Segeltörns: 2020 - 1991
Toern 2010
SCHWELMER SEGELCREW „HIERUM & DARUM“ Begonnen hat es im Jahr 1991 mit einem Junggesellenabschied auf dem Ijsselmeer in Holland. Seitdem fährt die Schwelmer Segelcrew mit dem nicht ganz ernst gemeinten Namen „Hierum & Darum“ jedes Jahr auf einen gemeinsamen Törn. Neben der Ostsee (Deutschland, Dänemark und Schweden) wurde in letzten Jahren auch das Mittelmeer besucht. 4 Törns in Kroatien und 2 Törns in Griechenland begeisterte die Crew.
Schwelmer Segelcrew, Segeln, Hierum & Darum, Dänemark, Schweden, Kroatien, Griechenland, Spanien
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07.05.2010 – 14.05.2010
Burgtiefe auf Fehrman – Middelfart (Dänemark)
Markus Wiethoff
Andreas „Haggy“ Happe
Jürgen Michels
Ralf Stoffels
Guido Woeste
Michael Gutman
Christian Harde
Knut Pomian
Skipper
Wachführer A
Wachführer B
Krötenmeister & Mâitre de Plaisir
Leitender Ingenieur
Matrose, Anwärter zum großen „Seebär“
Smut (*****)
Ersatz-Smut und Oel-Wart
Schiffs- Art:
Hersteller
Modell
Schiffs-Baujahr:
Schiffslänge / Breite
Tiefgang
Liegeplatz / Ort
Kojen / Schlafplätze
Wasser- / Dieseltank
SY
AD Boats
Solana 45 – „Special One“
2004
13,55 Meter / 4,25 Meter
2,10 Meter
Burgtiefe auf Fehmarn
4 / 8
500 Liter / 200 Liter
Logbuch / Anreise:
Hinfahrt von Schwelm – Burgtiefe auf Fehrman
Logge/Trip:
540 km in 6 Std.
Wind NordOst -Startbahn 03….

 

Fotogalerie
Selten war das Wetter bescheidener bei einer Schiffsübergabe als bei unserer Ankunft auf Fehmarn. Ein frostiger NordOst peitscht den Regen quer über den Steg, der sich langsam wieder aus dem Hafenbecken erhebt, weil das durch den dauernden Wind im Becken angestaute Hafenwasser langsam wieder Richtung Fehmarnsund abläuft.

 

Das Wetter ist so prima, dass nicht einmal unser gechartertes Boot greifbar ist. Die Vor-Crew hängt mit der Salona 45 in irgendeinem Ostseehafen und wartet auf Besserung. Aber REAl-Sailing greift in die Trickkiste und stellt mit der „Spezial One“ das Schwesterschiff zur Verfügung. Im Ölzeug geht es mit flinker Hand und noch schnelleren Füßen über den Steg, um das zugewiesene Boot schnellstens zu beladen.

 

Nachdem wir die feuchte Tortur überstanden haben, kommen die ersten kulinarischen Leckerbissen aus der Küche. Für den kleinen Hunger zwischendurch gibt es Baguette und diverse Kräuterbuttervariationen. Im späteren Verlauf kommen Fischhäppchen hinzu.

 

Wenn das Segeln nicht wäre, ginge es uns gut…

 

Jedenfalls ist es klamm und kalt. Wir sind froh, dass wir in der guten warmen Stube sitzen. Der Abend verläuft gewohnt harmonisch und das erste Leergut wandert wieder ins Auto, ohne den Weg über das Wasser anzutreten.
Logbuch:
Burgtiefe auf Fehrman – Marstal (DK)
Logge/Trip:
40,9 sm in 10 Std. 35 Min.
unter Motor:
5 Std. 50 Min.
Wind:
ONO 3 abnehmend, Nachmittags
NNE 0 – 1 dann NO 0-1
Kaum Sonne, etwas Regen, 7 bis 11 Grad…
 
Fotogalerie
…so lautet der Wetterbericht für Schleswig-Holstein im Radio RSH. Das heißt: warm anziehen, volle Montur und rein ins Ölzeug. Die „Special One“ sticht um 09.35 Uhr in See, wobei stechen ein wenig übertrieben erscheint. Kaum aus der Rinne raus, werden Groß und Vorsegel gehisst. Im Vergleich zum gestrigen Tage ist das ein zwar kaltes, aber leider laues Lüftchen. Höchstens drei Windstärken schieben uns bei fallender Tendenz in den Fehmarnsund Richtung Brücke. Nachdem wir diese passiert haben, suchen wir verzweifelt nach einem anständigen Kurs, der uns nach vorne schiebt. Segel backbords, Butterfly, Segel steuerbords – aufgrund des wenigen Windes ist nichts zufrieden stellend. Wir wechseln aus lauter Langeweile die Vorsegel durch: zunächst schlagen wir die große Genua an und etwas später versuchen wir den Spinnaker auszubaumen, damit wir möglichst Richtung Kieler Bucht kommen. Aber die Erfolge sind nur eingeschränkt. Dafür dümpeln wir durch einen Schwarm Mücken, der sich in Windeseile rund um in der Plicht breit macht.

 

Irgendwann reißen selbst dem Skipper die Nerven, alle Segel werden geborgen, der Diesel angeworfen und mit Kurs 334 geht es ab Richtung Südspitze Langeland und weiter Richtung Aero. Durch den Fahrtwind schütteln wir größtenteils die kleinen Stechfliegen wieder ab, im Gegenzug flattert wenigstens die Schwelmer Fahne in der Dänischen Südsee. Himmel und Wasserfläche gehen dafür immer mehr in ein trübes Einheitsgrau über, die Außentemperatur beträgt schlappe 6,5 Grad. Wenn der Smut nicht die Truppe bei Laune halten würde, die Meuterei wäre schon im vollen Gange. Als Mittagshappen wird ein Blumenkohlsüppchen gereicht, anschließend warmer Kartoffelsalat mit Bockwürstchen. Alles wie immer sehr schmackhaft und mit großer Wonne verzehrt. Bleibt zu hoffen, dass wir wenigstens wegen der Kälte auch mehr Kalorien verbrennen. Andernfalls droht noch Explosion.

 

Nach dem Essen tuckert das Boot fast allein über die Ostsee, die Mannschaft gönnt sich unter Deck eine Auszeit und versucht den eisigen Temperaturen zu entkommen. Kaffee und Kuchen sorgen erneut für eine Kalorienzufuhr…

 

Wir halten mittlerweile auf Marstall auf Aero zu , und machen gegen 18.30 Uhr an Steg 7 fest. Es ist wenig los um diese Jahreszeit, so dass wir in Ruhe in eine freie Box hoppen können. Nachdem wir am Landstrom hängen, stellen wir endgültig fest, was wir am Nachmittag auf See schon befürchtet hatten: die Heizung streikt und wir haben Mühe, einigermaßen die Temperatur im Schiff auf Touren zu bringen. Aber unser LI wird es schon richten, mit einigen Handgriffen wird der nicht gängige Ventilator wieder in Gang gebracht und der „Auspuff“ der Anlage zudem noch in Stand gesetzt. Um 22 Uhr läuft die Anlage wieder und uns geht es langsam besser. Nicht zuletzt deshalb, weil wir schon wieder ein Essen eingeworfen haben: Schweinefilets in Gorgonzola-Sahnesauce mit Bandnudeln und Zucchinigemüse sorgen für träge Seemänner. Bei so vielem Essen muss der ein oder andere Absacker eingeworfen werden, damit der Magen nicht rebelliert. Mit Feuereifer widmen wir uns bis Mitternacht dieser Aufgabe…
Logbuch:
Marstal (DK) – Assens (DK)
Logge/Trip:
46,6 sm in 9 Std. 45 Min.
unter Motor:
3 Std. 10 Min.
Wind:
MNM 1-2 später NW1, Nachmittags
W 2, am Abend WSW 2-3
Muttertag und fallendes Barometer…

 

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Freude unter Deck – die morgendliche Temperatur hat sich auf satte 7,5 Grad hochgeschraubt. Sarkasmus macht sich breit, denn die einzig positiven Aspekte sind die warmen Duschen und ein nettes Frühstück. Das fallende Barometer und der einsetzende Nieselregen lassen dagegen nichts Gutes für den Tag hoffen. Was soll’s, wir müssen weiter. Ziel ist für heute das uns bekannte Middelfart, was mehr als 60 Seemeilen bedeutet. Mal sehen, wie wir hinkommen…

 

Bei der Ausfahrt hat es mittlerweile aufgehört zu nieseln, dafür kommt die Fähre aus Rüdköbing entgegen und zwingt uns zu einigen Schleifen im Hafenbecken. Der Trip durch die nordwestliche Rinne zwischen Aero und Täsinge gestaltet sich als kleine Segelboot-Karawane am grünen Tonnenstrich. Hinter Birkholm nehmen wir Kurs Richtung Kleiner Belt – alles unter Motor. Denn die laue Brise kommt exakt von vorn und reicht zudem nicht zum Segeln.

 

Auf Höhe Skjoldnaes frischt der Wind endlich auf und wir können um kurz nach Eins die Segel setzen. Bei WNW schieben wir uns an der Fünen zugewandten Seite den Kleinen Belt hoch. Vor Lyo müssen wir noch einmal eine Kreuz einlegen, um die Nordwestpassage fortsetzen zu können. Hie und da zeigt sich mittlerweile auch das ein oder andere Wolkenloch, und am späten Nachmittag scheint sogar die Sonne. Beste Voraussetzungen, um mal wieder den Spinnaker in Aktion zu setzen. Um kurz vor Fünf steht der große Lappen und zieht uns mit deutlich höherer Geschwindigkeit Höhe Akrog Bugt den Kleinen Belt rauf. Middelfart werden wir nicht mehr erreichen, dafür ist Assens ein realistisches Ziel geworden.

 

In Höhe Assens bereiten wir uns gerade auf das Bergen des Spinnakers vor als eine Brise von rund 4 Bft. in die Segel greift und den Kahn unter Dampf setzt. Mit 9,05 Knoten setzen wir den TagesSpeedRekord und schießen an Assens vorbei. Smut Christian sortiert seine Champignons wieder ein und bereitet das Abendessen vor.

 

Im Hafen bergen wir schließlich noch das Groß und legen uns dann in eine der vorderen Boxen. Der obligate Manöverschluck wird in den letzten Strahlen der sich im Westen senkenden Abendsonne eingenommen. NDR2 verkündet zudem in den Nachrichten die aktuellen Ergebnisse der Landtagswahl in NRW, wobei sich die Zahlen im Laufe des Abends immer wieder ändern. Überrascht ist eigentlich keiner an Bord. Mal sehen wie es in Düsseldorf weiter geht. Die Mannschaft jedenfalls ist wohlauf und freut sich auf die Pilzpfanne mit Bandnudeln.
Logbuch:
Assens (DK) – Middelfart (DK)
Logge/Trip:
24,5 sm in 5,0 Std.
unter Motor:
15 Min.
Wind:
WNW 3-4 zunehmend, Nachmittags
W 4, am Abend W 3 – 4
Es soll langsam wärmer werden…

 

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Die Nacht war angenehm, auch wenn gegen Morgen ein monotones Dauergeräusch ähnlich einem überdimensionalen Staubsauger oder Bandschleifer aus der Assens Werft die schlafende Crew weckt. Beim Duschen rechnet der Automat messerscharf ab – 30 Sekunden = 1 Krone unter diesem Motto begrüßen die Duschfreunde Assens die Sparfüchse aus Schwelm.

 

Beim Frühstück erleben wir den ersten kulinarischen Rückschlag – der Smut kann keine Eier kochen. Das wird noch ein Nachspiel vor dem Seefertiggericht haben…

 

Heute wollen wir es dann noch mal Richtung Middelfart probieren. Mal sehen wie weit es heute geht…

 

Noch im Hafen setzen wir das Groß und während wir in den Wind abfallen holt Haggy die Genua zum Vorschein, so dass die Special One die Hafeneinfahrt unter vollem Tuch passiert. Heute haben wir augenscheinlich mehr Glück: es regnet nicht und runde 3 bis 4 Bft. aus WNW treiben das Boot zwischen Bagö und Fünen gen Norden. Um auf Brandsö im Kleinen Belt zuzuhalten, müssen wir einige Schläge gegen den Wind machen. Nachdem wir Wedellsborg Hoved querab haben, geht es wieder mehr in nördliche Richtungen. Von nun ab fahren wir bis vor den Zielhafen, ohne das Segel noch einmal rüberholen zu müssen. Die Passagen rund um Middelfart sind immer wieder erstaunlich, die Winde werden augenscheinlich durch die Inselwelt beeinflusst. Jedenfalls schieben wir uns langsam westlich an Faenö vorbei, wobei wir zunehmend kneifen müssen, aber regelmäßig packt uns eine Windbö, wenn es knapp zu werden droht und schenkt uns wieder ein paar Meter Höhe. Mit viel Kneifen gleiten wir parallel Faenö und können östlich Faenö Kalv langsam auf nördlichere Richtungen schwenken. Über Kurs 340, 360, 035 und 070 kommen wir gut voran, zumal eine frische Brise unser Vorankommen sichert. 8,93 Knoten schafft Guido als Tagesrekord. Als wir die Eisenbahnbrücke von Middelfart in voller Pracht vor uns sehen, fällt das GPS aus und wir sind ausschließlich auf die Karte angewiesen. Unter der Brücke haben wir längst die Genua eingerollt und für die letzten Meter reicht auch die Fahrt nach Sicht. Vor der neuen Marina holen wir flott das Groß ein und schwenken in den Hafen ein. Um 15 Uhr 50 machen wir fest und liegen in der zweiten Box rechts. Nach kurzem Manöverschluck geht es zu einem Landgang durch’s Städtchen, das sich seit unserem letzten Besuch ein wenig rausgeputzt hat. Neue Platzgestaltungen laden ein zum Bummeln, einige neue Gebäude geben dem Stadtbild Akzente ohne die alte Baustruktur zu sehr in den Hintergrund zu drängen. Im Cafe Razz am Wasser plündert der Maitre de Plaisir die Bordkasse für einen Capuccino. Anschließend geht es wieder über die Promenade bis zum Schiff, wo wir angesichts der Wetteraussichten über den weiteren Weg philosophieren. Mittwoch soll es Sch…- Wetter geben. Egal was rauskommt, wir werden eh anderes Wetter haben. Aber bei einem kühlen Schwelmer Bier kann die Diskussion ruhig lang werden…
Logbuch:
Middelfart (DK) – Sonderborg (DK)
Logge/Trip:
54,9 sm in 11 Std. 55 Min.
unter Motor:
5 Std. 5 Min.
Wind:
NW 1 abnehmend, Mittags 0
später SO 1, am Abend NO 2
Blauer Himmel, kühle Temperaturen, wenig Wind…

 

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Dank einer klaren Nacht hat es so weit abgekühlt, dass auf dem Deck Raureif liegt und insofern Rutschgefahr auf dem Weg zur Morgentoilette besteht. Zumindest für diejenigen, die bei der Käpt’ns-Party so vorn dabei waren wie der Baum reitende Maitre. Fröhlich haben wir den Bürgermeister von Ass..Assssenss, Lars Offen, mit in unsere Feier integriert. Der Chor der unteren Mannschaftsränge improvisierte ein Spontankonzert mit so bekannten Gassenhauern wie „Ich bin froh, dass ich kein Skipper bin…“ oder „Bläht denn der alte Holzmichel noch?“. Gegen Mitternacht entging der Mannschaft die geforderte Nachtfahrt, da Markus trotz lautstarker Forderung „Skipper, wir wollen auf’s Meer! Wir wollen raus! Leinen los! Nacktfahrt…“ sich nicht erweichen ließ und den Verbleib im sicheren Hafen vorzog.

 

Trotz der Feierlichkeiten sind wir zeitig auf den Beinen, so dass wir nach dem Frühstück um 08.15 Uhr in der Sonne unser Crew-Foto machen und anschließend Middelfart wieder verlassen. Es geht zurück Richtung Kleiner Belt, da wir uns dort mehr Dispositionsmöglichkeiten für die nächsten Tage ausrechnen. Den Als-Sund nachmittags oder abends gemütlich runter zu segeln ist immer wieder ein nettes Erlebnis. Also ist unser vorläufiges Ziel: Sonderborg. Unter Motor tuckern wir noch einmal an Middelfart vorbei und schießen das ein oder andere Foto. Fänö passieren wir diesmal nördlich durch den Sund und unter Motor geht es weiter in südliche Richtungen. Der Kleine Belt ist so glatt, dass Wasserfläche und Horizont grenzenlos ineinander verschwimmen. Interessante Bilder können geschossen werden, zumal die Wolkenstrukturen wunderbare Kontraste in den Himmel zaubern. Diesmal lassen wir Brandsöl östlich liegen und steuern auf Ärösund zu. Linderum bleibt im Westen und dann an den Tonnen zwischen Jütland und Ärö entlang in die große Barsö-Bucht. Gegen 12 Uhr ist es endlich soweit, ein Hauch von Brise zeigt sich auf dem Wasser. Schnell ist das Groß gesetzt und die Genua auch noch herausgezogen. Der Motor wird ausgeschaltet und tatsächlich gleiten wir durch die Bucht. Der Smut zaubert ein Süppchen mit frischem Porree sowie einige Toast Hawaii. Die Sonne scheint, aber es ist merklich kühl, so dass die Assoziationen mit der Pazifik-Insel doch eher sehnsüchtiger Art bleiben. Die Mannschaft hängt erst recht nach dem Essen größtenteils in den Seilen und wartet auf Einsatzbefehle. Stattdessen werden die ersten Bücher ausgelesen und Kartenkurse abgesetzt.

 

Um 15 Uhr ist der Wind erneut so weit eingefallen, dass wir den Motor wieder anwerfen., um 20 Minuten weiter Richtung Insel Als und den gleichnamigen Sund zu motoren. Beim ersten Ansatz eines lauen Lüftchens werden wieder die Segel gesetzt und der Motor abgestellt. Es soll keiner sagen, wir wären kein Segel-Boot. Langsam aber beständig nähern wir uns dem Alssund, den wir segelnd „bezwingen“. Vor der Osttonne zum eigentlichen Sund müssen wir ein paar Mal gegen die östliche Brise kreuzen, ehe uns Jürgen bis Sonderborg sicher an den Tonnen vorbei fährt. Kurz hinter der Autobrücke haben wir dann auch die vor uns fahrende Yacht eingeholt. Einige letzte Schläge vor die Klappbrücke, die sich um 19.35 Uhr für uns öffnet. Vorbei an der im letzten Sonnenlicht liegenden Stadtansicht und dem Slot geht es zum Yachthafen. Die ersten beiden Einparkversuche scheitern, da wir die Weite zwischen den Holzpfählen falsch einschätzen. Die Marine gibt uns den entscheidenden Tipp für Steg J und wir hoppen uns neben ein britisches Ehepaar. Gut verzurrt, mit drei Springs gegen jegliche Windattacke aus NordOst gesichert, liegt unser Boot im Becken. Ein Manöverschluck für die Mannschaft, dann wird das Vorsegel gewechselt, und während der Smut sich in die Kombüse verholt, werden letzte Arbeiten erledigt. Spät am Abend gibt es Variationen vom Fisch als Vorspeise, eine Sonderborger Nudelpfanne mit Zucchinisalat und zum Abschluss ein niederländischer Absacker zum Aufräumen des überfüllten Verarbeitungstraktes. Gegen Mitternacht löst die Crew die Bettkarten…
Logbuch:
Sonderborg (DK) – Maasholm (D)
Logge/Trip:
22,6 sm in 3 Std. 10 Min.
unter Motor:
20 Min.
Wind:
NO 3-5 in Böen 6, Nachmittags
NO 5, am Abend NO 1-3
Wind NordOst 5 – 6, in Böen 7 – 8, Nieselregen…

 

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Keine Aussichten, die die Mannschaft zu Jubelarien veranlassen. Frieren, nass werden und sich durch die Wellen kämpfen, wir können uns besseres vorstellen. Da es gegen Mittag etwas schicklicher werden soll, gibt der Skipper frühzeitig die Devise „Ausschlafen!“ aus. Davon machen alle Gebrauch und so kommt erst nach 09.00 Uhr Bewegung ins Schiff. Morgendliche Restauration der Gesichtsfassade, eine warme Dusche – schon ist jeder wieder auf dem Damm. Spülen, um Frühstücken zu können, danach noch einmal um „Segel bereit“ zu sein, meine Güte, das ist doch Urlaub. Aber was soll’s, da müssen wir durch.

 

Nachdem wir das Schiff klar haben, lässt auch der Regen langsam nach. Die Schiffsheizung sorgt für wohlige Wärme, so dass die Karten auf den Tisch kommen und eine Runde Doppelkopf gezockt wird. Smut, LI und Wachführer B nutzen die Gelegenheit um, wie letzterer sich ausdrückt, „Geschmack aufzunehmen“. Gegen Mittag kümmert sich der Smut um eine erneute Zufuhr kulinarischer Kleinigkeiten, damit wir für den bevorstehenden kurzen Schlag nach Deutschland präpariert sind. Putenbrust an „Schlotze“, Weißbrot zum Dippen – es grenzt schon an ein Wunder, was die Truppe so alles wegsaugen kann. Übrigens ist schon wieder Spülen angesagt.

 

Ab 14 Uhr rüstet sich die Crew zum Ablegen. Das volle Ölzeug inklusive Belt und Weste werden angelegt, dann geht es gegen 14.30 Uhr raus. Keine 10 Minuten später ist der Motor wieder aus, das Segel mit einem Reff durchgesetzt und die Fock ausgefahren. Diesmal schießt die Special One tatsächlich nach draußen in die Wellen. Windstärke 5 im Mittel zeugt von einem gehörigen Antrieb. Wir reiten mit 8 bis 10 Knoten nach Südost genau auf der deutsch-dänischen Grenzlinie zwischen Als und Festland. Highscore sind heute 10,7 Knoten, kein übler Ritt. Aber der Skipper hat ja auch selbst das Ruder übernommen…

 

Schnell kommen wir voran, so dass wir trotz abnehmenden Windes gegen 17.30 Uhr die Ansteuerungstonne vor der Schleimündung im Visier haben. Wir halsen, um durch die Tonnenpaare in die Schlei einzufahren und unter Segeln kommen wir ohne Probleme bis vor die grün-rot-grüne Tonne vor dem Maasholmer Hafen. Wir rollen die Fock ein, biegen nach Nord und holen dabei gleichzeitig das Groß ein. Vor der Einfahrt zu den Stegen legen wir uns längsseits in das erste Becken. Da es nach wie vor nicht gerade warm ist, wird als Manöverschluck erstmalig ein Kaffee bzw. ein Rum mit Tee gereicht. Zum Glück ist es trocken, so dass wir draußen in der Plicht sitzen können. Diverse Anrufe bei den Daheimgebliebenen künden davon, dass wir mit der Webcam Online sind und so grüßen wir fröhlich über das WWW in die Heimat.

 

Aufgrund drohender Verknappungstendenzen in punkto Gerstensaft – was zum Vatertag quasi ein Ding der Unmöglichkeit wäre – zaubert der Skipper völlig unvermittelt unter großem „Hallo!“ einen Kasten Flens ans Deck. Dort macht sich langsam schon wieder der verführerische Duft aus der Pantry breit, der Smut versucht seiner Verurteilung vor dem Seefertiggericht durch eine Tomatenplatte, Schweinefilet in Weißweinsauce sowie Kartoffeln aus der Pfanne zu entgehen. Es droht ein viertes Spülen…
Logbuch:
Maasholm (D) – Orth (D)
Logge/Trip:
47,6 sm in 11 Std.
unter Motor:
25 Min.
Wind:
NW 2, Nachmittags WNW 3,
am Abend NNW 1
Vattertach

 

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Nach einer ruhigen Nacht wacht die Mannschaft dank des Weckers um 07.00 Uhr auf und verholt sich in die propperen sanitären Anlagen des Maasholmer Yachthafens. Alles neu und gepflegt, einzig das Chip-Kartensystem lässt uns beim Duschen etwas zweifeln, ob das alles so richtig durchdacht ist. Da wir draußen im ersten Becken liegen ist es ein langer Weg rundum den Hafen. Nach dem Frühstück -deutsche Brötchen sind doch eindeutig besser als die dänischen – geht es dann um 10 Uhr los. Wir haben uns doch etwas Zeit gelassen bzw. die Wege waren weit. Na ja, macht nichts, es ist Urlaub.

 

Unmittelbar vor der Hafeneinfahrt werden Groß und Fock gesetzt, so dass wir langsam durch die Rinne Richtung Schleimündung segeln. Hier ist richtig was los. Eine ganze Armada von Booten scheint heute auf Vatertagstour zu gehen. Die wenigsten allerdings unter Segeln. Und so überholen uns stolze Dickbäuche, die uns die Schraubenkraft ihrer liebsten Errungenschaft ebenso zeigen müssen, wie kleinere Yachten, die einfach nur raus wollen Richtung Norden. Die wenigen Segler holen wir uns bis zur Giftbude am Leuchtturm. Der Kahn läuft bei wenig Wind richtig fix.

 

Draußen können wir den Kurs fast beibehalten. Die 3 Bft. aus NW verleiten uns dazu, den Spinnaker zu setzen und mit 30 Grad am Wind geht es raus in die Kieler Bucht. Am Horizont taucht ein rotes Blister auf, das ungefähr unsere Richtung fährt. Da haben wir doch glatt ein Ziel. Eine Stunde später sehen wir es deutlich vor uns. Auch wenn der Kurs immer mehr Richtung West wandert, lässt es sich Haggy nicht nehmen, den Konkurrenten auf der Steuerbordseite zu behalten, ihn flugs zu überholen und dann nach ein paar Minuten und einem gehörigen Abstand das Spie von der Mannschaft schiften zu lassen, so dass die Special One nunmehr südlichere Ziele anläuft. Nachdem Jürgen die Webcam wieder ans Laufen gebracht hat, widmet er sich dem Ritt über die Kieler Bucht. Dank des sich drehenden Windes, der mal aus West, dann wieder aus WNW mit 3 Bft. bläst, hat er genug zu tun, um den Spie optimal auszurichten.

 

Die Lisco Maxima, Fähre aus Kleipeda Richtung Kiel, korrigiert ihren Kurs und brettert mit 20,2 Knoten an unserem Heck vorbei. Auch wenn gegen Abend die Geschwindigkeit immer mehr nachlässt, der Spie zieht uns immer noch mit über 5 Knoten durch die Bucht Richtung Fehmarn. Jürgen wirft die berechtigte Frage auf, ob Heiligenhafen wegen seiner Größe und seines Betriebes eigentlich das richtige Ziel sei, zumal wir ja dank unseres Smut ausschließlich in der Selbstversorgung sind. Stattdessen schlägt er Orth auf Fehmarn vor. Da Skipper und Mannschaft die Idee aufgreifen, passen wir noch einmal den Kurs an und tragen den Spie rum. Dieses Manöver bedarf allerdings einiger Versuche, so dass wir eine Viertel Stunde lang das Spie rauf und runter ziehen, bis wir die Eieruhr raus haben. Dann haben wir es endlich geschafft und wir gleiten weiter auf die Ansteuerung von Orth. Gegen 20.15 bergen wir den großen Lappen, der uns den ganzen Tag von der Schleimündung bis nach Fehmarn gute Dienste geleistet hat. Für die Ansteuerung Orth holen wir kurz noch das Vorsegel raus, ehe wir am ersten Tonnenpaar Orth 1 den Motor anwerfen und die Segel bergen. Langsam tuckern wir durch den Orther Hafen bis nach hinten, stellen aber fest, dass alles dicht belegt ist. Also geht es zurück in die Box 48, die wir als frei auf dem Hinweg registriert haben. Schnell machen wir fest und tatsächlich findet der Ölwart auch noch die genügende Anzahl heimischer Gerstensaftflaschen für den obligaten Manöverschluck.

 

Die ersten Gäste sind auch schon da: Orth und seine Mücken sind uns aus früheren Tagen noch in leidiger Erinnerung. Heute geht es allerdings noch, da die Temperaturen tief genug sind. Der Smut ruft uns nach kurzer Zeit unter Deck und wieder hauen wir uns die Wampe voll: Tomatenplatte, Süppchen, und Putenbrustfilet am leckeren Sößchen mit Reis – wer hat eigentlich diese Völlerei mitgebucht? Nach dem Essen und Spülen spuckt das Schiff dann doch noch die letzte Flasche Aniswasser aus, die wir für einen letzten Absacker nutzen. Die Mannschaft ist müde und klettert ohne großes Aufhebens in die Kojen.
Logbuch:
Orth (D) – Burgtiefe auf Fehrman (D)
Logge/Trip:
12,6 sm in 2 Std. 10 Min.
unter Motor:
20 Min.
Wind:
WN 3-4
Der letzte Schlag zurück nach Burgtiefe

 

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Nach dem morgendlichen Duschmanöver gibt es auch am letzten Tag wie immer frische Brötchen, die der Maitre wie gewohnt irgendwo her zaubert. Die Stimmung ist gut, obwohl es der letzte Segeltag ist, aber das ist nicht ungewöhnlich, da sich doch jeder auch wieder auf sein Zuhause und die Daheimgebliebenen freut. Was heute etwas anders ist, ist das Ablegemanöver, denn einige aus der Crew sind bereits dabei, ihre Sachen zu richten und die Taschen zu packen. Aber auch mit weniger Händen setzen wir gleich nach dem Rausfahren aus der Box das Vorsegel und segeln flugs durch die Ansteuerungsrinne von Orth in den Fehmarnsund, und zwar bei NW 3-4.

 

Gut eine Seemeile vor der Sundbrücke treffen wir auf die X-Yacht 332 „Relax“, die ebenfalls zu unserem Vercharterer gehört und nach Burgtiefe muss. Natürlich entwickelt sich gleich ein kleines „Match-Race“. Bis zur Brücke kann keiner einen entscheidenden Vorteil für sich verbuchen, aber platt vor dem Wind in der betonnten Rinne erarbeitet sich die Relax einen kleinen Vorsprung, da wir noch die kleine Fock und nicht die Genua drauf haben. Hoch am Wind hinter der Fahrwassermittentonne allerdings können wir mit unserer Salona 45 „Special one“ mehr Höhe und deutlich mehr Speed fahren. Mit lauten Jubelarien, wie „Du kannst nach Hause fahrn“, überholen wir in Luv und lassen die X-Yacht hinter uns. Neben dem Spaß haben wir auch noch das Bonbon als Erster an der Tankstelle zu sein, um wieder Diesel aufzufüllen. Die Relax muss auf uns warten.

 

Kurze Zeit später sind wir gegen 11.45 Uhr fest am heimischen Liegeplatz „unserer“ Segelyacht und beginnen gleich mit dem Ausräumen, was aufgrund der vielen Hände routiniert und schnell passiert. Dem Vercharterer, Jan Hegerfeld, melden wir unsere Schadensliste (3 Gläser kaput gespült und 2 Pfannenwender zerbrochen) sowie die festgestellten Mängel: UV-Schutz löst sich am Achterliek der Fock, Heizung mit Schwierigkeiten, Boiler nur bedingt in Funktion, Luft im Frischwassersystem, kein Licht der Achterkammer an Steuerbord und eine nur mangelhaft befestigte Sitzbank. Nur gut, dass wir keine gravierenden Probleme hatten, obwohl uns die Heizung in diesem Jahr schon sehr wichtig war.
Logbuch / Rückfahrt:
Rückfahrt von Burgtiefe auf Fehrman (D) – Schwelm
Logge/Trip:
540 km in 5 Std. 30 Min
Zum Abschluss gibt es noch einen improvisierten Reissalat vom Smut im Salon und einen Nachlass auf die Endreinigungskosten wegen der Heizungsprobleme vom Vercharterer. Ende gut – alles gut und ab nach Hause.
Eckdaten vom Törn 2010:
– 51 Stunden 40 Minuten auf dem Wasser unterwegs
– insgesamt 247,2 Seemeilen
– unter Motor „leider“ 15 Stunden 45 Minuten
– maximale Windstärke: 6 Beaufort in einer Bö am 12.05.2010
– geringste Windstärke: totale Flaute 0,0
– Segel: Groß, Groß mit 1. Reff, Fock, Genua, Spinnaker
– maximale Aussentemperatur: vielleicht 10°C
– minimale Aussentemperatur: Frost in Middelfart
– Gewichtszunahme: ca. 2-3 kg (gefühlt, noch nicht gewogen)
Epilog vom Skipper auf der
Rückfahrt nach Schwelm……

 

Wir soll man diesen Törn, übrigens der 20ste des Skippers, überschreiben? Ganz einfach: Schlemmersegeln im Eismeer! Noch nie war es so kalt und noch nie haben wir so gut und umfangreich gegessen. Dies ist keine Kritik an alle bisherigen Smuts, sondern ein dickes Lob an Christian, der uns gleichermaßen verwöhnt wie gemästet hat. Die niedrigen Temperaturen haben allerdings doch die ein oder andere Herausforderung verhindert, wie eine Nachtfahrt oder eine Ankernacht. Es war schlichtweg zu kalt. Der Vercharterer empfing uns mit den Worten: Dies ist der kälteste Mai hier auf Fehmarn seit 70 Jahren. Na, das nennt man Timing.

 

Die kalte Witterung hatte allerdings keine Chance, die Stimmung an Bord zu trüben. Die Crew hat sich mal wieder – einschließlich unseres „Neuen“ Christian – bestens bewährt und ebenso verstanden. Jeder hilft dem anderen, jeder fasst mit an und einer hat immer einen spontanen Spruch für jede Situation, insbesonderen die unmöglichen, parat. Davon können wir alle wieder in den nächsten Wochen zehren. Ich bin überzeugt, dass jeder, der demnächst von wem auch immer zugerufen bekommt: „Lass offen“, gleich wieder den Bürgermeister von Ass…ssssens im Sinn haben wird.

 

Ich bin mir sicher, dass wir die Ostsee nicht das letzte Mal gesehen haben, aber ich bin mir genauso sicher, dass wir den nächsten Törn in wärmeren Gefilden verbringen werden. Die ersten Aufgaben dazu sind bereits vergeben. Ich bin gespannt, wo es uns das nächste Mal hinführt – und ich freue mich schon drauf.