Toern 2013
SCHWELMER SEGELCREW „HIERUM & DARUM“ Begonnen hat es im Jahr 1991 mit einem Junggesellenabschied auf dem Ijsselmeer in Holland. Seitdem fährt die Schwelmer Segelcrew mit dem nicht ganz ernst gemeinten Namen „Hierum & Darum“ jedes Jahr auf einen gemeinsamen Törn. Neben der Ostsee (Deutschland, Dänemark und Schweden) wurden in letzten Jahren auch das Mittelmeer besucht. 4 Törns in Kroatien und 2 Törns in Griechenland begeisterte die Crew.
Schwelmer Segelcrew, Segeln, Hierum & Darum, Dänemark, Schweden, Kroatien, Griechenland, Spanien
18999
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24.05.2013 – 01.06.2013
Pula – Kvarner Bucht – Pula (Kroatien)

Markus Wiethoff
Andreas „Haggy“ Happe
Jürgen Michels
Ralf Stoffels
Guido Woeste
Christian Harde
Michael Gutman
KnutPomian
Skipper
Wachführer A
Wachführer B
Krötenmeister und Mâitre de plaisir
Leitender Ingenieur
Matrose und Träger des großen „Seebär“
Smut (****)
Ersatz-Smut und Oel-Wart

Schiffs- Art:
Hersteller
Modell
Schiffs-Baujahr:
Schiffslänge / Breite
Tiefgang
Liegeplatz / Ort
Kojen / Schlafplätze
Wasser- / Dieseltank
SY
ELAN Yachts
Impression 444 – „REINA“
2013
13,40 Meter / 4,18 Meter
1,90 Meter
Pula (Kroatien)
4/ 8
516 Liter / 230 Liter
Fotogalerie
Logbuch: 
Anreise Schwelm – Rohrdorf
von 13:00 Uhr bis 19:30 Uhr
Logge / Trip:
690 km in 6 Std. 30 Min
Um kurz vor 12 rollen die ersten an, um die jährliche Packaktion zu starten. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel wir mitnehmen und noch erstaunlicher, dass das alles in zwei Fahrzeuge passt. Da wir mittlerweile schon Mittag haben, ziehen wir die Mett-Brötchen-Pause vor und verputzen die erste Rate noch bei Haggy ehe wir um exakt 13 Uhr starten. Auf dem Highway ist zwar nicht die Hölle los, aber es ist Freitag und demgemäß ist es relativ voll. An Köln rutschen wir noch problemlos vorbei, hinter Frankfurt wird es aber dichter und vor Würzburg geht es dann teilweise im Stopp-and-Go.

 

Zeit für eine Erholung: in Schlüsselfeld werfen wir einen Kaffee ein, wechseln einen Fahrer und weiter geht’s dem heutigen Ziel entgegen. Die „Post“ in Rohrdorf erreichen wir um 19.30 Uhr. Schnell sind die 4 Doppelzimmer im Gästehaus bezogen und noch schneller sind wir am reservierten Tisch in der Schankstube, um der bereits einsetzenden Dehydrierung entgegen zu wirken. Die Stimmung steigt, Zeit die nächste Beförderung auszusprechen: Michi wird auf die nächste Stufe gehoben – vom Seebär zum „OberSeeBär“. Auch wenn wir vereinzelt feststellen, was wir alles vergessen haben, es bleibt fröhlich.

 

Beim Blick auf die erste Runde Bier bemerkt der LI, dass unsere eigenen Weizenbiergläser zu Hause auf dem Küchentisch stehen. Macht nichts, kurzerhand buchen wir 8 Original Post-Gläser, die wir am nächsten Morgen mitnehmen werden. Die Kaffeebohnen und das neue Segel-Fotobuch haben wir ebenso vergessen wie der Oberseebär seine „Cousine“. Aber keiner will noch mal eben nach Hause fahren, um die zurückgelassenen Kostbarkeiten zu holen, zumal gerade das Essen serviert wird. Schweins-Haxn, Schmankerl-Pfandl, Schnitzel, Forelle – die Küche ist gut und spendabel.

 

Nach dem zweiten Bier werden die Sprüche zotiger und schon haben wir viel Spaß. Weil wir uns in Oberbayern befinden glaubt Wachführer B sich als Bayern-Fan outen zu dürfen, während die sieben anderen Crew-Mitglieder mindestens ihre lokale westfälische Verbundenheit mit dem BVB zum Ausdruck bringen. Die erwartete und vom Krötenmeister vorbestellte Wirtshausschlägerei bleibt indes aus, weil die einheimischen Batzis zu Hause sind. Na, dann amüsieren wir uns eben anders. Lange breit und kürzer hart – Auer Weißbier und einige Willi’s unterstützen uns, die notwendige Bettschwere zu bekommen. Gegen 23.30 Uhr verlassen wir die Stube mit der Erkenntnis „Und wenn wir mal wieder zur Ostsee fahren, nicht ohne Zwischenstopp…“
Fotogalerie
Logbuch: 
Anreise:- Rohrdorf – Pula (HR)
von 09:00 Uhr bis 15:30 Uhr
Logge / Trip:
595 km in 6 Std. 30 Min
Ein kräftiger Kaffee weckt die Lebensgeister wieder. Laugenstangen, Obazda, für die, die es bayrisch mögen, ansonsten ein klassisches Frühstücksbuffet – das „Hotel zur Post“ in Rohrdorf ist zu empfehlen. Nachdem der Smut in der Metzgerei nebenan 3,5 kg Leberkäse gebunkert hat, brechen wir um 09.00 Uhr auf. Einen kurzen Tank- und Kaffee-Stopp später überqueren wir die Landesgrenze zu den Öschis. In Flachau ist die Skipiste zur Hälfte im frischen Schnee eingetaucht und demgemäß fahren wir bei leichtem Schneefall in den Tauerntunnel. Es ist der 25. Mai 2013 !!!

 

Kärnten zeigt sich etwas freundlicher in punkto Wetterlage, wofür hinter dem Karawankentunnel auf slowenischer Seite sich die Wolkenfront zusammenballt und in kräftigen Duschen auf uns niedergeht. Gleichwohl verläuft die Fahrt problemlos und staufrei, so dass wir bald auf Koper zuhalten. Erstmalig ist die Adria zu sehen und dank der vielen weißen Segel kommt Vorfreude auf. Während das erste Fahrzeug mittels Navi die Hauptroute Richtung kroatischer Grenze nimmt fährt der Sharan die alte Küstenstraße unmittelbar am Wasser entlang. Hier scheint sogar die Sonne und maritime Gefühle kommen auf. Auf der Autobahn Richtung Pula sind beide Fahrzeuge wieder beisammen und der erste Parkplatz wird für die Mett-Brötchen-Pause angesteuert. Nur noch wenige Kilometer bis nach Pula.

 

Die ACI Marina finden wir schnell, auch den Laden des Vercharterers – allein die kroatische Mentalität verhindert, dass wir zügig das Boot übernehmen können. Lockere zwei Stunden und einige Cappuccini in der Hafenpinte später läuft die Übergabe. Nach der Einweisung fliegen die Hände und in Rekordzeit haben wir den Pott geentert. Christians Begrüßungsplatte mit Fischspezialitäten wie Lachs, Hering und Sardellencreme an Ei wird mit einem trockenen Sekt kredenzt. Die Stimmung steigt wieder, obwohl es draußen mittlerweile kübelt. Es ist wie früher auf der Ostsee…

 

Schon steht der Smut wieder in der Kombüse und schiebt den Leberkäse in den Ofen. Wenn der BVB das bevorstehende Champions-League Finale gewinnt, dann soll es zum Ausgleich wenigstens ein bayerisches Essen geben. Wir sitzen im Salon, der bordeigene Fernseher läuft und die Weißbiergläser sind gefüllt. Ein würdiger Fußballabend steht uns bevor…

 

Halbzeit – noch ist Wachführer B guter Hoffnung… und alle sind sich einig – ein Klasse Spiel.
1:0 Ruhe unter Deck – geiler Pass von Ribery und das Unheil nimmt seinen Lauf…
1:1 wieso bleibt der mit Gelb schon ausgezeichnete Dante eigentlich im Spiel?
2:1 für die Bayern – seit wann können Robben so elegant tänzeln??
Abpfiff – Wachführer B im Taumel der Gefühle

 

Skipper verordnet Bettruhe, Ziel morgen Mali Losinj – nur der Wachführer B fährt zum Marienplatz…
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Logbuch:
ACI Marina Pula –
Ankerbucht U. Maracol / Unije
Logge / Trip:
38,0 sm in 9 Std. 30 Min.
unter Motor:
2 Std. 35 Min.
Wind:
NW 3-4 drehend auf SSW 1-2,
später SW2
Das Fazit der ersten Nacht: der Plastikbomber ist ziemlich hellhörig: Jede Pumpe, jeder Schritt, jede kleine Welle im Hafenbecken, ja selbst das sonore Zuschneiden einiger Festmeter Holz durch den Oberseebär und seine Kollegen sind im ganzen Schiff zu hören. Trotzdem haben wir gut geschlafen und schieben uns ausgeruht durch den wieder einsetzenden Regen Richtung Sanitärtrakt. Nach einer erfrischenden Dusche wartet das Frühstück, der Krötenmeister hat die örtliche Bäckerei geplündert. Während Skipper und Oberseebär die Segel vorbereiten und das Schiff klar machen, bereitet das Internetteam diese Zeilen und die Fotos vor. Die Glocken sämtlicher Kirchen läuten Sturm als der Skipper das Frühstück eröffnet. Bald ist alles erledigt und schlappe 3 1/2 Stunden später als geplant schiebt sich die REINA aus der ACI Marina Richtung Süden…

 

Schnell sind Groß und Vorsegel gesetzt sowie der Motor ausgestellt und wir segeln durch das doppelte Ansteuerungstor, das im Becken vor Pula zwischen den beiden kleinen Inseln die Einfahrt des inneren Hafens signalisiert. Wir kreuzen bei leichten Winden durch die Bucht mit wenigen Schlägen ehe wir um die äußere grüne Ansteuerungsbefeuerung auf die offene Adria nach Süden fahren. Mit einer leichten Brise im Rücken schieben wir uns gen Süden auf Vorwindkurs. Leider fällt der Wind soweit ein, dass wir schon früh den Quirl anwerfen müssen. Wir halten auf Kap Kamenjak, der Südspitze Istriens zu, als wir von einem kräftigen Regenschauer überzogen werden. Nach der Passage von Kap Kamenjak probieren wir für 20 Minuten zu segeln ehe wir um 14.00 Uhr wieder auf Motorkraft zurückgreifen müssen. 1 1/2 Stunden tuckern wir mit Kurs auf die Nordspitze der Insel Unije zu als ein leichtes Kräuseln auf der Wasseroberfläche uns signalisiert, dass wir es wieder mit den weißen Lappen probieren sollten. Bei leichten südwestlichen Winden machen wir Höhe, um die Nordspitze Rt. Lakunji möglichst nah passieren zu können.

 

Wir biegen in den Unijski Kanal ein und kneifen fortwährend, was der Kahn und der Wind hergeben. Mit wenigen Wenden schieben wir uns bei leichten südlichen Winden über die Bucht zwischen Losinj und Unije und halten abends auf Rt.Maracol zu. Wieder vom Ehrgeiz gepackt nutzen wir jede Böe aus, um Höhe zu machen und tatsächlich packen wir es, das Kap ohne ein weiteres Manöver zu passieren. Wir schieben uns vor die Einfahrt zur Bucht, in der bereits über 20 Boote an den Bojen treiben und zuschauen, wie wir das Groß einrollen. Von der Genua angetrieben schieben wir uns langsam in die Bucht von Maracol. Wir verkleinern das Vorsegel, um Fahrt rauszunehmen, steuern die erste freie Boje an, schlagen einen kleinen Bogen, stellen die Reina in den einfallenden Abendwind und korrigieren mit zwei kleinen Bugstrahlruderschüben die Position, so dass LI und Ölwart den Festmacher durch die Ösen ziehen können. Fest – Manöverschluck! Kurz nach 19 Uhr haben wir unser heutiges Tagesziel U. Maracol / Unije erreicht.

 

Während unser Boot wunderbar hin und her pendelt, genießen wir den Ausblick auf die Bucht und die abendliche Stimmung. Der Wind brist auf und legt sich auf eine südöstliche Richtung fest. Die einzige Windrichtung, die die Bucht nicht gebrauchen kann. Typisch für die Hierumunddarum-Crew: immer Wind gegenan! Demgemäß schieben sich kleine Wellen in die Bucht, packt der Wind von vorn das Boot und knarzt die nagelneue, aber doch eindeutig als Plastikbomber zu bezeichnende Elan Impression 444 in allen Ecken und Kanten, allen Schoten und Wanten. Das Boot ist laut, jede Bewegung auf und im Boot ist zu hören. Um Schlafen zu können, brauchen wir noch einen Pastis-Absacker.
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Logbuch:
Ankerbucht U. Maracol (Unije) –
ACI Marina Veli Rat (Dugi Otok)
Logge / Trip:
42,1 sm in 8 Std. 10 Min.
unter Motor:
2 Std. 0 Min.
Wind:
SW 3 zunehmend auf SW 3-4, dann
SSW 2, am Abend S 1-2
Das Wetter hat sich sichtlich gebessert als die ersten um 07.00 Uhr aufstehen und die aufgehende Sonne in der Bucht von der Plicht aus genießen. Bis der müde Haufen dann nachzieht sind 90 Minuten vergangen. Frühstück mit Rührei ist draußen angesagt. Um 10.30 Uhr hissen wir das Groß, lösen uns von unserer Boje und nehmen bei leichten westlichen Winden unmittelbar Fahrt auf. Vorsegel raus und Kurs Richtung Dugi Otok. Da der Wind konstant ist richten wir den Kahn auf Kurs aus und trimmen die beiden Segel solange, bis möglichst wenig Druck am Ruder anliegt. Und dann geht es für lange, lange Zeit auf einer Backe nach Süden.

 

 

Die Reina macht verhältnismäßig gut Speed, entlang von Losinj holen wir uns den einen oder anderen Konkurrenten auf dem Weg nach Süden. Nachdem wir Susak passiert haben, wird die Dünung größer und wir reiten einige Wellen ab. Wir passieren die westlich von uns liegenden Inseln Premuda, Skarda und Ist und fahren in das Virsko Mare ein, ehe der Wind zusehends nachlässt. Zeit für eine Crew-Besprechung, ob wir auf Ist eine Ankerbucht anlaufen oder unter Motor bis nach Veli Rat motoren.

 

Dank der Empfehlung von AB, unserem Kroatien Fachmann aus dem MGEPA (Gruß an den Schreibtisch!), entscheiden wir uns für die Nordspitze von Dugi Otok. Wir werfen wieder den Quirl an und schippern die Passage zwischen IST und Molat durch und halten auf unseren Zielhafen zu. Nach zwei Stunden weist uns ein Hafenmitarbeiter ein. Mooring-Leinen angereicht, Boot ausgerichtet, hinten festgemacht – Manöver-Schluck! Wir sitzen bei traumhaftem Wetter in der Plicht und lästern über die vorbeiflanierenden Crews. Einige Fotos vom Sonnenuntergang sind Pflicht!

 

Der Smut zaubert derweil in der Kombüse und wir können zum ersten Mal draußen Essen. Eine Rinderkraftbrühe nach heimischer Art (kroatischer schwer tragender Bocksbeutel), Vitello Tornato Nudel-Schinkenpfanne mit diversen Salaten. Zwei, drei Bier und einen Absacker später fallen die Augen zu und die Mannschaft in die Kojen. Die Nacht ist ruhig, nichts knarrt auffällig.

 

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Logbuch:
ACI Marina Veli Rat (Dugi Otok) – Ankerbucht U.Kolorat (Cres)
Logge / Trip:
39,9 sm in 9 Std. 20 Min.
unter Motor:
2 Std. 10 Min.
Wind:
SW 2-3 abnehmend auf SW 2, dann
SW 1, am Abend SO 1-2
Leichtes Prasseln auf dem Deck zeugt von einem kleinen Wetterumschwung über Nacht; der Wind hat auf südliche Richtungen gedreht und die Wolken schütten sich mäßig, aber beständig aus. Wir frühstücken und nutzen die Zeit, um bis 10 Uhr nochmal die Akkus unserer  Geräte zu laden.  Um 09.30 Uhr kommt ein richtiger Schauer runter. Handtücher retten und abwarten.  Nach wenigen Minuten ist alles vorbei. Dann machen wir uns achtern los, ziehen das Vorsegel raus und lassen uns mit Rückenwind vom Steg in die kleine Bucht ziehen. Mal sehen was der Tag bringt…

 

Kaum sind wir durch die Feuer der Buchteinfahrt hindurch, fängt es wieder an zu regnen. Wir steuern in die Passage zwischen Molat und Dugi Otok, um wieder auf die „Binnenseite“ des Virsko Mare zu gelangen. Der Wind dreht ein wenig und fällt zudem ein, so dass wir alles geben müssen, um durch die engen Stellen des Durchstichs zwischen Mali Tun und Veli Tun zu schippern. Da auf der Ostseite von Molat offenkundig der Wind ganz eingeschlafen ist, werfen wir wieder den Volvo an und steuern auf Olib zu. Während die Crew vor dem Regen nach unten flüchtet verdient sich unser Öl-Wart einige Meriten, da er den Pott – zusammen mit „Otto“ – fast den ganzen Tag durch die Fluten (oben wie unten) steuert. 

 

Nach  70 Minuten Dieselschub können wir wieder auf den Naturmodus umswitchen, indem wir auf den Motor verzichten und die Segel setzen. Fünf Stunden geht es in nördliche Richtungen, zwischen Silba und Olib hindurch auf die Südspitze Cres‘ zu. Da der Wind gegen Abend wieder einfällt, geht es erneut unter Motor weiter. Eine Boje in der Bucht von Kolorat wartet auf uns. Schnell haben wir festgemacht. Nach dem obligaten Manöverschluck starten wir das Beiprogramm: heute wird das Dinghi getestet. Wachführer B und Skipper drehen eine große Runde durch die Bucht ehe es Krötenmeister und Öl-Wart testen.

 

Dann geht es weiter mit einer Aktion zur Behebung des Ankerlichtdefektes. Der LI wird im Bootsmannstuhl ins Top geliftet zur Belustigung der Crew und der umliegenden Boote. „La Ola“ auf drei Schiffen macht die Runde als der Wackelkontakt in der Mastspitze behoben wird. Kaum dass Guido wieder mit beiden Füßen auf dem Deck steht, bricht tosender Jubel aus. Einladungen für Abendparties und Frühstücksbuffets werden ebenso ausgetauscht wie einzelne E-Mail-Adressen zwischen den Seglern. Ein Volltreffer ist unsere Übernachtung in der Post in Rohrdorf, da wir mit unserem Internet-Bericht auf einem Nachbarboot Heimatgefühle wecken. Lieschen aus eben diesem Weltstädtchen am Inntaldreieck postet erste Einladungen auf unsere Web-Seite. Mal sehen, wie lustig es morgen wird. 

 

Wir jedenfalls füllen die Post-Gläser mit einem Weißbier und feiern das „Bergfest“. Der Smut zaubert dazu wieder und übertrifft sich heute Abend erneut. Schweine-Filet in Marinade von Knoblauch und Sojasauce mit Gurken-Kartoffelsalat sowie einem gemischten Grünen Salat-Mix verschwinden Rucki-Zucki in den Verdauungstrakten. Sambuca zum Nachtisch – Hey Babe, take a walk on the wide side…     
   
Zu fortgeschrittener Stunde läuft mit steigendem Pegel unser Maitre zur Höchstform auf. Er legt die Gassenhauer der Crew auf, so dass allein „I like to move it“ an diesem Abend vier Mal durch die idyllische Bucht schallt. Auch „Aloha he“ wird mehrfach angestimmt. Leider für die umliegenden Schiffe mit zunehmender Stunde proportional steigend in der Lautstärke, dafür in der Stimmlage zusehends partikular von sechs Kehlen vorgetragen.
Smut und Wachführer A „schwächeln“ bzw. haben es vorgezogen, nicht an der Kollektiv-Penetration teilzunehmen.  Da der Maître aber zusehends in Schwung kommt, präsentiert er uns kurz vor Mitternacht wie im vorigen Jahr einen Stargast zu unserem „Bergfest“: extra aus Kasachstan eingeflogen kommt DJ Schoko zu einem Außenauftritt, der den Eingeweihten wieder die Tränen vor Lachen in die Augen treibt. Hoffentlich kriegen die anderen Boote nicht das auch noch mit. 

 

Nachdem wir den Krötenmeister wieder geborgen haben, steigt der Skipper ins Dinghi, um zu mitternächtlicher Stunde eine Inspektion der Lage vorzunehmen. Wilde Anfeuerungen der Crew begleiten ihn… Die Stimmbänder werden auch weiterhin nicht geschont, müssen aber stetig feucht gehalten werden, damit sie keinen Schaden nehmen. Erst gegen 1.30 Uhr erschlaffen langsam die Geister und der DJ legt endlich die obligatorische Gute Nacht Musik mit R.E.M. auf… 
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Logbuch:
Ankerbucht U.Kolorat (Cres) – ACI Marina Rab
Logge / Trip:
13,2 sm in 3 Std. 15 Min.
unter Motor:
20 Min.
Wind:
SO – SW dann SO 2-3
Als nach 8 Uhr der Erste Kombüse und Plicht inspiziert, sind die Spuren der Nacht eindeutig abzulesen. Einige Handgriffe später sind allerdings die gröbsten Spuren beseitigt, so dass wir auch gefahrlos das Schiff auf Deck betreten können. WährendMaître und Skipper noch zögern, hauen sich Wachführer A und der LI in die morgendlichen Fluten, um eine Seewassershampoo-Reinigung vornehmen zu können. Das Wetter hat sich gemacht, einige Cumulus-Wolken am Himmel, aber auch blaue Abschnitte und der Lorenz entfaltet erste Kraft. 

 

Die Nachbarn aus Rohrdorf machen sich auf die Socken Richtung Osor, froh uns „Bunken-Crew“ hinter sich zu lassen. Die Frühstückseinladung vom Vorabend haben wir augenscheinlich verspielt. Dann müssen wir eben bei uns das Petit Dejeuner einnehmen und etwas später bergen wir das Dinghi, verzurren die Sonnenpaneele wieder und legen von der Boje ab, indem wir im rechten Augenblick das Vorsegel ein wenig ausziehen, den Festmacher lösen und als wir frei sind, das Vorsegel ganz rausziehen. Schon dreht uns der Wind um in Fahrtrichtung und wir gleiten die Bucht hinaus. Hinter uns meinen wir die Sektkorken der verbleibenden Crews zu hören, zumindest tiefes Aufatmen. Sorry noch Mal an alle…

 

Wie lange geplant geht es heute nur einen kurzen Schlag rüber nach Rab. Wir wollen ein wenig auf „Kultur“ machen, also wenigstens durch ein Städtchen laufen, Fotos schießen, Promenadenatmosphäre genießen und einen Milchkaffe oder Cappucino genießen. Da der Schlag so kurz und problemlos ist, sind wir trotz leichter Winde schon um 14 Uhr fest in der Marina. Manöverschluck, Mittagsimbiss, Duschen und Nachmittagstoilette – schon sind wir zum Rundgang bereit. Noch lacht die Sonne, so dass die ersten Fotos gut ausgeleuchtet sind, aber kaum dass wir die Altstadt um das Hafenbecken herum erreicht haben, zieht es sich zu und die Motive nehmen deutlich an Attraktivität ab. 

 

Aber der Ausblick von oben auf Rab und beide Buchten ist grandios. Wir schlendern durch die engen Gassen von Kirche zu Kirche und finden uns auf der Hafenpromenade in einem Cafe zu einem Zwischenstopp ein. Den erwarteten Regenguss sitzen wir unter den großen Sonnenschirmen locker aus. Weiter geht der Bummel durch die unteren Gassen von Rab, ein Eishörnchen auf der Hand macht das Ganze noch angenehmer. Im Supermarkt bunkern wir noch zwei Paletten heimischen Gerstensaftes und ab geht es wieder Richtung Schiff. Am Steg ist es merklich voller geworden, aber zum Glück für die anderen feiern wir ja nicht jeden Abend Bergfest. Jürgen nutzt die Zeit bis zum Abendessen, sich noch einmal bei Lieschen zu entschuldigen…

 

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Logbuch:
ACI Marina Rab – Ankerbucht U. Vognisca (Unije)
Logge / Trip:
35,9 sm in 8 Std. 55 Min.
unter Motor:
1 Std. 5 Min.
Wind:
SW 0-1 später SO 4/5, gegen Mittag
drehend auf W 2-4, dann WSW 3-4,
am Abend SW 3-4 abnehm. SW 1-2
Trübe Aussichten als wir am Morgen auf die Silhouette von Rab schauen. Zwar kommen wir trockenen Fußes bis zur Sanitärzentrale der ACI Marina (im Übrigen nagelneu und gut gepflegt, aber wahrscheinlich in der Hochsaison nicht ausreichend), aber das Frühstück müssen wir auch heute unter Deck einnehmen. Um 9.20 Uhr sind wir dann soweit, werfen den Motor an und fahren bei leichtem Regen raus. Draußen herrschen nun nicht gerade einladende Verhältnisse, dunkle Wolken, Gewittergrummeln, Blitze, Windböen, das volle Schlechtwetter-Programm wartet auf uns.  Wenige tun es uns nach, als wir bei der Ausfahrt das Groß setzen und das Vorsegel nicht ganz ausrollen. 

 

Hart am Wind kneifen wir Höhe und steuern direkt in das Gewitter rein. 4 bis 5 Windstärken, 1 – 2 Meter Welle und unsere Plastikschüssel muss sich wieder schwer verwinden, um durch die Fluten zu stampfen. Im „Auge des Gewitters “ lässt der Wind etwas nach, so dass wir das Vorsegel ganz rausholen und bei 3 Beaufort uns weiter Richtung Südspitze Cres bewegen. Von den beiden Möglichkeiten um Cres herum zu schippern, haben wir uns für die südliche Variante entschieden, da der nördliche Weg relativ viel Strecke beinhaltete, die nach der Windprognose auf der Istrien zugewandten Seite nur „gegenan“ bedeutet hätte.

 

Mittlerweile ist es trocken und wir schieben uns über das Mare, während der Wind von SO über S nach W wandert, dabei im Laufe des Mittags aber immer weiter abnimmt. Gegen 13 Uhr übergibt der Skipper das Ruder an Smut und Wachführer B, die es gemeinsam schaffen, einige Patenthalsen am Eingang des Losinjski Kanal in die immer noch aufgewühlte See zu zaubern. Da lacht selbst der Himmel, denn die Wolkendecke reißt auf und es zeigen sich blaue Abschnitte mit Sonne. Kurz hinter Nerezine steuern wir die Tanke an, um unsere Dieselbestände wieder zu vervollständigen. Unter Motor steuern wir von der Tankstelle dann eben rüber nach Osor, wo wir uns an einer Boje festmachen. Um halb drei ist der Motor aus und Wachführer B macht das Dinghi für einen Landgang klar. 
 
Die erste Fuhre mit Wachführer B, Maître und Smut macht sich auf den Weg, den alten Bischofssitz an der Schnittstelle zwischen Cres und Losinj zu besichtigen. Begeistert von den altrömischen Spuren kommt der Maître noch einmal zurück und verführt Wachführer A und Oberseebärchen ebenfalls zum Übersetzen. Kaum dass wir also zu fünft an Land sind, verfinstert sich das Firmament, weil sich dicke Gewitterwolken von der Adria kommend über Losinj schieben. Während die erste Fuhre schnell die Zelte im Cafe abbricht und mit dem Beiboot das Schiff erreicht, müssen sich Micha und Haggy noch ein wenig gedulden. Jürgen erbarmt sich und holt beide bei einsetzenden Dauerregen zurück ans sichere Deck. 
 
Um kurz vor 17 Uhr werfen wir den Motor an, da sich die Schranken auf der Straße schließen und der Brückenwärter von Osor per Hand die Sperre des Kanals wegkurbelt. Unter großer Anteilnahme der Touris brettern wir bei kräftigem Gegenstrom unter Motor durch die kleine Düse zwischen den Inseln, ehe wir in der Bucht schnell die Segel setzen und den Motor ausschalten. Bei WSW und 3 -4 Windstärken schieben wir uns Richtung Adria. Als wir die Nordspitze Losinj’s querab haben, spüren wir bei auffrischendem Wind auch die größere Welle. 5 – 6 Windstärken und Wellen bis zu 3 Meter Höhe machen den Ritt zu einem kurzen, aber sportlichen Erlebnis. In der Landabdeckung von Unije nehmen Wind und Wellen indes ab, so dass wir uns mit zwei Schlägen schnell unserem heutigen Ziel, der ersten Ankerbucht auf Unije, nähern. Mit dem Vorsegel lassen wir uns in die Bucht ziehen, ehe wir unter Motor den Anker in den Grund graben und uns für die Nacht positionieren. 
 
Wir sind das einzige Boot in der Bucht – kein Wunder bei dem Wetter. Und natürlich ist es wieder so, dass entgegen der Ankündigungen der Wind natürlich wieder genau gegen an steht, also aus SW in die Bucht drückt. Zum Glück wandert er dann im Laufe der Nacht zusehends auf die westliche Richtung, die wir erwartet hatten. Während um uns herum Wetterleuchten den mitternächtlichen Himmel erhellt, ist über uns ein großes Loch in der Wolkendecke zu entdecken, dass die Sterne klar zu erkennen gibt. Zeit in die Kojen zu steigen…

 

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Logbuch:
Ankerbucht U. Vognisca (Unije) – ACI Marina Pula
Logge / Trip:
32,6 sm in 6 Std. 40 Min.
unter Motor:
2 Std. 51 Min.
Wind:
S 0-2, zunehmend auf S 4-5
in Pula am Abend S-SW 0-1
Trostlos – so kann man das Wetter nur bezeichnen, als wir die Klüsen langsam wieder aufmachen. Es regnet beständig und wir fragen uns, wer diesen Törn eigentlich gebucht hat. Antigua wäre sicherlich eine Alternative, wenn nicht immer der Wind gegen an wäre…

 

Wir frühstücken, weisen Wachführer B in die Kriegskunst der Drohnenangriffe auf Oberbayern ein und machen das Schiff klar. Einem toxikologischen Angriff unseres Smut, der unter die UN-Charta der verbotenen ABC-Waffen fällt (nicht der Smut, der Angriff!), können wir so eben nur durch Flucht in den Regen entgehen…

 

Um 10.20 Uhr starten wir unseren heutigen letzten Schlag über die Kvarner Bucht wieder rüber nach Istrien. Schnell haben wir den Anker, trotz einer Verdrehung in der Kette, gelichtet und können am Ausgang unserer Übernachtungsbucht beide Segel hissen. Nach einer halben Stunde und bei wieder einsetzendem Regen müssen wir die Motorunterstützung wählen, weil der Wind einfällt und unstet bläst. Eine weitere halbe Stunde danach wehen uns lockere 4 -5 Windstärken von achtern um die Ohren. Es regnet immer noch, aber immerhin segeln wir wieder und der Kahn macht Fahrt. Zwischendurch wird sogar das Wetter besser, es bleibt trocken und der Lorenz zeigt sich am Himmel.

 

Mehr als drei Stunden stampfen wir durch eine aufgewühlte See, eine dicke Welle kommt von SW über die Adria und wir schneiden so gut wie möglich die Wogen in Richtung NNW. Dann haben wir auf Höhe Kap Kamenjak die Wind- und Wogen-Front-Grenze erreicht. Beide Schenkel der istrischen Halbinsel entlang scheinen Luft- und Wassermassen unterschiedlich angetrieben zu werden, jedenfalls ist die See zwischen Leuchtturm Plic Albanecz und der Festlandsspitze noch aufgewühlter und weiß der Wind nicht, wohin er wehen soll. Er schralt und raumt, kommt mal von vorn und mal von der Seite, mal gar nicht und dann wieder als Böe, wir werden kräftig durchgeschaukelt und gerüttelt, ohne dass wir nennenswert vorankommen.

 

Irgendwann verlieren wir die Geduld und werfen den Motor an, tuckern der Küste entlang an der Einfahrt zur Marina Veruda vorbei bis wir das grüne Ansteuerungslicht der Hafenansteuerung Pula querab haben. Durch eine große Menge entgegenkommenden Treibguts (Holzstämme und Äste, Benzin, Öl, Schlick, Plastikfolien etc) kämpfen wir uns die letzten 20 Minuten ehe wir in den geschützten Bereich des Außenhafens kommen. Da die SW Welle von gestern augenscheinlich noch konstant drückt, wird der niedrige Wellenbrecher überspült und setzt sich die Welle sogar noch hier fort. Erst kurz vor der Insel Andrija wird es endlich ruhig und erholsam. Der Vercharterer kommt uns mit einem Gummi-Speedboot entgegen, wirft einen kontrollierenden Blick auf die Plastikschüssel, ist augenscheinlich beruhigt und brettert weiter Richtung offene Adria.

 

Wir holen derweil Festmacher und Fender aus den Backskisten, damit uns der Skipper gewohnt souverän rückwärts in unsere Parklücke zwischen die schon anwesenden Boote bugsieren kann. Fest – ein letzter Manöverschluck und das nachgereichte Mittagsessen, das der Smut im Außenhafen bereits vorbereitet hat, landet in der Plicht und von dort in den hungrigen Mägen. Die Ersten flitzen Richtung Dusche, um sich wieder aufzupeppen, dann werden die Autos geholt und bereits Packaktionen gestartet. Da wir heute etwas Diesel verbraucht haben und die Tanke bereits geschlossen hat, holen wir mit einem 5 Liter Kanister an einer normalen Tanke den Rest Diesel.

 

Übrigens regnet es wieder, so dass der geplante Landgang noch unsicher ist. Erst mal sehen was der Smut Kalorien- und Kohlehydratarmes für den Abend noch zaubert und dann werden wir mal schauen. Friday Night…
 
Während Jürgen und Micha an Bord bleiben und den Spüldienst übernehmen, ziehen die anderen los als der Niederschlag endlich aufgehört hat, um die Altstadt von Pula wenigstens bei Nacht zu inspizieren. Wir schlendern über die Straßen Kandlerova, Forum und Sergijevaca, die am Fuße der Festung um den Berg herumlaufen. Zahllose Kneipen, Restaurants und Cafés laden zum Verweilen ein. Römische Spuren all überall. Im Sommer wird hier der Bär tanzen, aber heute Abend merkt man doch, dass das Wetter Sch… ist und in der Hochsaison sicherlich mehr los sein wird.
 
Wir laufen an Schaufenstern vorbei und stutzen, als wir ein Saxophon hören. Einige Türen weiter klingt aus einer Pinte Live-Musik und nach kurzer Beratung entern wir den überfüllten, kleinen, schnuckeligen Laden. Drei Mann (Gitarre, Schlagzeug und Saxophon) unterhalten die Gäste mit Jazzmusik und wir gönnen uns ein Karlovacko. Nach einigen Liedern ziehen wir weiter bis zum römischen Triumphbogen und biegen linker Hand in die Giardini Straße ein. Die nächste Treppe steigen wir Richtung Festung empor und laufen den gleichen Bogen wieder zurück bis wir das Amphitheater vor uns sehen.
 
Einige Nachtaufnahmen noch und dann geht es ab aufs Boot, um die letzten flüssigen Reste zu vertilgen. Die ersten Taschen werden gepackt und die Vorbereitungen für einen frühen Start am nächsten Morgen laufen an. Schließlich werfen wir uns ein letztes Mal in die Kojen, um von Neptuns Reich zu träumen.
Logbuch:
Rückreise ACI Marina Pula –
mit Zwichenstop in Rohrdorf –
Schwelm
Logge / Trip:
1285 km in 13 Std. 45 Min.
Kurz vor 7 Uhr geht der Wecker, raus aus den Federn, Morgentoilette, Dusche, Autos holen, Leergut und Reste packen, klar Schiff machen eben. Man merkt, dass die Truppe eingespielt ist. In kürzester Zeit ist der Kahn „clean“ und die Autos gepackt. Leider waren wir zu schnell, denn dank fehlendem Vercharterer muss die Abnahme des Bootes noch ein wenig auf sich warten lassen. Mittlerweile macht die Kneipe der Marina auf und wir werfen einen ersten Milchkaffee ein. Währenddessen hat zumindest der Taucher schon unser Boot von unten kontrolliert, alles in Butter. Schließlich läuft der „Chef“ auf und kontrolliert das gute Stück. Der Skipper geht mit ihm die Mängelliste durch und schließlich haben wir die Kaution zurück und endlich geht es auf den Highway.

 

Knapp 1300 km liegen vor uns und wir fahren bei strahlendem Sonnenschein aus Pula ab – irgendwie pervers, hätten wir doch während des Törns so ein Wetter gehabt. Wir spulen das Hinfahrtprogramm rückwärts ab, erreichen das Autobahnende und die slowenische Grenze, fahren über die Landstraße bis Koper, um dann wieder auf die Autobahn zu gelangen. An Ljubljana geht’s vorbei, vor der Grenze noch ein Tankstopp, weil der Diesel hier am günstigsten ist. Karawankentunnel und 6,50 €, durch Kärnten bis zum Tauerntunnel (10 €uro). Je weiter nördlich wir kommen, umso bescheidener wird das Wetter.
 
Das Radio berichtet von Unwetterwarnungen in Ost- und Süddeutschland sowie im Alpenraum. Demgemäß regnet es Katzen und Hunde als wir Flachau passieren und auf Salzburg zuhalten. Auf deutscher Seite steigert sich das Ganze in Richtung Badewannen-Schüttungen und der Chiemsee scheint aus seinem Bett auf die Autobahn kriechen zu wollen. Irre! Wir entschließen uns zu einem Zwischenstopp in Rohrdorf, um Wiener Schnitzel (wie originell und abwechslungsreich!!) und Zwiebelrostbraten einzuwerfen.
 
Jürgen hat ordnungsgemäß bei Lieschen angerufen, die nach ihrer Joggingrunde zu einem Bierchen in die Schankstube kommt, während wir uns erneut eine doppelte Portion Kaiserschmarren zu acht Leuten teilen. Noch eine halbe Stunde Segler-Schnack und wir können ein Stück weit an unserer schlechten Reputation arbeiten. Elisabeth ist eine erfahrene Seglerin (www.egantert.de) und weiß einiges zur Unterhaltung beizutragen. Leider müssen wir noch 690 km fahren und deshalb brechen wir gegen 16.30 Uhr auf, um durch das verregnete Bayern zu fahren.
 
Noch nie haben wir den Inn so hoch gesehen, riesige Wiesenflächen – egal ob in Altmühl-, Pegnitz- oder Mainnähe – stehen unter Wasser und geben einen Eindruck von den gewaltigen Wassermengen, die hier runtergekommen sind. Das Jahrhunderthochwasser braut sich zusammen, am Sonntag und Montag werden wir im Fernsehen die Bilder sehen. Auch Rosenheim und Kolbermoor sind in den Schlagzeilen, die Mangfall wird zu einem reißenden Fluss, ehe sie sich in den ohnehin schon überfüllten Inn ergießt. Hoffentlich geht das gut!
 
Wir gönnen uns noch einen Kaffee hinter Würzburg und sehen im Fernsehen, wie das Pokalfinale zwischen den Bayern und dem VfB angestoßen wird. Ab in die Autos und auf der A3 weiter Richtung Heimat. Gegen 22.30 Uhr laufen wir beim LI und Wachführer A ein, füllen die Garage mit den Restklamotten und Leergut, verabschieden uns und schwören uns nackig „Wiederholung“ in die Hand. Wieder nimmt ein Törn sein gutes Ende – Zeit für einen Epilog des Skippers.

 

Was soll ich zu diesem Törn sagen? Außer: die Kreuzworträtsel-Inseln Krk, Rab und Cres liegen offensichtlich in der Ostsee und nicht in der Adria. Ja, es war wieder super mit der Truppe, aber leider bei Ostsee-Wetter. Das ist ja grundsätzlich nicht schlimm, aber man erwartet es nicht in der kroatischen Inselwelt, zumindest nicht Ende Mai. Wir hatten Wind, Flaute, Sonne und Regen, aber das an jedem Tag und letzteres viel zu viel. T-Shirt-Segeln war geplant, doch die Umsetzung war abweichend zur Erwartung. Statt notwendigem Schutz vor Sonnenbrand fungierten die T-Shirts dieses Jahr als Unterwäsche unter zum Teil mehreren Lagen Pullis und Jacken. Statt Arschbomben-Contests waren halt mehr Bücher gefragt.

 

Neben dem Ostsee-Wetter in Kroatien hat mich die nagelneue Elan 444 Impression doch auch etwas enttäuscht. Die Yacht war zwar gut und recht schnell zu segeln, aber Konzept und Verarbeitung gleichen mehr einem schwimmenden Wohnwagen als einer seegängigen Segelyacht. Offensichtlich ist dies aber der Trend bei den Charterschiffen, vor allem im Mittelmeer. Trotz all dieser „Widrigkeiten“ war es wieder ein gelungener Törn, denn die Crew ist unschlagbar. Alle haben sich vom Wetter und den Tücken der Yacht nicht die Laune verderben lassen und die Woche in vollen Zügen genossen.

 

Die Schlemmer-Schlotzen und Gourmet-Variationen aus der Kombüse haben wesentlich dazu beigetragen. Zu guter Letzt: deutliche Signale der Crew, vielleicht doch wieder auf die „echte“ Ostsee zu gehen, möglicherweise als Revival-Törn mit der Blue Witch in die Mittsommernacht, erfreut des Skippers Segler-Herz. Ich lass mich mal überraschen, was wir 2014 erleben werden – und vor allem wo.