Toern 2015
SCHWELMER SEGELCREW „HIERUM & DARUM“ Begonnen hat es im Jahr 1991 mit einem Junggesellenabschied auf dem Ijsselmeer in Holland. Seitdem fährt die Schwelmer Segelcrew mit dem nicht ganz ernst gemeinten Namen „Hierum & Darum“ jedes Jahr auf einen gemeinsamen Törn. Neben der Ostsee (Deutschland, Dänemark und Schweden) wurden in letzten Jahren auch das Mittelmeer besucht. 4 Törns in Kroatien und 2 Törns in Griechenland begeisterte die Crew.
Schwelmer Segelcrew, Segeln, Hierum & Darum, Dänemark, Schweden, Kroatien, Griechenland, Spanien
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09.05.2015 – 16.05.2015
Insel Kos – Dodekanes und südliche Sporaden (Griechenland)

Markus Wiethoff
Andreas „Haggy“ Happe
Jürgen Michels
Ralf Stoffels
Guido Woeste
Christian Harde
Michael Gutman
KnutPomian
Skipper
Wachführer A
Wachführer B
Krötenmeister und Mâitre de plaisir
Leitender Ingenieur
Matrose und Träger des großen „Seebär“
Leichtmatrose
Ersatz-Smut und Oel-Wart

Schiffs- Art:
Hersteller
Modell
Schiffs-Baujahr:
Schiffslänge / Breite
Tiefgang
Liegeplatz / Ort
Kojen / Schlafplätze
Wasser- / Dieseltank
SY
Beneteau 
Oceanis 43 (4 Cab) – „ELENA“
2008
13,10 Meter / 4,12 Meter
2,00 Meter
Kos ( Griechenland
4/ 8
360 Liter / 200 Liter
Fotogalerie
Logbuch:
00:15 – 01:00 Uhr
Anreise zum Flughafen Köln/Bonn
03:00 – 06:45 Uhr
Flug Köln – Kos mit TUIflys
08:00 – 10:00 Uhr
Transfer nach Kos mit unserem Mietwagen
ab 15:00 Uhr
Schiffübergabe
Mit leichter Verzögerung geht es nach Mitternacht im kleinen Konvoi von Schwelm nach CGN Airport. Crew und Gepäck werden am Terminal 2 ausgeladen und die beiden Fahrzeuge Richtung Parkhaus gebracht. Die anderen sechs blockieren derweil den Check-in-Schalter der TUIflys, weil wir uns relativ breit machen, aber wegen der beiden Chauffeure noch gar nicht einchecken können. So kommen wir aber mit einigen Mitfliegern ins Gespräch… Bei der Gepäckaufgabe zeigt sich, dass – wenn überhaupt – nur wir selbst Probleme mit Übergewicht haben. Alle haben sich an die strengen Vorgaben gehalten und spartanisch gepackt. Der Check-in verläuft reibungslos.
Direkt danach suchen wir eine ruhige Ecke im Terminal, so dass der LI tatsächlich seine kleine Mini-Kühltasche aus dem Hut zaubern kann und wenig später macht sich der Duft von frisch geschnittenen Zwiebeln in der Flughafenhalle breit. Die obligatorischen Mettbrötchen dürfen eben nicht fehlen. Nach diesem Snack geht es Richtung Gate 60, wo wir auf das Boarding warten. Die Zeit überbrücken wir mit ein bis zwei Kölsch, was die Bordkasse aufgrund der international geprägten Preise schon arg schrumpfen lässt. Aber wie immer gilt: die Kasse gibt’s her.
Beim Betreten des Touristentransporters Richtung KOS stellen wir fest, dass wir einen Goldbärchen-Flieger erwischt haben, demgemäß werden wir von den Stewardessen mit kleinen Süßigkeiten von Hans Riegel empfangen (nett!). Innen ist das gute Transportmittel dann so bestuhlt, wie man das bei unseren Körperlängen immer befürchtet: eng und spack geht es zu, so dass entweder die Knie im Vordersitz hängen, die Füße beim Vordermann anstoßen oder die eigene Hüfte verdreht in der Lehne hängt. Wachführer B spielt seine Flugerfahrung aus und nutzt einen XXL-Sitze mit viel Beinfreiheit. Aber der Pilot hat nicht mal drei Stunden avisiert, so dass wir es überstehen werden. Tatsächlich bekommen die meisten eine Mütze Schlaf, so dass wir zwar angestrengt, aber nicht total abgeschlafft in Kos ankommen.
Schnell haben wir unser Gepäck und orientieren uns auf dem Vorplatz in Bezug auf die weiteren Transportmöglichkeiten. Um 7.55 Uhr Ortszeit soll samstags ein Bus fahren, der Taxistand wirbt mittels einer Leuchtreklame mit 35,- Euro Transferkosten und der Smut macht dann den entscheidenden Vorschlag: Wir mieten uns ein kleines Fahrzeug (es wird ein Nissan Micra) und wir pendeln damit zwischen Flughafen und Marina. Für 45 Euro inkl. Versicherung haben wir das gute Stück bis abends 18 Uhr zur Verfügung und können den Wagen sogar in der Marina stehen lassen. Da ist doch auch der Transport der Lebensmittel gesichert. Nachdem wir in der Marina eingetrudelt sind und die ersten Koffein-Produkte eingeworfen haben, steigt die Morgensonne höher und höher und vermittelt zusammen mit einem blauen Himmel erste Urlaubsgefühle. Träge, aber entspannt hängen wir in den Sitzen und Stühlen der Lounge, schauen auf das Treiben und ziehen virtuell Streichhölzer, wer die Aufgabe des Lebensmittelbunkerns aufgedrückt bekommt. Schließlich gehen Smut, Krötenmeister und Wachführer A als Lebensmittel affiner Einzelhändlersohn auf Einkaufstour. Der Carrefour hat nicht so viele Einheimische vor der Tür wie der Lidl, so dass wir uns für die deutsche Variante entscheiden.
Eine knappe Stunde später haben wir den Laden geplündert und uns mit dem Wesentlichsten eingedeckt. Entgegen der ursprünglichen Planung zweier Transferfahrten packen wir das kleine Fahrzeug so geschickt voll, dass wir drei Personen mit dem ganzen Plunder reinbekommen. Auf der Rücktour machen wir noch einen Zwischenhalt beim Bäcker und decken uns mit Brot ein. Alles zusammen und ab zur Marina. Dort sind die fleißigen Hände vom Vercharterer frühzeitig fertig, so dass wir passgenau das Boot direkt mit Lebensmittel und Gepäck bestücken können. Aufgrund der mittlerweile tatsächlich eingetretenen Routine ist das Zeug so schnell verstaut wie nie; ohne Hektik und laute Anweisungen sitzt jeder Handgriff und alles geht flott von Hand.
Die Schiffsübergabe mit Yannis gestaltet sich auch problemlos, kleinere Mängel am Segel werden eingeräumt und auch der Smut bekommt seine gewünschte Auflaufform wenig später angereicht. Ein erster Imbiss bringt uns endgültig in Urlaubsmodus. Sesamstangen werden in drei verschiedene Cremes (Käsesalat mild und scharf, Fischrogen) gedippt, ein Kaltgetränk hinzugereicht und schließlich gönnen wir Erasmus unsere obligate Opfergabe für gutes Wetter, Winde und Wellen. Wir machen uns für einen Landgang fertig, um das Städtchen Kos bei einem kleinen Spaziergang zu erkunden. Während wir alten Säcke uns rüsten, hat der Himmel allerdings einige Wolken mehr bekommen, das gute Wetter zumindest fototechnisch nachgelassen. Aber was soll es, wir ziehen los Richtung Altstadt, Festung und Hafen.
An der Uferpromenade schweift der Blick bei einem Eis auf der Hand hinüber auf das nahe türkische Festland, entlang einer Reihe von Restaurants, Bars und Cafes geht es vorbei, deren Kellner alle Knut zu kennen scheinen. Jedenfalls sprechen sie ihn immer an und laden die Crew zum jeweils besten Essen der Stadt bei noch besseren Preisen ein. Das ist eindeutig Touri-Land und wir fragen uns, wie das hier in der Hochsaison aussehen wird. In der zweiten Reihe öffnen sich dann doch einige nettere Gässchen mit weiteren Lokalitäten, Läden und den üblichen Souvenirshops. Eine Moschee und eine orthodoxe Kirche strecken ihre Türme aus dem Meer der Dächer und recken sich um die Wette in die Höhe. Die alten Ausgrabungen und der historische Baum des Hippokrates sind die historischen Zeugen einer bewegten Vergangenheit, die wir natürlich beim Rundgang durch die verwinkelte Bebauung zur Kenntnis nehmen. Ein Abstecher in eine lokale Humantränke bringt uns nicht den bestellten Raki mit Wasser als Aperitif, weil nicht im Angebot, dafür kommt der Wirt mit was gutem (Selbst-?)Gebranntem um die Ecke. Mit genügend Wasser gemischt geht es dann, die Schnappatmung beim Seebärchen können wir gerade noch abwenden.
Dafür ist die Aussicht auf die Plaza, die Lokale, deren Gäste und Bedienungen umso entschädigender. Die Sonne verschwindet hinter den Häusern und langsam bummeln wir die Strecke zur Marina und unserer Elena zurück. Der Smut macht sich an die Bereitung des Abendessens (Hühnchen mit Tomaten-Reis und griechischen Linsensalat) und wir testen die drei Biersorten, die der Lidl für uns bereit gehalten hat: Platz 1 nimmt wie erwartet das Produkt der heimischen Braustätte aus Meschede-Grevenstein ein, dann allerdings kommt das griechisches ARGUS-Bier mit deutlichem Abstand vor der gleich teuren Lidl-Eigenmarke Nobelaner. Mit einem letzten Anisgetränk hellenischer Machart zur Desinfektion des Rachenraums geht es früh in die Kojen. Die Nacht im Flieger hat ihre Spuren hinterlassen…

 

Fotogalerie
Logbuch:
Kos Marina – Ankerbucht „Ormos Eriston“ auf der Insel Tilos
von 10:00 Uhr bis 18:34 Uhr
Logge / Trip:
40,1 sm in 8 Std. 34 Min
unter Motor:
3 Std. 16 Min.
Wind:
NW 3 drehend auf SO 2 später
dann SW 1-2 in Böen SW 2-3, am Abend dann NW 1-2
Die Mannschaft ist in Sorge:
der Skipper macht keine Hektik und ist auffallend gelassen. Irgendetwas stimmt da doch nicht. Mit einer skeptischen Verwunderung über den Gemütszustand unseres Chefs geht es Richtung erfrischender Dusche und Morgentoilette. Das anschließende opulente Frühstück weckt schließlich die Geister endgültig. Unsere Inspektion von Schiff und Inventar lässt noch einige Reklamationen aufkommen, die wir aber mit Yannis schnell geregelt bekommen. Wir planen unseren nächsten kürzeren Schlag (ca. 35 sm) Richtung Nisos (Insel) Tilos.
Nach der Reparatur des Ankerlichts geht es um 10 Uhr Ortszeit los. Motor an, Leinen los, langsam raus gefahren, schon kommt das kleine knallrote Gummiboot des Hafenlotsen backbords und schiebt uns im rechten Winkel in die schmale Hafengasse. Nach Passieren der Hafeneinfahrt holen wir das Groß aus der Tüte und schalten den Motor aus. Etwas später, nachdem wir uns vom ordnungsgemäßen Zustand des Groß überzeugt haben, lassen wir die Rollgenua folgen und schippern Richtung Süd-Ost. Wir umschippern das Küstenmotorschiff, das die ganze Zeit vor Kos vor Anker liegt und steuern zusehends in südlichere Richtungen. Tatsächlich müssen wir dazu wenden und so schlagen wir uns im griechisch-türkischen Grenzgebiet um Kos herum.
Nach 1 1/2 Stunden flotten Segelns fällt der Wind zur Mittagszeit ein und wir müssen erstmals den Diesel anwerfen, um nicht zum stehenden Hindernis zu werden. Nach einer halben Stunde unter Motor entdecken wir wieder einen Brisenstrich, so dass wir schnell die Segel erneut in Stellung bringen. Wir trimmen die beiden so gut und abgestimmt, dass wir minutenlang keine Hand ans Ruder legen müssen. Kurs und Segeleinstellung stimmen uns so geht es voran. Zum Wachwechsel um 15 Uhr bringt Haggy augenscheinlich eine Ladung Wind mit, denn nachdem der natürliche Antrieb in den letzten Minuten mehr und mehr eingefallen war, kommt mit der neuen Lenkung auch neuer Schwung ins Boot. Für eine Stunde macht die Elena gute Fahrt, wir kommen voran, ehe der Wind dann doch ganz einfällt.
Just in diesem Augenblick gibt es unter Deck ein kleines Missgeschick als die Kaffeekanne bei Befüllung umkippt und die heisse Brühe über den Arm des Ölwarts läuft. Schnelle Kühlung und Erstversorgung sind jetzt angesagt, um Schlimmeres zu verhindern, was uns dank Guidos Zaubersalbe augenscheinlich auch gelingen wird.
Wir haben den Motos wieder an, um unser Tagesziel zu erreichen. Hinter Nisiros wird die See unruhiger, eine undefinierbare Dünung mit kleinen Wellen setzt ein und nicht jeder Kurs unter Motor ist möglich. Um das Schiff ruhig zu halten, müssen wir schon ein wenig tricksen. Zwischendurch versuchen wir es nochmals mit Segeln, müssen aber einsehen, dass dies ein untauglicher Versuch ist. Also geht es unter Motor ganze 2 1/2 Stunden weiter bis wir die südliche Ankerbucht von Tsilos mit Blick auf die Klosterruine des Johanniterordens erreicht haben.
Um 18.34 Uhr ist der Motor aus und der Manöverschluck wartet auf uns. Zum Abendessen gibt es Grillwürstchen, Schweinefilets, (Folien-) Kartoffeln und Tsatsiki und im weiteren Verlauf stellen wir fest, dass doch mindestens eine Flasche französischen Aniswassers den Weg in die griechische Ägäis gefunden hat.
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Logbuch:
Ankerbucht „OrmosEriston“ auf der In sel Tilos –
Ankerbucht „Ormos Panormitis auf der Insel Symi
von 09:35 Uhr bis 15:15 Uhr
Logge / Trip:
30,6 sm in 5 Std. 40 Min
unter Motor:
4 Std.
Wind:
N 2-3 drehend auf NW 2-3
abschwächend NW 1-2, später dann NW 0-1 am Abend NO 0-1
Was war das denn für eine Nacht? Wind aus Nord-Östlichen Richtungen, ein leichter bis mittlerer Schwall aus Süd, Süd-West und in der Kombination ein schaukelndes Schiff, das hie und da noch Wellen unter dem Heck lautstark bis nach vorne zum Bug transportiert. Eigentlich sieht es doch ganz ruhig aus. Im Ergebnis zeigt sich aber eine geräderte Mannschaft, die mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen hat. Aufgrund der Schaukelei müssen einige nach oben an die frische Luft, um Schlimmeres zu verhindern. Na das kann ja heiter werden.
Guten Vorsätzen folgend starten Ralf und Guido den Tag mit einem Sprung in die 19 Grad warmen Fluten, Haggy folgt nach einigen Fotodokumentationen. Das Schiffchen wird umrundet, eine Reinigung mit Seewassershampoo folgt und wieder geht es ins kühle Nass. Für die anderen müden Krieger reicht es nur zu einer Katzenwäsche bis hin zur kompletten Morgentoilette. Die Plicht richten wir fürs Breakfast her, heute sogar mit einem Frühstücksei, um die verlorenen Lebensgeister wieder zu beleben. Ein Kaffee oder einen Tee dazu und die meisten Motoren springen tatsächlich an.
Nach dem Frühstück machen wir klar Schiff. Spülen, Abtrocknen, Deck und Plicht aufräumen, Handtücher und Badehosen rein, heißen bereits das Groß und um 09.40 Uhr springt der Motor an, den wir zum Bergen des Ankers brauchen. Wir ziehen die Halterung aus dem Sand, reinigen es im Wasser, verriegeln das gute Stück und 5 Minuten später ist der Spuk vorbei, der Motor aus. Langsam wenden wir den Kahn Richtung Süd und schieben uns aus der Bucht raus mit dem Ziel, Tilos südlich zum umfahren. Wachführer B steht am Steuer und plötzlich schallt der Ruf „Hol mir mal einer die Tüte vorne raus!“ über Bord.
Wenig später steht die Genua im schlaffen Wind, ohne dass ein Crewmitglied dem Rudergänger eine Rauchgelegenheit angeboten hätte Während der Skipper vergebens versucht, ein wenig Schlaf nachzuholen, hält Wachführer B das Schiff wach: Vorsegel hier, Butterfly da, alle Optionen werden ausprobiert bis wir resignierend feststellen: „Es ist kein Wind!“. Wir packen die Tücher wieder ein und werfen den Motor an, dessen sonores Brummen uns den lieben langen Tagestörn begleiten wird. Entlang der felsigen Küste von Tilos geht es zunächst nach SüdOst, um dann an der Südspitze Richtung Osten einzuschwenken. Im Dunst taucht steuerbords die Silhouette von Rhodos auf, vor uns sehen wir die ersten Bergspitzen des türkischen Festlands. Wir halten auf Symi zu.
Wenn man es sich so recht überlegt, ist es doch zum Haareraufen. Augenscheinlich können wir machen, was wir wollen, wir haben die tatsächlichen Verhältnisse jedesmal konträr zum Wetterbericht. Gestern noch waren Winde bis Stärke 5 angesagt und deshalb hatten wir uns für den Trip gen Süd-Ost entschieden, nun ist tatsächlich Flaute und wir können uns das Segeln abschminken. Nach Stunden der Überahrt erreichen wir des nachmittags dann die wunderschöne und als sicherste von Symis geltende Bucht Panormitis. Das gleichnamige Kloster empfängt mit seiner Fassade den durch die sich nach NordWesten öffnende Einfahrt ankommenden Segler. Wir drehen eine Erkundungsrunde und sehen im Nachhinein betrachtet zum Glück vom seitlichen Festmachen am Fähranleger ab.
Stattdessen werfen wir nördlich im Becken zwischen den schon vorhandenen anderen Yachten den Anker und machen das Dinghi startklar. Während dieser Aktivitäten nähert sich die Fähre von Rhodos, die mit Schmackes in die Bucht einfährt, mittig den Anker wirft und sich dann quasi wie bei einer Handbremswende mit dem Heck um die Ankerkette schwenkend an den Anleger anschmiegt. Die geöffnete Heckklappe spuckt mindestens 200 Touris aus, die sich auf die vor Ihnen liegende Klosteranlage stürzen, alles im Schweinegalopp fotografieren, rechts und links schauen und die dann wieder nach und nach auf der Fähre verschwinden, um nach Rhodos zurückzukehren. Nach einer Stunde ist die Fähre wieder weg, mit ihr auch der Strom der Neugierigen und auf der Insel kehrt schlagartig wieder Ruhe ein. Auch dieses Szenario muss man mal mit Muße wahrgenommen haben. Wir haben das Schauspiel zum Teil vom Boot aus genossen, teils aber auch vom Land, weil einige mit dem Dinghi übergesetzt sind, um die Lage zu erkunden.
Die WC Anlage erweist sich als typisch griechisch, stehend und Papier zum Mitbringen, die Versorgung mit dem Nötigsten ist auch nicht gegeben, einzig die Pinte vorne am Anleger verkauft zu Touristenpreisen die üblichen Kaltgetränke. Wenigstens unseren Müll können wir in einigen bereit stehenden Boxen verklappen. Gleichwohl schießen natürlich auch wir unsere Fotos und setzen dann – nach einem Gespräch mit dem örtlichen Fischer – wieder über zum Boot. Jetzt ist Badezeit und einige Mutige schwimmen um das Boot herum. Smut und Wachführer A entern das Beiboot und durchkurven die Bucht, um im westlichen Teil Schwimmen zu gehen. Herrlich warme 22 Grad empfangen uns. Noch während die beiden im Wasser sind, schieben sich die Wolken über den Bergen zusammen, erste Blitze zucken am Horizont senkrecht nach unten.
Das Wetter kippt augenscheinlich weiter um – auch das noch. Wir sammeln uns alle auf der Elena und schauen, dass wir relativ klar Schiff machen. Die Vorspeise zum Abendessen (Tomaten, Thunfisch und Käse an Soße) nehmen wir noch in der Plicht ein, ehe die ersten Regentropfen uns den Weg unter Deck suchen lassen. Draußen prasselt es stärker und stärker und wir stellen fest, dass die gute Elena nicht ganz dicht ist. Hie und da tropft es durch die Fensterdichtungen, augenscheinlich doch ein Schönwetter-Schiff. Aber das tut der guten Laune (noch) keinen Abbruch und wir genießen die Erzeugnisse der Kombüse (Putenfleisch, Ratatouille, Nudeln). Nach dem Essen feiert der Magenaufräumer von Carl Levering seine hellenische Premiere, ehe die Crew in den Vergleichstest zwei französischer Anissäfte einsteigt. Die Nacht ist ruhig und von Regenschauern durchzogen.
Fotogalerie
Logbuch:
Ankerbucht „Ormos Panormitis auf der Insel Symi –
Hafen Symi
von 13:00 Uhr bis 16:34 Uhr
Logge / Trip:
17,3 sm in 3 Std. 34 Min
unter Motor:
46 Min.
Wind:
NW 0-1
Der Morgen zeigt sich weiterhin trüb: wolkenverhangene Berge könnten auf die sommerliche Stimmung drücken, aber da gehen wir doch gegen an: Ralf, Guido und Haggy stürzen sich zu einer Schwimmrunde in die Fluten, und sogar Tanne rafft sich auf, um die Spuren der Nacht im Salzwasser zu lassen. Nach einer Seewasser-Shampoo-Reinigung geht es unter Deck zum Frühstück. (Die Übertragung der Fotos und der Texte hakt weiterhin, so dass wir uns an dieser Stelle für die zögerliche Berichterstattung entschuldigen wollen).
Während des Frühstücks setzt wieder Regen ein, der sich mehr und mehr verstärkt. Es kann doch echt nicht wahr sein, jahrelang leidet Griechenland unter Regenmangel, (der Smut berichtet beispielsweise, dass es auf Naxos vier Jahre nicht geregnet hatte), und ausgerechnet wenn wir kommen, öffnet der Himmel seine Schleusen. Das monotone Geräusch der aufsetzenden Regentropfen erinnert stark an die Ostsee und Zeiten der blauen Hexe.
Während die anderen Boote nach und nach die Bucht verlassen, versuchen wir uns wenigstens einen Wetterbericht zu holen und das weitere Vorgehen zu planen. Auf dem Plan steht nach wie vor ein Besuch der Stadt Symi, die ja als Perle der südöstlichen Ägäis gilt. Mal sehen wie es weiter geht…
Kurz nach Passage der kleinen weißen Windmühle, deren rotes Dach uns den weiteren Tag noch lange begleiten wird, ziehen wir die Antriebslappen aus den Tüten. Leichte Winde aus West vermitteln den Eindruck, als könnten wir tatsächlich segeln. Wir schieben uns steuerbords raus, müssen aber recht schnell die erste Wende fahren, um nicht wieder in einem Windloch zu versacken. Als „Raus“ auf die offene See. Aber der Kahn läuft nicht so viel Höhe wie gewünscht. Trotz allen Trimms und Traveller Positionierens kommen wir nicht am Hoek vorbei, also die nächste Wende und wieder rüber auf die andere Seite – Hauptsache wir segeln und machen mal ein paar Meter unter dem weißen Tuch.
Zwischendurch frischtd er Wind dann tatsächlich mal zu einer kleinen Brise auf und wir machen sogar 5 Knoten Fahrt. Aber natürlich nicht lange und je näher wir der Inselkette mit Makronisi in der Mitte kommen, umso weniger schiebt uns der Wind nach vorne. Um nicht auch noch zwischen den Inseln in Probleme zu kommen, werfen wir ebenso wie der uns entgegen kommende Katamaran den Quirl an und motoren den Rest des Tages bis in den sicheren Hafen von Symi. Auf der nördlichen Passage schippern wir an Kefalaki und Plati vorbei, ehe wir die Enge zwischen Symi und Nimos queren und südlich in die Bucht der namensgebenden Hafenstadt einbiegen. Im Hafen liegen schon viele Boote und die einheimischen Einweiser schicken uns auf die linke Seite des Hafenbeckens. Wir werfen den Anker und fahren rückwärts an die Pier. Der Mooring-Boy schaut kritisch auf unsere Ankerkette und gibt uns zu verstehen, dass wir einen neuen Anlauf nehmen müssen. Das Hafenbecken ist an dieser Stelle schlappe 25 Meter tief. Also fahren wir nochmals bis in die Mitte des Beckens, geben dem Widerhaken ordentlich Kette mit und hoppen ein zweites Mal an die Mauer.
Dieses Mal ist der Kollege zufrieden und wir drücken die ersten fünf Euro für den Service ab. Wenig später, wir sind gerade beim Manöverschluck, kommt eine blonde Hellenin und kassiert dann die Gebühren für das Schiff und die acht Personen; jetzt sind es „unverschämte“ 3,80 Euro. Allerdings ohne Wasser, Strom oder Duschen. Wir nehmen noch ein Schlückchen und schauen dem Treiben auf der kleinen Uferstraße und in den Kneipen gegenüber zu. Die Blondine gegenüber wird uns den weiteren Abend betreuen, denn nachdem wir einen Vorspeisenteller auf dem Boot vom Smut kredenzt bekommen haben, wechseln wir schließlich um 20 Uhr rüber in die Taverna To Spitiko. Wir genießen auch dort hellenische Vorspeisen und Erzeugnisse des heimischen Meeres. Kühles Bier für die beiden Banausen, der Rest der Truppe trinkt gepflegt den kühlen Traubensaft bianco. Zum Nachtisch Orangenkuchen, ein Kaffee und ein Abschiedsfoto mit dem Küchen- und Betreuungsteam.
Eine Runde durch den Ort zur Verdauung, hie und da schauen und staunen, in mancher Kneipe hängen die Crews vor den Fernsehern und schauen dem 3:2 der Bayern gegen Barca zu, Ausschreitungen sind allerdings nicht zu befürchten. Wir machen noch kurz in einer Bar fest, um einen Absacker (Ouzo mit Wasser) zu uns zu nehmen ehe dann schlagartig kurz nach Mitternacht – wie von den Einheimischen schon vorgewarnt – komplett in der Stadt der Strom weggeht, die Lichter ausgelöscht werden und wir im Dunkeln zurück zum Schiffchen müssen. Ab geht es aufs Boot, die alten Säcke schieben sich in die Kojen, die jungen lassen sich von DJ Schoko noch ein wenig die Nachtruhe rauben.
Fotogalerie
Logbuch:
Hafen Symi – Ankerbucht „Ormos Panormitis auf der Insel Symi
von 12:00 Uhr bis 16:30 Uhr
Logge / Trip:
18,1 sm in 6 Std. 30 Min
unter Motor:
21 Min.
Wind:
NW 1-2 später dann W 3-4,
am Abend dann W2
Die Nacht war schon relativ sternenklar, so dass wir voller Hoffnung auf Sonnenschein die Klüsen am Morgen öffnen. Tatsächlich werden wir nicht enttäuscht werden. Im Laufe des Vormittags setzt sich mehr und mehr der Lorenz durch und die Fotomotive werden ins rechte Licht gerückt. Zwischen Frühstück und Abfahrt gegen Mittag (der Skipper ist sowas von entspannt, die Mannschaft wundert sich immer noch) strömen die einzelnen Crewmitglieder immer wieder aus, um Fotos zu schießen, Lebensmittel und Fisch zu bunkern, das Städtchen zu erkunden und noch ein Käffchen zu trinken. So macht das hellenische Leben richtig Spaß.
Auf der Straße jedenfalls beobachten wir kein hektisches Treiben. Verkehrsregeln scheinen nicht zu existieren, aber jeder nimmt auf jeden Rücksicht und alles läuft prima. High noon – Zeit in See zu stechen. Wir haben uns für heute nachmittag noch ein paar Meilen oder Schläge vorgenommen, ehe wir dann in einer passenden Bucht schwimmen wollen. Ob wir dauerhaft oder nur für ein stopp-over-swimming den Anker werfen, wollen wir dann vor Ort nach Lust und Laune entscheiden. Wir bergen den Anker und tuckern langsam aus dem netten Städtchen. Die Fotoapparate surren und laufen zu Höchstform auf. Vorbei geht es am Glockenturm und der dahinter gelegenen Polizeiinspektion, die zum Bersten mit Flüchtlingen aller Nationen gefüllt ist. Die EU-Außengrenze ist quasi im Wasser und die Türkei keine vier Kilometer Luftlinie an der engsten Stelle entfernt.
Während wir noch über unsere „Probleme“ im Vergleich zu denen der Geflüchteten nachdenken, hat uns der Diesel schon wieder aus dem Vorbecken gebracht. Routiniert holen wir die Segel nach oben und warten auf die richtigen Brisen. Anfänglich langsam, aber im Laufe der nächsten Stunde immer stärker werdend schieben wir uns südlich Symi durch das osmanisch-hellenische Grenzgebiet. Die Sonne knallt, der Wind ist prima, der Pott marschiert, schnell sind die Zivilisationsvergleiche vergessen, wir konzentrieren uns aufs Segeln. Die ersten Badebuchten kommen näher und fliegen auch vorbei. Jetzt, wo das Schiffchen gerade mal ans Laufen kommt, können wir nicht gleich wieder unterbrechen.
Also weiter Richtung Süden. (Da können wir doch gleich nach Rhodos oder Chalki durchsegeln…) Angesichts der angesagten NW-Winde am nächsten Morgen entscheiden wir uns aber doch dafür, nicht zu viel Höhe zu verschenken, sondern wieder in der netten Bucht vor „unserem“ Kloster zu ankern. Auf der Kreuz zur Bucht lassen wir einem Franzosen keine Schnitte und können ihm mit großem Abstand den Tampen zeigen. Als wir gerade vor der Einfahrt das Groß bergen wollen, kommt ausgerechnet die Nachmittagsfähre rausgefahren, nicht ohne mit einem langen „Achtung“ aus dem sonoren Signalhorn sich die Gasse frei zu halten. Wir nutzen den Aufstopper zur geplanten Segelbergung und schieben uns mit der letzten einfallenden Nachmittagsbrise an der Windmühle vorbei.
Dieses Mal haben wir uns für die rechte Seite zum Ankern entschieden, schnell und routiniert ist der Widerhaken im flachen Sand versenkt und wir können unseren Manöverschluck genießen. Danach geht es zur großen Baderunde durch die Bucht, herrlich klares Wasser, wunderbares Panorama, Herz was willst Du mehr. Zum Abendessen hat der Smut die frischen Thunfische filetiert, mit überbackenem Fenchel, Kartoffeln und Yoghurtsauce eine Delikatesse. Der trockene Chardonnay erreicht keine Bestnoten, passt aber zum Fisch ganz gut. Irgendwann fallen wir nacheinander in die Kojen und ratzen dem angedrohten frühen Aufstehen entgegen.
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Logbuch:
Ankerbucht „Ormos Panormitis auf der Insel Symi –
Hafen Paloi auf der Insel Nisyros
von 08:00 Uhr bis 17:45 Uhr
Logge / Trip:
47,5 sm in 9 Std. 45 Min
unter Motor:
1 Std. 13 Min.
Wind:
NW 1-3 abschwächend NO 1, dann
zunehmend W 4-5 am Abend W4
Vattertach – die Truppe kommt wie erwartet nicht ganz so flott aus den Federn, aber wir haben ja Urlaub. Da das Frühstück relativ spartanisch ausfallen muss (weil kein Bäcker in der Nähe) kommen wir dann doch wieder pünktlich weg. Um 08.02 springt der Motor an, setzten Skipper und Knut das Groß, während Guido als Kettenmeister die Nachtsicherung aus dem Schlick zieht. Unter Motor geht es nach draußen, wo wir schnell das Vorsegel ausfahren und den Motor wieder abstellen. 08.05 Uhr. Tag und Wind können kommen. Noch ist allerdings nichts von einer Brise zu merken, mit etwas mehr als 2 Knoten über Grund kommen wir nur langsam voran.
Aber wir sind ein Segelboot und üben uns in Geduld, die wir nach 20 Minuten dann doch verlieren, weil die Segel hin und her schlagen und einen Mordslärm veranstalten. Also dem nächsten Brisenstrich mit Volldampf entgegen. Etwas mehr als eine Stunde müssen wir tuckern, um den ersten brauchbaren Wind zu ergattern. Dann wird es aber zunehmend mehr und mehr, so dass wir dauerhaft mit mindestens vier Windstärken Richtung Kos und damit in nordwestliche Richtungen zu kommen. Bei über 20 Knoten Wind binden wir doch das erste Reff in das Groß. Es muss an dieser Stelle nicht erwähnt werden, woher Wind und Welle kommen – richtig: aus Nordwest. Also stampfen wir erst auf Tilos zu, dann nach Nord Richtung türkische Festlandzunge, dann wieder Richtung Tilos Nord, und schließlich halten wir irgendwann auf den markanten weißen Leuchtturm von zu, den wir steuerbords liegen lassen.
Bei einer der Steuerungs-Aktionen ruft der aktuelle Rudergänger ganz unschuldig „Was macht ihr denn da?“, derweil die Crew mit Mühe versucht, das aus dem Kurs und Tritt geratene Schiff wieder unter Kontrolle zu bringen. Aber auch das geht unter großem Hohngelächter. Weiter geht es nördlich bis kurz vor Kos, ehe wir dann zum ersten Mal auf unser heutiges Ziel, die Insel Nisyros, zuhalten können. Erst spät nimmt die Welle ab, und kurz vor dem Hafen Paloi bergen wir die Tücher und unter Motor suchen wir uns die letzte Lücke an der Pier auf der Südseite. Anker raus, rückwärts einhoppen, Festmacher an Land, Abstand zum Pier auf Brettlänge bringen, Ankerkette straff ziehen, Motor aus, Festmacher belegen, Manöverschluck, alles ist prima. Wir liegen in einem typisch griechischen Örtchen mit blauen Fenstern und Türen und weiß gekälkten Wänden.
Eine typische Klischee-Kulisse. Touri was willst Du mehr.
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Logbuch:
Hafen Paloi auf der Insel Nisyros -Kos (Marina Kos)
von 09:00 Uhr bis 18:13 Uhr
Logge / Trip:
32,4 sm in 9 Std. 11 Min
unter Motor:
1 Std. 24 Min.
Wind:
S 1-3 dann S 2-3 gegen Mittag
Flaute, am Nachmittag WSW 2-3
Am Morgen kämpft die aufsteigende Sonne mit einigen Wolken über dem Hafenbecken, so dass die Fototour von Guido und Haggy immer wieder einiger Pausen bedarf. Der Maitre besorgt frisches Weißbrot und wir starten mit einem leckeren Frühstück in der Plicht in den Tag. Da das Backwerk schnell aufgebraucht ist, bunkert der DJ schnell noch mal eine Lage nach, alle bekommen genug und die Welt ist in Ordnung. Entspannt sitzt der Skipper gegenüber in der Aphrodite und trinkt einen griechischen Kaffee. Letztlich sind wir gegen 09.00 Uhr soweit, dass wir wieder loslegen können.
Wir starten den Motor und schieben uns an dem Baggerschiff in der Hafeneinfahrt vorbei, dass für die Ausfahrenden Boote jedes Mal die Stahltrossen absenkt. Einen Gruß bei der Passage zum griechischen Arbeiter an der Reeling und schon ziehen wir die Lappen hoch, um vor der Hafeneinfahrt den ersten Windschub aufzunehmen. Wir wissen noch nicht genau, was der Tag bringen wird. Eine Option ist eine Bade- und Schwimmeinheit in der Bucht von Kefalos, an der westlichen Südküste KOS‘ gelegen. Dann haben wir aber immer noch ca. 25 Seemeilen vor der Brust, um die Homebase anzusteuern. Wir müssen also schauen, wie weit wir mit Windkraft kommen und wie die Zeit reichen wird.
Wir halten von Paloi grobe Richtung Nordwest auf Kefalos zu, aber leider liegen die Bimsstein-Inseln von Yiali im Weg, so dass wir um die große Abbaustätte herum müssen. Wir entscheiden uns für die Kreuz nach Westen, in der Hoffnung, einen schönen Blick auf Mandraki, dem zweiten Küstenstädtchen auf Nisyros werfen zu können. Den Besuch des netten Gummibaums, wie er im Reiseführer empfohlen ist, können wir jetzt schon aus zeitlichen Gründen abhaken. Aber immerhin nähern wir uns der Perle soweit, dass wir einen Eindruck von der kleinen im Sonnelicht getränkten Stadt gewinnen können. Nachdem wir genügend Höhe gemacht haben, um die Untiefen vor Yiali steuerbords liegen lassen zu können, schwenken wir langsam gen Norden ein, wobei der Kurs auf der Steuerbordbacke ausnahmsweise wegen der krummen Wellen nicht optimal ist. Nach einer Viertelstunde des Kämpfens entscheiden wir uns für einen Kurswechsel und halsen auf die andere Backe.
Aus Zeitgründen haben wir damit immanent auch das Ankern und Baden vor Kefalos gestrichen. Wir machen heute also einen Törn „Steinbruch-Insel rund“. Mit der Welle im Rücken schieben wir uns langsam gen Ost, Nord-Ost an der kompletten Küste von Kos vorbei. Gegen späten Mittag fällt der Wind komplett ein und schnell ist der Entschluss gefasst, den Badeaufenthalt nachzuholen. Wir befördern einen Festmacher und einen Fender aus der Backskiste, binden alles zusammen und belegen das Konstrukt auf der Backbordseite. Dann geht es bei weniger als einem Knoten Fahrt über Grund in die 20 Grad warme Ägäis. Alle sind dabei: ABC-Contest, Fender-Reiten, Jumpen, Schwimmen, das volle Programm. Nach einer halben Stunde haben wir uns ausgetobt und alle sind wieder an Bord. Passend dazu frischt nach kurzer Pause der Wind wieder auf und wir schieben uns weiter an der Südküste von Kos entlang. 51 Grad Kurs sind gefordert und werden auch gehalten.
Das östliche Hoek von Kos ist weithin sichtbar, aber es wird noch Stunden dauern, bis wir es erreichen. Die Entfernung ist beachtlich und der Wind nicht entsprechend, so dass wir uns nur langsam diesem Wegepunkt nähern. Um 15.20 Uhr ist Schluss mit lustig und wir müssen den Quirl anschmeißen, um den 18 Uhr Termin in der Marina nicht zu verpassen. Fast eine ganze Stunde motoren wir auf die Ecke von Kos zu ehe der Wind sich mal wieder traut, die Segel zu füllen. Schnell haben wir den Motor von seiner Arbeit befreit und lassen uns wieder durch die natürlichen Kräfte Richtung Tagesziel voranschieben. Wachführer B kämpft mit allen Tricks gegen die Naturgewalten und kneift halbe Grade ab. Die ein oder andere Zwischenbrise bringt Stimmung an Deck und schließlich nehmen wir kurz vor 18 Uhr per Funk (Kanal 77) Kontakt mit der Marina auf und ordern den Hafenguide, der uns in Sorge schon auf seinem flinken Gummiboot entgegenrauscht. Routiniert geht es in die Marina, Steg D und mit Hilfe des Hafenlotsen geht es flott rückwärts in unsere Parklücke.
Fleißige Hände zurren uns fest, und schnell ist das nächste Team an Deck, um zu checken, ob wir im Laufe der Woche etwas ruiniert haben. Alles in Ordnung, die von uns festgestellten kleineren Mängel werden dankbar entgegen genommen und nach einer weiteren Viertelstunde sind wir mit dem Auschecken durch. Derweil hat der Krötenmeister die erste Lage gekühltes Mythos bei Kostas, dem Hafenkiosk, besorgt und wir stoßen auf einen gelungenen Törn an. Wetter alles in allem gut (trotz Regenintermezzo), wunderschöne Locations (neudeutsch), 180 sm durch die Ägäis geschippert (nicht viel, aber immerhin), Seele baumeln gelassen, Erholung gesucht und gefunden, Sonne getankt – und schon werden Pläne für das nächste Jahr geschmiedet. Mal sehen wie es weiter geht.
Für den Augenblick sind wir froh, wieder heil in der Heimatbasis angekommen zu sein. Der Smut macht die Schränke auf und bläst zur großen Resteverwertung, Vitello und Thunfisch, Bratkartoffel, Sauce, in Bierteig überbackene Zucchinis wandern auf den Tisch. Eine verwöhnte Crew nimmt auch diese Wohltaten bierseelig entgegen… Nach einigen Runden deftigen Seglerlateins geht es dann um 21.20 Uhr noch zur nahe gelegenen Marina-Lounge, um einen (oder werden es doch zwei???) Absacker zu trinken und den Törn angemessenen ausklingen zu lassen. Für morgen haben wir uns den Strand von heute, also Kefalos, ausgeguckt und wollen dort die Zeit bis zum Abflug überbrücken… Ab in die Kojen, wir müssen noch die Taschen packen…
Fotogalerie
Logbuch:
09:00 Uhr
Auschecken / Schiffsrückgabe
11:00 Uhr – 17:00 Uhr
Standtag „Paradise Strand“
20:00 – 23:00 Uhr
Rückflug Kos – Köln/Bonn
Wir bleiben auch am letzten Tag im gewohnten Rhythmus „7-8-9“ – 7 Uhr aufstehen, 8 Uhr Frühstück, 9 Uhr ablegen. Die (vor-)letzten Bilder und Texte werden früh übertragen, die Morgentoilette erledigt, Taschen gepackt, Frühstück in der Plicht gemacht. Wir haben doch noch einiges übrig behalten, um die vom Maitre gerade gegenüber im Laden besorgten Brote bestreichen zu können. Eine Tasse Tee oder Kaffee hinzu und wir genießen im Sonnenschein unser letztes Frühstück. Dann wird gespült, die Betten abgezogen, die Taschen verfrachtet, der Müll weggebracht – eben das übliche Programm, wenn man so ein Boot nach einer Woche wieder verlässt. Da wir gestern Abend schon die unkomplizierte Abnahme des Bootes inklusive Tauchgang eines typischen Hellenen hinter uns gebracht haben, können wir auch die letzten Formalitäten in der Rezeption erledigen.
Die erste Fuhre Richtung Kefalos wird zu recht drappiert, schon heizt der umtriebige Maitre mit dem kleinen Nissan und Knut, Guido und Micha los. Während dessen füllen die anderen bei einem Kaffee den Bewertungsbogen aus, der auch ernst genommen wird, weil 10 Minuten später der Chef auf der Matte steht und uns im Gegenzug nach den einzelnen Kreuzchen interviewt. Der Service von ISTION ist echt OK. Nach einer gehörigen Zeit (da kann der Krötenmeister tieffliegen wie er will, die Strecke ist augenscheinlich doch beachtlich) ist der kleine weiße Japaner wieder in der Marina, um die anderen vier sowie die verbliebenen Gepäckstücke ebenfalls Richtung Westen der Insel zu bringen. Einige Bodenwellen und Überholmanöver später treffen die auf der Rückbank Durchgeschaukelten dann am Paradise Strand kurz vor Kefalos ein, wo die erste Fuhre schon die jeweilige Rückfront unter UV-Einstrahlung der Farbe einer Tomate annähert. Achtung Verbrennungsgefahr!!!
Die Wetterlage ist gefährlich, weil trotz strahlender Sonne der Himmel dunstig verschwimmt. Nisyros und Giali sind nur schwer zu erkennen, das türkische Festland zeitweilig gar nicht. Wir lassen es uns gut gehen, die ersten stürzen sich ins Wasser und gehen eine Runde schwimmen. Nach einer kurzen Trockenphase am Strand brechen der Seebär und der Wachführer B auf, um die Taverne oberhalb des Beachs zu erkunden. Nach einer weiteren halben Stunde staunen wir Bauklötze, als eine männliche Person über den staubigen Strandweg von der Gaststätte mit einem Tablett gefüllt mit je sechs Gläsern und Bierflaschen hinunterkommt und freundlich nach der Segelcrew „Hierum und Darum?“ fragt. Wir bejahen und bedanken uns artig, stoßen auf die beiden Exil-Trinker an. Als die Deputate geleert sind (gekühlt kann augenscheinlich auch holländisches Bier schmecken) brechen wir auf. Wir packen alle Taschen und Rucksäcke in den kleinen Nissan, den der Maitre vor die Taverne fährt, während die Übrigen den „beschwerlichen“ Weg zur Tränke per pedes nehmen.
Auf der Terrasse angekommen lassen wir es uns gut gehen, indem wir den Ausblick und die Erzeugnisse der griechischen Küche genießen. Eine Runde griechischen Salat für alle (frisch von der Küchenhilfe gezupft und in großen Behältnissen serviert), etwas später kleine Oktopusse oder Kebab-Spieße, einen Ouzo zwischendurch, Kaffee, Bier, Limonade – wir strafen Tsipras und Varoufakis Lügen und lassen die restliche Bordkasse fast komplett bei den netten griechischen Gastgebern. Gegen halb sechs, die Sonne wandert langsam vom Strand weg, wird es Zeit aufzubrechen, um den Weg zum Flughafen zu nehmen. Da es von dieser Seite erheblich kürzer ist, kommt der Krötenmeister auch schnell zur zweiten Fuhre. Ein letzter Hinweis auf unsere Homepage an den Kneipenwirt, schon sitzt auch der IT-Meister auf dem Beifahrersitz und wieder geht es zum „Tiefflug zum Airport“ (welch ein Wortspiel!).
Wir geben das Mietauto ab, das Gepäck auf und lassen die Flüssigkeiten vor dem Sicherheitscheck draußen stehen. In der kleinen Wartehalle zum Boarding knubbeln sich Polen auf dem Weg in ihre Hauptstadt, Schweizer und Deutsche warten ebenso, vier Maschinen werden hintereinander abgefertigt, dementsprechend gut ist die Luft in der Zone vor den Duty-Free-Shops. Alles läuft pünktlich und tatsächlich setzt sich der Flieger pünktlich um 20.30 Uhr auf der Startbahn in Bewegung Richtung Süden, um die 185 Minuten Flugzeit anzugehen. Wir erreichen CGN just in time und während die Crew aufs Gepäck wartet, holen die beiden Fahrer bereits die Fahrzeuge. Auf geht es in die Kisten und auf die Autobahn, kurz nach Mitternacht haben wir die heimatlichen Gefilde erreicht und blicken zufrieden auf einen gelungenen Törn zurück und den üblichen Epilog des Skippers voraus.
Es ist interessant zu lesen, dass die Crew sich Gedanken um den Skipper macht, weil der so gelassen und entspannt ist. Meist macht sich ja ein Skipper Gedanken um die Crew, die Route, das Wetter, die Yacht und sonstige Ereignisse, die einem bei einem Segeltörn widerfahren können. Es ist als Skipper aber schön und damit beruhigend zu wissen, dass die Crew kein Problem darstellen wird und alles andere eben mit dieser Crew gemeistert werden kann. Wenn dann noch der Wunsch nach Erholung, Entspannung und Seele baumeln lassen größer ist als seglerische Höchstleistungen, Meilenfressen und übertriebener Ehrgeiz, dann kommt genauso ein Törn heraus, wie wir ihn alle genossen haben. Griechisches Flair in harmonischem Miteinander mit ruhigem Einstimmen am Anreisetag und und einem grandiosen Abklingen am Abreisetag. Alles richtig gemacht, alle sind mehr als zufrieden. Wie hat unser Seebär das Logbuch so schön treffend zusammen gefasst: war schön! Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen. Dodekanes wir kommen wieder, versprochen.
Der Skipper