und die Entzündung lässt sich nicht anders beheben als durch einen erneuten operativen Eingriff am Dienstag beim Spezialisten für besondere Fälle, „Doc“ Nachtigall. Christian wünschen wir „Alles Gute!“ und sichern ihm erneut eine Wild-Card für’s nächste Jahr zu (schon aus Eigeninteresse).

 

Ja, und wie 2008 musste auch diesmal kurzfristig ein Ersatz gefunden werden. Die 24 Stunden Bedenkzeit, die Harry im letzten Jahr brauchte, reichten auch diesmal. Mit Jürgen Rahmer haben wir zwar keinen Smut, dafür einen erfahrenen Segler gefunden, der sich problemlos in die Crew integriert und sich als kompetente Unterstützung erweist.

 

Der Transit ist größer als gedacht, so dass wir kurzfristig auch noch einen Teil Getränke zupacken und dann geht es ab. Durch die Eifel geht es über Luxemburg, Metz, Nancy, Dijon gut voran. Gegen Mitternacht werfen wir beim ersten Imbiss die gewohnten Brötchen mit Mett und Fleischwurst ein. Als wir wieder Strecke machen, prasselt eine Schlechtwetterfront auf unsere Windschutzscheibe. In Lyon ist die Autobahn wegen Bauarbeiten gesperrt und wir müssen nächtliche Exkursionen über die Peripherique starten Den Stadtausflug nutzen wir für einen Tankstopp und finden kurz darauf auf unseren Highway zurück. Abgesehen von den lästigen Mautstopps an den PEAGE-Stationen, kommen wir gut voran. Wieso ist das eigentlich so teuer? Da loben wir uns ja sogar eine Jahresvignette (CH) oder ein Pickerl (A)…ganz zu schweigen von einem für PKW’s mautfreien Deutschland – freie Fahrt für freie Bürger!

 

Nun denn – ohne große Probleme laufen wir Spanien an und 15 km vor Palamos halten wir gegen 08.00 Uhr morgens an, um ein petit déjeuner einzunehmen. Wir bummeln durch den Ort und sind um 08.30 Uhr die ersten Tagesgäste im Café. Kaffee und Croissants bringen die müden Geister wieder in Schwung. „Frisch“ erreichen wir Palamos Hafen, finden direkt unseren Steg und auch unsere Ansprechpartner. Das Schiff wird noch gesäubert, so dass wir warten müssen. Wir nutzen die Zeit, packen die Klamotten schon mal an den Steg und fahren in den Supermarkt, um die letzten Reste zu bunkern. Mittags kommen wir auf’s Schiff und richten uns langsam ein. In der Kombüse werkeln Micha und Haggy an der Käsesuppe, die wir bei strahlendem Sonnenschein in der Plicht einnehmen. Es geht uns gut….
Logbuch:
Palamos – L‘ Estartit
Logge/Trip:
25,5 sm in 4 Std. 5 Min.
unter Motor:
35 Min.
Wind:
SW 4 – 5 in Böen 6 später
NE 4 -5 abnehmend NE 0-2
Fotogalerie
Die gute Laune hält uns natürlich auch nicht davon ab, noch einen kleinen Schlag zu machen. Der Skipper spricht von vielleicht 16 sm oder „2-3 Stunden Segeln“. Gegen 16 Uhr stechen wir in See und werden noch in der Hafenausfahrt von einem gehörigen Wellengang überrascht. Das Schiff stampft direkt in die Wellen und klatscht deftig auf Wind (SW 22kn) und Wellen (1,5 m) sind für eine erste Ausfahrt und zur Eingewöhnung kräftig. Wir binden direkt ein Reff ins Groß und fahren auch mit verkleinerter Fock. Aufgrund des Südwesters nehmen wir nördliche Richtungen und stampfen auf die See hinaus.

 

Das Ziel El Estartit kommt schnell näher, ehe wir einem bisher so noch nicht erlebten Phänomen begegnen. Dass der Wind wechseln kann, ist uns nicht unbekannt. Aber in der Geschwindigkeit von circa 10 Minuten von SW auf NO in der gleichen Windstärke wie zuvor, ist für uns doch neu. Während wir beim einfallenden Wind die Segel ausgeschüttet haben, müssen wir kurz darauf wieder reffen und Fläche verkleinern. Wir kneifen jetzt schwer Höhe, während wir vorher eher raumschots auf der Welle dahin glitten. Aus den 16 sm werden 25,5 sm, aus den drei Stunden schließlich vier.

 

Gegen 20 Uhr laufen wir dann schließlich unseren Zielhafen ermattet an. Die Müdigkeit aufgrund des fehlenden Schlafes der letzten Nacht macht sich doch bei der körperlichen Konstitution bemerkbar. Per Funk melden wir uns bei einem sehr freundlichen Hafenmeister an, der uns schon erwartet und in unsere Box einweist. Die Duschen werden mit Genuss genutzt und machen uns zu neuen Menschen. Zum Abendessen einen kleinen Imbiss mit Schnitzel und Salat, danach in gemütlicher Runde ein Umtrunk in der Plicht mit Blick in den idyllisch beleuchteten Hafen. Gegen 23 Uhr finden wir dann langsam den Weg in die Kojen.
Logbuch:
L‘ Estartit – Port de la Selva
Logge/Trip:
37,4 sm in 9 Std. 30 Min.
unter Motor:
55 Min.
Wind:
O 3 später ONO 3-4
am Abend SO 3 dann SSO 1-2
Fotogalerie
Nach 8 Stunden Schlaf ist die Crew wohl auf. Ein SmallTalk mit den britischen Nachbarn am Morgen, die wir mit ihrem dicken Pott im Laufe des Tages draußen beim Merlinangeln wieder sehen werden. Ralf macht sich auf, um nach einer offenen Bäckerei zu suchen. Zum Frühstück sitzen wir bei Sonnenschein draußen in der Plicht und genießen das noch reichhaltige Angebot. Um Viertel nach 11 geht es dann los Richtung Norden. Schon in der Hafeneinfahrt steht das Großsegel und der Motor kann abgeschaltet werden. An den Islas Medas, dem bekannten Tauchrevier an der Costa Brava vorbei, kommen wir bei östlichen Winden von 3-4 Beaufort gut voran. Die Sonne scheint, die Welle ist gering, der Wind bläst – angenehmes Segeln an der Küste entlang Richtung Cabo Creus. Gegen 14.00 Uhr frischt der Wind auf und wir reffen das Groß und verkleinern unsere Fock ein wenig.

 

Etwas später haben wir Cabo Norfeo querab und steuern auf die Bucht von Cala Guillola nördlich Cadaqués zu. Um 16.20 Uhr haben wir den Anker fest und wir „chillen“ in der Plicht. Ralf als staatlich anerkannte Spitzbartrobbe macht den Anfang, testet das Dinghi und stürzt sich schließlich in die frischen Fluten. Nach und nach folgen Teile der Mannschaft bis sich der Skipper höchstpersönlich die Ehre gibt. Magische Körper in der Bucht!

 

Um 18 Uhr machen wir uns dann auf den Weg Richtung El Port de la Selva. Als wir Cabo Creus endlich quer ab haben und nordwestliche Richtungen einschlagen, animieren uns die 2-3 Bft. Wind dazu, den Blister aus der Tüte zu holen und zu testen. Abgesehen von einem durch die Hände rauschenden Fall und einigen Brandblasen auf den Fingerkuppen klappt das Manöver problemlos. Mit bis zu 9,5 Knoten rauschen wir an der Küste entlang. Prima!

 

Hinter Cabo Gros wird es Zeit, den Lappen wieder zu bergen und Richtung Puerto de la Selva Höhe zu kneifen. Mit der abendlich einfallenden Brise schieben wir uns am Castell de Salvador vorbei und nach einer kleinen Kreuz in den Hafen bekommen wir vom Hafenmeister unsere Box zugewiesen. Die Mooring-Leinen bereiten uns Probleme, da der feiste Pott mit 45 Fuß doch ein wenig lang ist. Da aber keiner mehr kommt, nutzen wir die Nachbarleine direkt mit. Nach Manöverschluck und kurzer Sondierung der Lage machen wir uns schließlich gegen 21.30 Uhr auf, um im Restaurant Fisch und Paella zu genießen. Nach dem Absacker in der Plicht fallen wir gegen 0.30 Uhr in die Kojen…
Logbuch:
Port de la Selva – Collioure (F)
Logge/Trip:
17,2 sm in 2 Std. 20 Min.
unter Motor:
25 Min.
Wind:
SSW 4 – 5 später SSW 5
in Böen 8
Fotogalerie
Frisch ist der Morgen, der Wind bläst kräftig. Allein 16 Knoten im geschützten Hafen…Kein Wunder, dass die Nacht so unruhig war. Dafür sind die Sanitäranlagen erste Sahne und frisch geduscht nehmen wir das Frühstück unter Deck ein. Die Wettervorhersagen im Internet sind vielfältig und wir wissen nicht so recht, wie wir mit den Prognosen umgehen sollen. Für Freitag sind allerdings einheitlich nördliche Winde im südlichen Part der Costa Brava angesagt, was einen Trip Richtung Barcelona zunächst in den Hintergrund treten lässt. Wir möchten nicht am letzten Tag gegen an stampfen müssen, um Palamos wieder zu erreichen. Wahrscheinlich stampfen wir ab morgen eh…

 

Also entschließen wir uns für das Touri-Programm, das uns Christian in Aussicht gestellt hatte, nämlich einen Abstecher nach Collioure (F). Nach einem kleinen Bummel durch Port de la Selva sind wir um 13 Uhr bereit zum Ablegen. Mit knappem Kraftaufwand fahren wir rückwärts gegen den Wind aus unserer Box, geben kurz Gas und fahren das Vorsegel zu etwas mehr als der Hälfte aus. Das reicht schon aus, um unser Boot gut zu beschleunigen. Bei SSW 5 (in Böen bis zu 8 Bft.) macht der Kahn fast 8 Knoten im Schnitt. Als die Böen nachlassen schütten wir nach und nach die Genua aus bis sie uns voll zur Verfügung steht. Jetzt ziehen wir mit 9 Knoten Geschwindigkeit an der Küste entlang. Unseren Tages-High-Speed-Rekord knacken wir mit einer Böe und 10,1 Knoten.

 

Die Geschwindigkeit ist tatsächlich so groß, dass das mitgeführte Dinghi auf den Wellen tanzt und sich umdreht, ehe es sich kurz vor Collioure ganz verabschiedet, da die Verankerung den Kräften nicht mehr gewachsen ist und wir nur noch die Leine hinter uns her führen. Jetzt heißt es bei 5 Windstärken ein Dinghi-over-Bord-Manöver zu fahren. Wende, im Bogen wieder auf das Dinghi zu, aufstoppen, mit dem Bootshaken daneben greifen und einen zweiten Anlauf nehmen… Nachdem der auch misslingt, entscheiden wir uns für die Motorvariante. Genua runter, Motor an und mit neuem Mann am Haken gelingt uns die Bergung. Anschließend geht es in den sicheren Hafen von Collioure, wo wir eine der Bojen anlaufen und uns festmachen. Kräftige Fallwinde machen uns das Leben wieder ein wenig schwer.

 

Letztlich überstehen wir den Tagestrip gut, brauchen für die 17,2 sm mit Bojenmanöver 2 Stunden 20 Minuten, haben das Regenwetter draußen vor der Küste umfahren und liegen mit Panoramablick vor Collioure in der Sonne, da die Wolkendecke wie bestellt aufreißt. Nach dem obligaten Manöverschluck bereiten wir uns auf das Übersetzen ins Städtchen vor. Tanne montiert den Außenborder ans Dinghi und fährt eine Proberunde. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bekommt er das 2PS-starke Teufelsgefährt allmählich in den Griff. Die Shuttle-Fahrten an den Strand können starten. Dreimal muss der Chauffeur fahren, ehe wir alle am Strand stehen. Mit staunenden Mienen ziehen wir durch die schmalen Gassen. Ein überteuertes, aber leckeres Eis lässt der Neue zum Einstand springen, und gemütlich bummeln wir durch den Stadtkern, des von vielen internationalen Touristen eroberten Schmuckstücks des Roussillions. Nach einer Stunde Bummel nehmen wir noch einen Kaffee im Copacabana mit Blick auf die Hafeneinfahrt und unser Schiff an der Boje. Danach geht es per Dinghi-Shuttle zurück, wobei Wachführer A die Schwimmvariante nimmt. Während Skipper und Ölwart Augenpflege betreiben, erzählen sich die weitgereisten Globetrotter Geschichten Ihrer Abenteuer aus fernen Ländern.

 

Zum Abendessen gibt es schließlich kurz gebratenes Huhn mit Nudeln und Salat, ehe die Mannschaft den Skipper wie gewohnt in eine wohlige Anis-Atmosphäre überführt… Unter Anleitung des Skippers wird „der Neue“ in das Liedgut der Crew eingeführt, ehe der Maitre de Plaisire sein berühmtes Nachtprogramm abspult.
Logbuch:
Collioure (F) – Llafranc (E)
Logge/Trip:
51,9 sm in 10 Std. 45 Min.
unter Motor:
1 Std. 25 Min.
Wind:
NW 1 – 2 später N 2 – 3
am Abend NO 3 – 4
Fotogalerie
Für spanische Verhältnisse geht es früh raus. Um 07.30 Uhr machen wir uns von der Boje los und verlassen den Hafen. Die Morgensonne taucht den Ort in ein schönes Licht und die Isàvena schiebt sich langsam an der Küste entlang. Bei NW 1-2 dümpeln wir wieder in südliche Richtungen. Nach einer Stunde wird es Zeit für den nächsten Blistereinsatz und wir korrigieren unseren Kurs auf SO. Auf Cabo Creus fahren wir bei leicht raumenden Wind im Schmetterlings-Kurs zu. Gegen Mittag passieren wir das Kap ehe uns der Blister zu einer Sonderaktion veranlasst.

 

Kurz nicht aufgepasst und schon hat sich der große Lappen einige Mal um die eingewickelte Genua gewrungen. Wir müssen den Motor anschmeißen und fahren die Eieruhr mit einigen schnellen Kringeln wieder raus. Weiter geht es im gemütlichen Trott. Kurz vor 14 Uhr entschließen wir uns vor Cap Negre, den Blister zu bergen und die Genua wieder rauszuholen. Nach und nach verlassen die Einzelnen das Deck, um sich der Augenpflege zu widmen, bis Tanne schließlich einsam die Wacht am Ruder hält.

 

Aber auch das übersteht der Pott, denn wir dümpeln gegen 17 Uhr ohne jeglichen Wind vor Cap Negre. Wie auf der Hintour wechseln hier dem Anschein nach wieder Welle und Wind, diesmal aber eher im Flautenbereich. Jedenfalls hilft es alles nichts, wir müssen den Quirl anschmeißen, um von der Stelle zu kommen. Unsere mögliche Option, nach Barcelona durchzurutschen, hat im Laufe des Tages bei immer weniger werdenden Winden ohnehin ihren Reiz verloren.

 

Jetzt unter Motor nach Süden zu stampfen ist für einen Segler nicht angemessen. Also suchen wir den nächsten Hafen und finden mit Llafranc ein nettes, beschauliches Fleckchen an der Costa Brava. Bei einem kühlen Amstel-Bier sitzen wir an der Uferpromenade und schauen über die Bucht. Ralf, Dirk, Jürgen und Haggy machen sich auf, den Ort zu erkunden und den nächsten Supermarché ausfindig zu machen. Mit neuem Proviant ausgestattet geht es zurück zum Amstel-Bier. Bei warmen Temperaturen und in Mückenbegleitung lassen wir gewohnt den Tag in der Plicht ausklingen.
Logbuch:
Llafranc – Sant Feliu de Guixols
Logge/Trip:
22,6 sm in 4 Std. 10 Min.
unter Motor:
50 Min.
Wind:
S 3 – 4 zunehmend 4 – 5
am Nachmittag S 5 – 6
Fotogalerie
Nach einem gemütlichen Frühstück werfen wir um 10.20 Uhr die Leinen los und 10 Minuten später sind bei südlichen Winden von 3 bis 4 Bft. Groß und Genua oben. Der Wetterbericht hat uns 3-4 Windstärken, lokal Stärke 5 prognostiziert. Letztere haben wir bereits um 11 Uhr dauerhaft, so dass wir das Groß reffen und die Genua um ein Viertel verkleinern müssen. Mit zwei großen Schlägen Richtung SüdOst bzw. SüdWest laufen wir Höhe und erreichen gegen Mittag Palamos. Eine Stunde später haben wir die Skyline von Palamos hinter uns gelassen und laufen eine größere Badebucht an. Platja de Sant Pol liegt vor uns in der Sonne als wir um 13.25 Uhr den Anker im Boden festzurren. Tanne macht bereits das Dinghi startklar und erkundet die felsige Westseite, die einige „Spezialbuchten“ für kleinere Boote vorweist. Während dessen startet die Mannschaft bei laufender Webcam den ABC, den Ar…BombenContest.

 

Im erfrischenden Wasser lässt es sich gut aushalten, während der Wind merklich durch die Bucht streicht. Draußen allerdings geht es noch rauer zu. Zum Nachmittag werden die hungrigen Matrosen mit Schweinefilet, Bandnudeln und einem Bauernsalat gesättigt, die anschließende Spülorgie bringt das Schiff wieder auf den neuesten Stand. Gegen 18.30 Uhr juckt es den Skipper wieder in den Fingern. Wir lichten den Anker und verlassen die Bucht. Kaum haben wir wieder die ungeschützte See erreicht, müssen wir feststellen, dass dem Anschein nach überall „locally“ ist.

 

Jedenfalls bläst der Wind so stark (6 Bft.), dass wir schwer Lage schieben. Ein kurzes Intermezzo unter Motor und wir haben das 2.Reff im Groß, die Genua verkleinert und schon geht es weiter. Aber ohnehin nur für einen kurzen Schlag um’s Huck. Um 19.15 Uhr laufen wir Sant Feliu de Guixols, den bisher teuersten Hafen an. Dem Anschein nach müssen wir mit den 75 Euro Gebühr den feudalen Neubau des Club Nautico voll mitfinanzieren. Dafür muss man aber auch unumwunden zugeben, dass die Anlage erste Sahne ist. Wobei der alte Hilfsboy des im Zweireiher und Krawatte residierenden Hafenmeisters leicht überfordert ist und uns nicht so recht einweisen kann. Wie kann man eigentlich ohne die Weltsprache Spanisch an die Costa Brava fahren? Beim Anleger macht er ebenfalls nicht die beste Figur, wir m übrigen aber auch nicht. Schließlich sind wir im 2.Versuch vorne vor Steg L und versuchen unser Boot für die Nacht zu verzurren. Spring hin, Spring her, hoffentlich hält es…

 

Nach dem Manöverschluck und einigen Momenten der inneren Ruhe geht es zum Stadtrundgang in die laut ADAC-Reiseführer „die im Mittelalter nach Palafrugell zweitwichtigste Stadt des Emporadà, die auch heute wenig von ihrer Authenzität eingebüßt hat und ohne Zweifel einer der interessantesten Küstenorte der Costa Brava ist.“ Dass wir in der gleichen Stadt sind merken wir an der im Reiseführer abgebildeten Sonnenuhr, ansonsten hat das Kaff nun wirklich nichts Überzeugendes. Das mag daran liegen, dass wir in der Vorsaison sind und deshalb die Lokalitäten nicht gefüllt sind. Aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier in früheren Jahren einfach die Betonbunker an die Strandpromenade gesetzt worden sind und der angeblich sehenswerte Altstadtkern in der Versenkung verschwindet. Wir finden den Jugendstilbau des Casino dels Nois und die Alte Markthalle (Placa del Mercat), aber das Flair von Altstadt will nicht so recht aufkommen. Auch eine Biereinlage in der Bar „The lawyers“ stimmt uns nicht gnädiger in unserem Urteil.

 

Kneipe und Wirt regen unsere Phantasie zu einer neuen Pinte in der Heimat an, die wir „Zum warmen Advokat“ nennen würden. Mal sehen, wer den Kneipier abgeben wird…

 

Auf dem Heimweg machen wir noch in einer zugigen Spelunke „El Corsari“ halt, wo wir neben einem Bier „fettige Keilriemen in Panade“ zur Wegstärkung einwerfen. Auf unserer Isàvena wieder angekommen, gönnen wir uns noch einen Absacker ehe wir in den Kojen verschwinden.
Logbuch:
Sant Feliu de Guixols – El Estartit
Logge/Trip:
23,4 sm in 6 Std. 55 Min.
unter Motor:
3 Std. 50 Min.
Wind:
NW 0 – 1 zunehmend auf 2
Nachmittags SW 2 abnehmend 0 – 1
Fotogalerie
Im Gegensatz zum gestrigen Anlegen ist es heute Morgen windstill im Hafen. Wir lassen uns Zeit und sind gegen 11 Uhr startklar. Motor an, Leinen los und in der Ausfahrt ziehen wir das Groß hoch. Windstille empfängt uns auch draußen als wir nach 10 Minuten den Motor abschalten und wartend vor San Feliu dümpeln. Um die Zeit zu überbrücken macht Dirk das Dinghi klar und fährt zum Foto-Shooting hinaus. Nach Rückgabe der Ausrüstung verabschiedet sich Dirk plötzlich im T-Shirt und mit Brille vom Dinghi und lässt unvermittelt ein MOB unter Motor trainieren. Schnell haben wir ihn wieder aufgepickt und der Spaß ist vorbei. Hoffentlich nie im Ernst, bei 5 Windstärken oder mehr und schlechter Sicht.

 

Jedenfalls läuft der Motor und wir tuckern ein wenig an der Küste entlang in nordöstlicher Richtung. Um 13 Uhr nehmen wir wieder erste Windbewegungen wahr, so dass wir flott die Segel wieder klar machen und bei 2 Bft. auf die Unterstützung der Schraube verzichten können. Als um Viertel nach Zwei der Wind wieder nachlässt brauchen wir den Quirl erneut. Eine Stunde unter Motor und wir haben endlich eine Bucht erreicht, in der wir an einer der vielen Bojen festmachen können. Cala Aigua blava ist der Ort, an dem wir ein wenig abhängen. Ein kleiner Imbiss, dann geht es ab ins Wasser. Einzeln schwimmen wir bis zum Strand, wo vier Mann es sich nicht nehmen lassen, ein Bierchen in der Strandkneipe zu ordern.

 

Jürgen und Haggy haben dafür Kontakt mit einer Feuerqualle und kehren zum Kahn zurück. YACHT oder Jo Nesbo lesen, Sonnen baden, Musik hören – wir lassen es uns gut gehen, während Jürgen noch eine Runde mit dem Dinghi durch die Bucht dreht. Kurz vor 18 Uhr entscheidet der Skipper schließlich, die Mannschaft aus ihrer Lethargie aufzuscheuchen. Wir schmeißen wieder den Motor an und verlassen die Bucht, um noch mal in der Abendsonne zu segeln und uns eine Bucht weiter zu verholen. Aber beides gelingt nicht so richtig. Wir erwischen quasi die einfallende Flaute, da die wenigen Winde ihren Tagesdienst einstellen, so dass wir erneut motoren. Und die von uns ausgesuchte Bucht Cala Aiguafreda nahe dem „architektonisch vielfältig geprägten Altenheim“ (vermutlich irgendeine Hotelanlage) erweist sich als ungeeignet, da zwar sogar viele Bojen ausgebracht sind, diese aber nicht den Eindruck vermitteln, sie könnten unseren Pott bei etwas mehr Zug auf der Stelle halten.

 

Da wo im englischen Küstenführer eine Ankermöglichkeit eingezeichnet ist, setzt gerade in Fischer seine Netze und wir würden mitten in der Einfahrt zu Sa Riera liegen Also Safety first und wieder raus. Der weitere Küstenstrich verfügt bis nach Estartit über keine Möglichkeiten, so dass wir uns entschließen, diesen Hafen ein zweites Mal anzulaufen. Leider ist nicht der freundliche Kerl vom letzten Mal anwesend, sondern ein ebenfalls freundlicher, aber auch wichtiger Securitas-Mitarbeiter, der uns obwohl unsere alte Box frei ist, lieber an den letzten Platz der Contradique schickt. Das heißt laufen, laufen, laufen, um zu den Duschen zu gelangen.

 

Nach dem Manöverschluck entschwinden Ralf und Haggy wieder nach unten, um die „letzten Reste“ durch die Pfanne zu jagen: Hähnchenschnitzel mit Reis und Mais-Thunfisch-Salat füllen die Mannschaft richtig ab. Erschöpft begeben sich die Seebären zu Bette…
Logbuch:
El Estartit – Palamos
Logge/Trip:
22,3 sm in 5 Std. 45 Min.
unter Motor:
1 Std. 10 Min.
Wind:
NO2-3 abnehmend auf NO 0-2
Nachmittags SW 3 zunehmend 3-4
Fotogalerie
Der letzte Tag beginnt mit dem langen Gang zu den Duschen. Das Wetter ist wieder sonnig und wolkenlos, allerdings fehlt der rechte Wind zum Segeln. Also lassen wir es gemächlich angehen. Ein Telefonat mit dem Vercharterer bringt ein wenig Abwechslung. Aufgrund einer „Überbuchung unserer Maschine“ hat er ein Kapazitätsproblem und bietet uns eine Übernachtung im Hotel an, wenn wir das Boot schon am frühen Abend statt am nächsten Morgen verlassen. Nach kurzer Beratung willigen wir ein.

 

Wir verlassen Estartit und halten wieder auf unsere gestrige Badebucht zu. Einerseits liegt das auf Strecke Palamos, andererseits haben wir Tanne’s Kumpel Jürgen Schumacher dahin bestellt, um ein erstes Hallo in der spanischen Fremde zu feiern. Der Weg dahin dauert allerdings erheblich länger als geplant. Der Wind ist nur sporadisch da, wir versuchen alles aus dem Kahn rauszuholen, indem wir den Blister noch einmal zum Einsatz bringen, aber so recht will das alles auch nicht klappen. Und dieses verbaute Altenheim auf der Klippe will auch nicht näher kommen. Letztlich bleibt uns nichts anderes übrig, als den Quirl erneut zu aktivieren. Jürgen wartet sich wahrscheinlich schon am Strand die Beine in den Bauch. Endlich machen wir an einer Boje fest.

 

Tanne paddelt mit dem Dinghi rüber und schon sind wir mit dem dritten Jürgen an Bord ausgestattet. Ein gekühltes Mistral hat Tanne gleich mitgebracht, so dass wir unseren Gast standesgemäß begrüßen können. Kurz danach wird der zweite Tag des ABC ausgerufen. Diesmal mit ambitionierter Beteiligung durch den Maitre. Der legt auch gleich einen Sahnesprung hin, der von den folgenden – weitaus höheren – Gewichtsklassen nicht mehr getoppt werden kann. Sieger dank hervorragender Technik also Ralf, vor Tanne und abgeschlagen Haggy.

 

Gegen 15.30 Uhr machen wir uns wieder auf, nachdem wir Jürgen wieder am Strand abgesetzt haben. Draußen hat es zum Glück wieder aufgebrist, so dass schnell Groß und Genua ausgeschüttet werden. Mit über 5 Knoten nähern wir uns Palamos, das wir gegen 18 Uhr erreichen. Routiniert wie wir mittlerweile sind, rauschen wir um’s Eck, verkleinern auf dem Weg nach und nach die Genua, fahren eine Wende durchs Hafenbecken, holen den großen Lappen runter und verpacken ihn direkt ansehnlich im „Saitling“ und machen zur Freude von Joachim, dem Mann vor Ort, an unserem alten Platz wieder fest.

 

Die Übergabe des Schiffes gestaltet sich wieder zu einem Fachvortrag des Skippers über die Vorzüge und Nachteile einer Sun Odyssee 45. Während er Stunden mit Joachim auf dem Pott rumturnt, lässt die Mannschaft das frisch Gezapfte über die Seemannskehlen rinnen. Schließlich sind wir soweit. Joachim bringt uns ins Hotel Ancora in Palamos. Wir bekommen zwei Appartements zugewiesen. Die ursprünglich von Micha angeregte Demontage des Hotels nach Vorbild „The Who“ muss zum Glück wegen des Abendessens entfallen. Meeresspezialitäten unterschiedlichster Art werden aus der Küche aufgetischt. Den letzten Pernod trinken wir auf unserem Zimmer und drücken dann die Bettkarte. Micha und Maria gestalten unsere Nachtträume.
Logbuch / Rückreise:
Rückreise: Palamos (E) – Schwelm
Logge/Trip:
1368 km in 13 Std.45 Min.
„Reise, Reise – Aufstehen!“ Der Ruf des Skippers schallt wieder Donnerhall zum Wecken durch die Anlage. Schnell Duschen und Tasche packen, Klamotten ins Auto rein, Schlüssel abgeben und gegen 8 Uhr fahren wir Richtung Palau, um Tanne dort abzuliefern. Kurzer Boxenstopp bei AGIP und es geht weiter, an der Keramik-, Fliesen- und Terracotta-Industrie der Region Girona vorbei. In Palau angekommen, wartet ein opulentes Frühstück bei Petig´s am Pool auf uns. Vielen Dank für hierfür an die Fam. Dirk u. Iris Petig. Wer war nicht schon in jungen Jahren in der Schwelmer Wiedenhaufe und dort den gleichnamigen Kfz.-Schrottplatz besucht. Sieben langbeinige Spanierinnen verwöhnen uns nach den Mühen einer Woche auf hoher See….
Epilog vom Skipper auf der
Rückfahrt nach Schwelm….
„Für Spanien nicht schlecht!“ würde Harry, unser Smut vom letzten Jahr, zum abgelaufenen Törn wahrscheinlich treffend formulieren. Die Costa Brava war auf jeden Fall eine Reise wert. Wir hatten den richtigen Wind, den falschen, gar keinen, dafür aber Welle, plötzlich drehend oder auch tatsächlich konstant. Eine vernünftige Törnplanung mit Hilfe des Wetters war nicht möglich, aber letztlich egal. Die Wetterberichte, die wir bekommen haben, stimmten i.d.R. nicht, so dass wir nach den aktuellen Bedingungen jeweils entschieden haben, wohin wir denn segeln wollten. Das ist wahrhaftig Urlaub – losgelöst von Terminen und zwingenden Aufgaben. Deshalb hat auch keiner das ursprüngliche Ziel Barcelona vermisst. Vielmehr genossen wir alle den mal nicht bis ins Detail geplanten Tagesablauf.

 

Seglerisch genossen wir von Flaute über das Blister-Segeln bis zum richtigen Arbeiten beim 2. Reff und deutlich verkleinerter Genua alle Varianten, und das immer, ohne uns dabei zu überfordern. Denn wir „mussten“ nicht irgendwo ankommen. So hatten wir zu jeder Zeit viel Spaß und genossen alle Varianten des Segelns an der Costa Brava – vom Buchten-Hopping bis zum Wellenritt – und schafften immerhin 200 Seemeilen. Die gecharterte Yacht vom Typ Sun Odyssey 45 aus dem Jahre 2008 zeigte sich dabei sicher, gut ausgerüstet, intakt und dabei noch ziemlich schnell. Ist und Soll (aus dem Angebot des Vercharterers) passten tatsächlich zusammen. Auch die teils neuen Erfahrungen beim Anlegen mit Mooringleinen, an der Mooring-Boje und die Dinghi-Ausflüge waren allesamt hilfreich wie spaßig.

 

Auch die Crew hat wieder ihr Bestes gegeben. Jeder übertraf den anderen mit Spontaneität, Einsatzbereitschaft und Situationskomik. Dabei bekam vom Skipper bis zum Küchengehilfen jeder zur geeigneten Gelegenheit sein Fett weg. Stress an Bord war ein wirkliches Fremdwort. Dies lag sicher auch daran, dass die zwei „Neuen“, Dirk und Jürgen R., sich ohne Probleme in die Gruppe der „alten“ Hasen eingefügt haben. Hier noch mal der Dank an beide, dass Sie die Crew mit ihrem Mitwirken, ihren Ideen und ihren Sprüchen bereichert haben. Dirk war ja schon mal vor Jahren dabei, aber für Jürgen R. war es Premiere – eine offensichtlich gelungene für beide Seiten.

 

Eigentlich wäre Christian ja dabei gewesen, aber sein lädierter Zeh hat ihm und uns leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Schade, dass es nicht geklappt hat, zumal wir uns ohne Smut selbst verpflegen mussten. Der Zuwachs an Leibesumfang innerhalb einer Woche zeigt jedoch, dass sich die Crew auch hier zu helfen wusste.

 

Nach jetzt etwa 14 Stunden auf Achse im BIW-Transit mit Frühstückszwischenstopp in Palau und Pizza-Hut-Einlage in Luxemburg haben wir jetzt noch rund zwei Stunden bis nach hause. Die Daheimgebliebenen warten schon und alle freuen sich auch wieder auf´s traute Heim, aber dennoch sind die Gedanken der Segler gleichfalls wieder beim nächsten Törn. Wohin uns dieser führen wird, ist jedoch noch völlig offen – lassen wir uns überraschen.

 

Skipper