Toern 2020
Segeltörn 2020 der Schwelmer Segelcrew "Hierum &Darum" auf der Ostsee vom 06.06.2020 bis zum 13.06.2020 Warnemünde (Hohe Düne) - Rund Rügen
Segeltörn 2020, Rostock, Warnemünde, Hohe Düne, Barhöft, Lohme, Lauterbach, Strahlsund, Kloster, Hiddensee, Rügen
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06.06.2020 – 13.06.2020
Warnemünde (Hohe Düne) – Rund Rügen

Markus Wiethoff
Andreas Happe
Jürgen Michels
Knut Pomian
Jens Ziegler
Skipper
Wachführer A
Wachführer B
Ersatz-Smut und Oel-Wart
Smut (****)
Schiffs- Art:
Hersteller
Modell
Schiffs-Baujahr:
Schiffslänge / Breite
Tiefgang
Liegeplatz / Ort
Kojen / Schlafplätze
Wasser- / Dieseltank
SY
Bavaria Yachts
Bavaria Cruiser 41 – „Amelie“
2018
12,35 Meter / 3,96 Meter
2,05 Meter
Rostock Warnemünde (D)
3 / 6
360 Liter / 210 Liter
Anreise:
08:15 – 14:30 Uhr Anreise Schwelm – Warnemnde (Hohe Düne)
585 km mit dem Auto von Skipper und Jens
Wetter: trocken mit sonnigen Abschnitten, nach Hamburg
dann sonnige Abschnitte
Schiffsübernahme:
ab 16:30 Schiffsübernahme der „Amelie“
Check aller Leinen + Segel u. Blister
Sicherheiseinweisung der Crew

Logbuch:
Rostock-Warnemünde Hoe Düne – Barhöft
von 06:30 Uhr  bis 17:20 Uhr
Logge / Trip:
49,4 sm in 10 Std. 42 Min
unter Motor:
2 Std.
Wind:
S 0-1 dann SSO 2-3 zunehmend auf SSO 3
am Mittag dann S 3-4 abnehmen S 1-2
Um 05.00 Uhr lässt sich der Smut von seinem Handy aus dem wohligen Schlaf klingeln. Heute haben wir einen längeren Schlag vor der Brust, da sich zwischen Warnemünde und dem Gebiet Rügen wenig Möglichkeiten der „Einkehr“ bieten. Einzig der Nothafen am Darßer Ort, aber das ist einerseits zu kurz und andererseits eben „nur“ ein Nothafen.  Also haben wir uns den kleinen Lotsenhafen Barhöft (nördlich Stralsund und südlich der Insel Bock) als erste Anlaufstation ausgewählt. Von dort können wir bei normalen Bedingungen eine  Rundung von Rügen sowohl mit als auch gegen den Uhrzeigersinn angehen. So weit die Planung – was sich davon realisieren lässt, wird sich wie immer erst in der Praxis zeigen. Hierum und Darum eben…

 

Zunächst gilt es nach der kurzen Nacht die Lebensgeister der Crew zu wecken. Also ein Frühstück im wahrsten Sinne des Wortes um 05.30 Uhr mit einem kräftigeren Kaffee als gestern (Kommentar des Wachführers B zum gestrigen Heißgetränk: „Der ist aber dünn!“) und einer Erdbeermarmelade zum Hinknieen (Erdbeeren aus Reihe 1 bis 7 von Petra zu einem köstlichen Extrakt weiterge(thermo)mexnert (Tausend Dank von der gesamten Mannschaft!). Jeweils zwei Brötchen später und nach einer obligaten „Klar Schiff – Aktion“ sind wir um 6.15 Uhr bereit, den Kahn in die Fluten außerhalb der Marina zu steuern. Landstrom ab, ein letzter Check der übrigen Dinge und dann kann der Quirl angeworfen werden. Die Festmacher am Heck werden eingeholt, während wir uns vorne mit denselben aus der Box ziehen. Im Hafenbeckenecken kurz vor der Ausfahrt stellen wir die Amelie in den Wind und rollen das Groß aus, das aufgrund der trivialen Technik schnell gesetzt ist. Die kleine Runde wird schnell beendet und nachdem wir durch die Hafeneinfahrt gesegelt sind, rollen wir die Genua aus und versetzen den Motor nach zehn Minuten wieder in seinen Ruhezustand.

 

Den ganzen Tag wird es in nördliche Richtung entlang der Küste von Fischland gehen, ehe wir den Leuchturm und das Hoek vom Darßer Ort runden werden. Danach geht es parallel zum Darß und Zingst nach Osten, wo wir in die Boddengewässer Richtung Barhöft einlaufen wollen. Entgegen früheren Wetterprognosen (erste Berichte hatten mit Windstärke 6, in Boen 8, und 2 Meter Welle gedroht) zeigt sich die Ostsee von ihrer ruhigeren Seite. Wir testen den Kahn bei 2-3 Windstärken und stellen schnell fest, dass das Vorsegel unterdimensioniert ist. Zum einen ist der ohnehin etwas luvgierig erscheinende „Franke“ recht unruhig und will immer wieder aus der Spur in den Wind, zum anderen kommen wir mit dem zu geringen Tuch nicht schnell genug voran. Also ist relativ schnell klar, dass der mit an Bord befindliche Blister zum Einsatz kommen muss. Der Skipper hat seine Freude, alles zum „Zug aus der Tüte“ vorzubereiten und nach wenigen Minuten sind wir soweit, dass die Blöcke angeschlagen, der Blister per Fall schon mal hinter der zu kleinen Genua (oder ist das doch nur eine Fock?) gesetzt ist und wir den Lappen nur noch den Naturgewalten aussetzen müssen. Also hoch mit dem Trichterschlitten und dann den Wind ins löchrige Tuch packen lassen. Das gute Stück zeigt sich nämlich nicht als neueste Katalogware, sondern eher als verblichenes, schon ziemlich abgenutztes Stück, das nicht so recht zum relativ neuen Boot (Bj. 2018) passen will. Da passt dann auch der Riss im Blister (circa 1,5 Meter vom Schothorn entfernt) ins Gesamtbild. Trotz dieser Kleinen Einschränkung erhöhen wir mit dem Lappen unsere Geschwindigkeit um etwas mehr als einen Knoten auf um die fünf, in guten Situationen werden wir auch die sechs überschreiten und als Höchstmarke bei 7,5 Knoten landen. Der Wind ist eben nicht so stark auf der Brust.

 

Langsam schieben wir uns also an Fischland vorbei, bei 2-3 Bft. aus SSO die Segel auf backbord stehend, so dass wir einen freien Blick auf die Küstenlinie haben. Wir waren zwar nicht die Ersten auf dem Wasser, aber das frühe Ablegen zeigt sich als richtig, denn bei dem schlappen Wind brauchen wir eine ganze Zeit für die avisierte Strecke. Kurz vor High Noon nähern wir uns Darßer Ort, wo sich die Windsituation etwas diffus zeigt. Die wenige Puste, die uns antreibt, kommt hier aus unterschiedlichen Richtungen. Wir shiften den Blister und rollen wieder das Vorsegel aus. Irgendwie hat sich der Wind augenscheinlich an dieser Stelle auf eine westliche Anströmung verlegt, so dass wir peu-a-peu mit den Segeln auf der Steuerbordseite langsam im großen Bogen um das Hoek fahren. Wir wenden nicht, wir halsen nicht – und trotzdem nehmen wir die vorgesehene Richtung, weil der Naturantrieb ein wenig raumt. Das war augenscheinlich der Rest von dem angesagten Windloch, das uns irgendwie und irgendwo auf der Strecke erwarten sollte. Irgendwann tragen wir das Vorsegel dann tatsächlich rüber, weil der Wind es sich wieder anders überlegt hat. Er wechselt gemächlich wieder auf eine südliche Anströmung und wird im weiteren Verlauf erneut auffrischen, so dass wir bei konstanten 3-4 Bft. wieder einen Wechsel der Vorsegel vornehmen. Kurz nach halb zwei steht der Blister im Wind und sorgt für einen erträglichen Vorschub. Die kleinere Yacht auf Steuerbord, die uns eben noch hatte stehen lassen, wird wieder ein- und überholt und wir schieben uns an Prerow und Zingst vorbei bis auf Höhe Naturschutzgebiet. Nach zwei Stunden Fahrt fällt der Wind auf einen schlapperen Einser bis Zweier ein, wir wechseln wieder die Vorsegel und sondieren die sich ändernde Lage. Schließlich fällt der Wind gänzlich aus, so dass wir den Quirl anwerfen und Motoren müssen. Obwohl wir gar nicht mehr so weit vom Zielhafen entfernt sind, müssen wir fast zwei Stunden noch Tuckern, um die Sandbänke zwischen Bock und Hiddensee zu um- und durchkurven, die Rinne nach Barhöft abzufahren und schließlich am Ziel anzukommen. Während der Fahrt durch die Rinne bewundern wir backbords genauso einen Seeadler am Strand, der sich gerade über sein Abendessen hermacht, wie die vielen Kormorane oder die Familie Schwan mit ihren vier Küken, die sich verärgert aus der Rinne davon macht, weil wir uns unverschämter Weise nähern. Wir kämpfen uns bei der Anfahrt durch ein zunehmendes Gewimmel von Fliegen, Mücken und Stechfliegen, was nichts Gutes erahnen lässt. Um 17.20 Uhr parken wir uns rückwärts in eine frei Box ein, vorne an einer Boje fest gemacht, hinten die Heckklappe ausgefahren. Nachdem der Skipper sich beim Hafenmeister angemeldet hat, genießen wir unsern ersten Manöverschluck in Form eines kühlen Weizenbieres und die Vorabend-Stimmung in dem kleinen beschaulichen Hafen, obwohl sich immer mehr Mücken einstellen. Zum Abendessen zaubert der Smut ein leckeres Thai-Curry und wir sind beseelt, einen Anisabsacker hinterher genießen zu können.

 

Das ist doch schon wieder so wie in Vor-Corona-Zeiten. Rückkehr zur Normaliät eben…

 

Logbuch:
Barhöft – Lohme
von 09:03 Uhr  bis 17:30 Uhr
Logge / Trip:
39,9 sm in 8 Std. 27 Min
unter Motor:
20 Minuten
Wind:
W 1 dann W 1-2 zunehmend auf W 4
am Nachmittag dann W 3  abnehmen W 2-3
Früh rattert der dänische Offshore-Park-Versorger mit seinem Spezialschiff los, um in einem der vorgelagerten Windparks seiner Arbeit nachzugehen. Damit ist im Grunde der halbe Hafen von Barhöft geweckt. Der Smut besorgt frische Brötchen aus der nahegelegenen Proviantkiste und schon sitzen fünf hungrige Seeleute in der Plicht und nehmen ihr Frühstück ein. Nach dem Spülen und Aufräumen legen wir um 09.00 Uhr ab und steuern wieder in die Rinne, die uns den Weg nach Norden weist. Auf den langen Sandbänken, die Hiddensee nach Süden hin Richtung Stralsund auslaufen lässt, stehen auch heute Morgen hunderte von Vögeln. Schwäne heben im Geschwader ab, als wir uns annähern und in der Abzweigung nach Stralsund einen motorenden Segler passieren lassen, ehe wir die Amelie in den Wind stellen und die beiden Segel flott ausfahren. Schon schiebt uns eine leichte Brise aus West gen Norden. Während wir die Vogelwelt des Nationalparks bestaunen, kommt uns die „Zwischenahn“ des Bundeszolls entgegen, deren Bugwelle ein wenig Bewegung in die Monotonie der Rinnenfahrt bringt.

 

Nach 1 1/2 Stunden haben wir Höhe Leuchtturm Gellen den Ausgang der Rinne erreicht, so dass wir die Vorsegel tauschen können. Schnell ist der Blister gesetzt, der uns bei ungefähr vier Windstärken in den nächsten zwei Stunden nach vorne ziehen wird. Wir laufen entlang Hiddensee und fotografieren den Leuchtturm Dornbusch, der uns damit das nördliche Ende der langgestreckten Vorinsel von Rügen signalisiert. Jetzt halten wir also auf Kap Arkona zu. Mit dem Blister wählen wir einen anderen Kurs als die übrigen Boote, die zwischen den beiden Inseln herauskommen und unter Land segeln. Wir hingegen entscheiden uns für die längere, aber vermeintlich flottere Variante und „kreuzen vor dem Wind“, indem wir demselben bei entsprechender Anströmung so richtig zugreifen lassen. Fünf Knoten sind wieder drin, sechs manchmal auch, und wenn wir eine Welle richtig erwischen, surfen wir auch schon mal an die 7 ran. So kommen wir bei strahlendem Sonnenschein doch gut ans Segeln. Auch die ersten Manöver (halsend mit dem Blister) klappen, ehe wir kurz vor Kap Arkona bei der nächsten Halse eine Wurst in den Lappen fahren. Mehrere Ansätze für ein neues Ausrichten lassen den Überwurf nicht rausfahren, so dass wir das große Vorsegel bergen und an Deck wieder klarieren. Nur mit dem Groß bestückt passieren wir die nördlichste Spitze Rügens und halten weiter auf Lohme zu. Um Viertel vor vier testen wir noch einmal den Blister, und siehe da, er steht flott und knitterfrei wie eine Eins im Wind. Bis kurz nach fünf zieht uns das gute Stück bis kurz vor die Einfahrt von Lohme. Wir bergen die Tüte, machen einen kurzen Schlenker in den Wind, um das Groß einzurollen, und schon fahren wir in die enge, aber steinige Einfahrt des kleinen und beschaulichen Hafens ein. Links ums Eck und schon öffnet sich eine Gasse von Boxen. Gleich die erste rechts ist frei, aber das rote Schild lässt uns beim Einparken zögern. Ein aufmunternder Zuruf der Crew gegenüber („Der Hafenmeister hatte uns beide Boxen angeboten!“) lässt jeden Zweifel im Keim ersticken und schon hoppen wir rückwärts in die enge Einfahrt ein. Mit einem Schwung rutschen wir rein, fangen das Boot auf der Backbordseite von Hand ab, verpassen aber den Steuerbordpoller, um den Bugfestmacher durchziehen zu können. Also rangieren wir noch in aller Ruhe hin und her, weil wir ja schon Landverbindung haben, und richten den Pott schön aus. Alles klar, festmachen und belegen, Skipper zum Hafenmeister, Ölwart an den Kühlschrank und die großen Gläser, und schon steht dem Manöverschluck des fränkischen Brauhauses („Mach‘s auf deine Weiße!“) nichts entgegen. Wir genießen die späte Nachmittagssonne und die frischen Chips und lassen es uns gut gehen. Im weiteren Verlauf brechen einzelne Crewmitglieder zu jeweils einer Erkundung der steil oberhalb des Hafens gelegenen kleineren Ortschaft. Der Blick in die Ferne über die Bucht hin Richtung Kap Arkona ist „schon nicht schlecht“ und wird von der Terasse eines entsprechend gelegenen Verköstigungs- und Beherbergungshauses vielfach in Anspruch genommen. Einige Fotos (Kap im abendlichen Sonnenlicht) werden geschossen und schon geht es zurück Richtung Hafen, wo allerdings von oben gut sichtbar die erste Box wieder frei ist.

 

Der Hafenmeister hat die verblieben Crewmitglieder verscheucht (rotes Schild eben). Auch der Hinweis auf die Einweisung der anderen Crew, und dass „der Hafenmeister das erlaubt habe“, wird von dem freundlichen Herrn mit dem knappen Hinweis unterbunden, er sei der Hafenmeister. Schnell lässt sich der an Bord verbliebene Rest der Crew überzeugen und zusammen mit dem frisch geduschten Skipper verholt man sich an den zugewiesenen Steg. Auch ein schönes stilles Plätzchen, wo wir mit der Steuerbordseite als letztes Boot am Steg liegen. Spaghetti und Tomatensalat zum Abendessen sorgen für mediterrane, weil italienische Momente, das Wetter ist sowieso schon entsprechend. Wir philosophieren bei spirituellem Aniswasser über die Notwendigkeiten, die man als Mensch so braucht und über die sich mit zunehmenden Alter verschiebenden Prioritäten. Ehe wir beschließen, aus dem Alltagstrott auszusteigen und mit einem Einbaum die Nord-West-Passage zu durchpaddeln, drücken wir lieber die Bettkarte und träumen von uns und unseren Abenteuern…

 

 

Logbuch:
Lohme – Yachthafen Lauterbach
von 09:06 Uhr  bis 19:12 Uhr
Logge / Trip:
41,3 sm in 10 Std. 06 Min
unter Motor:
1 Std. und 48 Minuten
Wind:
NW 0-1 dann NO 1-2 zunehmend auf NO 3-4
am Nachmittag dann NO 2  abnehmen NO 1-2
Kurz vor 07.00 Uhr kommt Bewegung ins Boot. Einer nach dem anderen schaut in der Plicht nach dem aktuellen Wetter und erfreut sich an einem wolkenlosen Himmel und einer glattgebügelten Ostsee. Der Bordfotoggraf ist in Erwartung einiger Schnappschüsse der Stubenkammer, während der Skipper eher zurückhaltend reagiert ob der offenkundigen Flaute draußen wie drinnen. Sei‘s drum – wir werden es schon irgendwie richten.

 

Nach einer erfrischenden Dusche und einer ausgiebigen Bearbeitung der eingefallenen Gesichtsmimik bringen die Letzten die vorbestellten und schon bezahlten Schrippen vom Hafenmeister mit und in der Plicht genießen wir ein schönes Frühstück. Herrliche Stimmung im ruhigen Hafen, die Sonne wärmt uns schon merklich, Vögel zwitschern und mit der notwendigen Muße genießen wir diesen schönen Augenblick. Nachdem wir klar Schiff gemacht haben, der Smut noch mal kurz im örtlichen Konsum reingeschaut hat, legen wir um 09.15 Uhr ab und tuckern zur Fotosession Richtung Kreidefelsen. Caspar David Friedrich lässt grüßen…

 

Eine ausgiebige Fotosession später (Von 14mm bis 500mm kam alles zum Einsatz, was die Kamera so hergab) haben wir die Kreidefelsen unter Motor passiert. Ungefähr auf Höhe Kollicker Ort zeichnet sich auf dem Wasser ein Brisenstrich ab, den wir ansteuern und schnell sind die Segel (Groß und Blister) gesetzt. Langsam schiebt sich die Amelie an Sachnix (phonetisch so oder ähnlich..) vorbei. Wir erinnern uns an das Fußballspiel Deutschland-Polen während der WM 2006, das wir in diesem Hafen noch mit unserem Smut Stefan erlebt und gemeinsam genossen haben („Odonkor auf dem rechten Flügel…. Flanke… Oliver Neuville…. Toooooor!). Auch schon wieder schlappe 14 Jahre her, Kinder wie die Zeit vergeht.

 

Heute jedenfalls steuern wir die Prora Bucht und das Seebad Binz an, die wir beide zwar im gehörigen Abstand passieren, aber dieses touristische Nebenprodukt nehmen wir natürlich noch mit. Um an dem Hoek am Granitzer Ort vorbeizukommen, müssen wir ein ganzes Stückchen kneifen. Dahinter passieren wir das Seebad Sellin mit seiner Seebrücke und nachdem wir Göhren und seine kleine Landspitze erreicht haben, können wir in südliche Richtung abfallen. Blister und Groß stehen Butterfly – und so schieben wir uns weiter langsam nach Süden. Nach der Flaute heute Morgen in Lohme und vor den Kreidefelsen hätte keiner erwartet, dass wir überhaupt noch Wind bekommen. So kommen wir zwar langsam, aber immerhin unter Segel voran. Im Übrigen die Antriebsart, die wir konstant bis vor die Hafeneinfahrt durchhalten, während die meisten Übrigen unter Motor tuckern…

 

Wegen der Untiefen vor Thiessow und im Rügischen Bodden halten wir uns an die vorgegebenen Rinnen und Tonnen, so dass wir die Vorsegel wechseln, um besser manövrieren zu können. Wir kneifen gegen den Wind an und nähern uns der Insel Vilm, die wir rechter Hand runden, um von der Ostseite die Ansteuerungstonne von Lauterbach ins Visier zu nehmen. Dort angekommen rollen wir die Genua ein und lassen uns vom Groß Richtung Hafeneinfahrt ziehen. Kurz davor werfen wir den Motor an, rollen wir das Groß ein und tuckern in die zweite Reihe der Marina. Das Einparken auf der Backbordseite erweist sich bei der rechtsdrehenden Schraube und dem ausgerechnet jetzt etwas auffrischenden Wind als Herausforderung. Nach zwei Korrekturen klappt der dritte Anlauf und wir liegen schön mit dem Heck zum Steg. Da auf der gegenüberliegenden Stegseite die Box frei ist, haben wir einen relativ freien Blick auf den Bodden, so dass wir den Manöverschluck aus dem Frankenland genießen können. Während der Lorenz langsam untergeht, der Rasende Roland aus der Ferne seine Dampfpfeife erklingen lässt, der Smut unter Deck Schweinefilets in Gorgonzolasauce und Spätzle zaubert, sinnieren wir darüber nach, wann wir morgen pünktlich an der Brücke in Stralsund sein müssen. Wie immer spuckt das Internet unterschiedliche Angaben aus, so dass wir keine konkreten Planungen vornehmen können. Ruhe bewahren und den Urlaub genießen ist die philosophische Antwort der seit gestern Abend Geläuterten. Der Abend kann noch nett werden…

 

 

Logbuch:
Yachthafen Lauterbach – Strahlsund Citymarina
von 09:40 Uhr  bis 16:20 Uhr
Logge / Trip:
22,5 sm in 6 Std. 40 Min
unter Motor:
1 Std. und 11 Minuten
Wind:
N2 dann NO3-4 
am Nachmittag dann NO 3
Liegt es am vergangenen Vollmond, an den Folgen des gestrigen Bergfestes oder einfach nur daran, dass Tätigkeiten an der frischen Luft augenscheinlich doch anstrengend sind, jedenfalls kommt die Crew nur schwer in die Gänge. Nicht jeder findet den Weg ins neue Sanitärhaus der Ferienanlage „Im Jaich“, zu dem die Marina gehört, und wo eine erfrischende Dusche wartet. Der Smut bringt auf diesem Weg eine Ladung frischer Brötchen mit und sogar zwei Croissants konnte er im kleinen Laden ergattern, die wahlweise mit schwarzer Pest oder rotem Fruchtextrakt vom Wolfshövel bestrichen wird. Wir räumen die Spuren der vergangenen Stunden auf und legen ab. Ziel ist die Hansestadt Stralsund, die wir über den Rügischen Bodden und den Strelasund erreichen wollen.

 

Bei einem leichten Wind aus Nordöstlichen Richtungen setzen wir die Segel kurz nach der Hafenausfahrt und schieben uns langsam an den Untiefen vorbei, die es natürlich auch hier gibt. Nach den nackten Zahlen könnte das mit einem Tiefgang von 2,05 m reichen, aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, so dass wir uns anfänglich an den Bojen der Fahrrinne und Ansteuerung orientieren. Zusammen mit dem leichten Wind, der auch nicht konstant bläst, sondern die eine oder andere Veränderung in sich trägt, schlingern wir uns langsam voran. Auch der zwischenzeitlich gesetzte Blister bringt uns nicht direkt voran, erhöht er zwar die Durchschnittsgewschwindigkeit um mindestens einen Knoten, doch müssen wir dafür vom Kurs abweichen. Bei einer Wind Anströmung von 120 bis 135 Grad fahren wir eher nach Süd/Südost als in die südwestliche Richtung, wo der Eingang des Strelasunds mit einem Tonnenstrich auf uns wartet. Also müssen wir einen Gegenschlag machen, um in die entsprechende westliche Richtung zu kommen. Aber beim ersten Versuch sind wir noch zu hoch und der schlappe 2er-Wind lässt uns eher tendenziell wieder zurückfahren als Richtung Tagesziel kommen. Also halsen wir nach kurzer Zeit wieder in den Ursprungskurs und hoffen auf sich auf östliche Richtung drehende Winde. Das Atomkraftwerk Lubmin ist am Horizont recht voraus erkennbar und Peenemünde liegt quasi an. Wir schippern so lang über die Bucht, bis wir den Kurs auf die grüne Tonne der Strelasund-Einfahrt absetzen zu können, um im Butterfly auf dieselbe zuzuhalten. Über eine gute Stunde schwanken wir auf dieses Zwischenziel zu und nähern uns dabei auch wieder den vielen Kollegen, die sich in einer langen Reihe auf einem höheren Windkurs befinden und langsam ebenfalls in diese Richtung treiben. Da wir die Untiefen im genügenden Abstand Steuerbord liegen lassen, können wir bei der Ansteuerung in den Sund einen etwas kürzeren Bogen fahren, der uns schon mal an zwei Kollegen vorbeibringt. Unter Blister biegen wir ein, holen die Segel dicht und stampfen bei leicht auffrischenden Winden nach Nordwest die Rinne rauf. Als wollte der Wettergott uns behilflich sein, um uns noch zeitig zur Brückenöffnung der Ziegelgrabenbrücke vor Stralsund um 15.20 Uhr bringen, beschleunigt der natürliche Antrieb unsere Fahrt. Zwischenzeitlich schieben wir echt Lage auf der Backbordseite und spülen kurzzeitig die Amelie. Aber wir können den Kurs halten und Richtung Glewitzer Fähre wieder ein wenig abfallen, was uns den Druck aus den Segeln nimmt. Auf Höhe der Kormorankolonie bei Niederhof wechseln wir wieder die Vorsegel, um in die S-förmige Befahrung rund um Drigge einsteigen zu können. Nachdem uns eine Bavaria 38 aus Luxemburg ohne Blister locker hat stehen lassen, überlegen wir, ob wir wenigstens unter Motor noch die Brückenöffnung erreichen können. Das wird jedenfalls knapp bis unmöglich. Sch… ade.

 

Wir stellen den Wachführer B ans Ruder und der hat augenscheinlich noch was in der Tasche versteckt, denn mit ihm an der Steuerung frischt der Wind endlich auf 3-4 Bft. auf und gibt uns den nötigen Schub sowie die passende Geschwindigkeit. Mit über 6 Knoten „brettern“ wir auf den Ziegelgraben zu, nehmen dem hinter uns unter Motor fahrenden Kollegen ein gehörige Strecke ab und sind just in time im Wartebecken vor der Brücke und der großen MV Werft, wo die Crystal Endeavor zur Generalüberholung festgemacht hat. Wenige Minuten warten wir, ehe die beiden Grünen Leuchten an der Brücke signalisieren, dass wir den Klappkoloss durchfahren dürfen. Eine lange „Entenreihe“ von Segelyachten durchfährt die Engstelle und hält prompt auf den Stadthafen von Stralsund zu.

 

Aufgrund der geballten Menge entwickelt sich eine Betriebsame Hektik an den Gästestegen 7 und 8, die augenscheinlich schnell und umfassend belegt sind. Jedenfalls leuchten nur noch einige rote Belegt-Schilder in wenigen Boxen entgegen, so dass wir zunächst einmal versuchen, vor Kopf an Steg fünf zum liegen zu kommen, um die Lage in Ruhe zu sondieren. Zwei Telefonate mit dem Hafenmeister später haben wir ihm einen Liegeplatz abgequatscht unter dem Versprechen, bis spätestens um 10.00 Uhr morgen früh das Weite gesucht zu haben. In der letzten geräumigen Doppel-Box vor der wegen Corona gesperrten WC-Anlage machen wir fest, wobei uns steuerbords vorne eine Fixierung fehlt. Von der mittleren Klampe legen wir noch eine Spring gerade rückwärts an den Steg und für die Nacht sind wir gesichert. Und weil es so schön ist, legt sich noch Heiko mit seiner blauen Hutting Yacht neben uns ins Päckchen. Alles klariert und verzurrt, Manöverschluck!

 

Kurz nach 18.00 Uhr brechen wir zu einem kleinen Landgang auf, der uns am Marktplatz die erste Einkehr beschert. Bei strahlendem Sonnenschein sitzen wir draußen, genießen einen Kaffee oder ein Ale und lassen den Tag Revue passieren. Der Bordfotograf macht sich zu einer Sondertour auf, um evt. Noch ein paar Motive im sinkenden Sonnenlicht zu ergattern und nach dem der Smut noch ein Ladung Erdäpfel und weitere Zutaten gekauft hat, trifft sich die Crew wieder an Bord und futtert eine Runde Wraps. Die Absackerrunde fällt heute Abend erstaunlich kurz aus und um kurz nach 23.00 Uhr liegt die Truppe in den Kojen und träumt vom nächsten Schlag nach Hiddensee.
Das Wetter soll nicht besser werden und bei eventuellen Gegenwinden durch die Rinne zu stampfen, muss auch kein Vergnügen sein. Aber auch hier gilt: der Tag wird es zeigen…

 

 

Logbuch:
Strahlsund Citymarina – Marina Kloster auf Hiddensee
von 08:40 Uhr  bis 12:12 Uhr
Logge / Trip:
19,1 sm in 3 Std. 12 Min
unter Motor:
57  Minuten
Wind:
NO 3 dann NO 4-5 zunehend auf NO 5-6
Nach einer ruhigen Nacht kommen wir zu 80 Prozent erholt aus den Federn – ein Opfer mit Rückenschmerzen und Schlafmangel haben wir allerdings zu beklagen. Wir frühstücken unter Deck und versuchen früh das Weite zu suchen, um vor der herannahenden Schlechtwetterfront ein sicheres Plätzchen in Kloster auf Hiddensee zu erreichen. Um 09.00 Uhr werfen wir den Volvo an und schieben uns vorsichtig aus unserem Liegeplatz raus, während sich der Nachbar neu verzurren muss. Aber alles klappt prima. Wir durchfahren die Hafenausfahrt und bringen die Festmacher und Fender ein. Nach Zählung müssen wir den Verlust eines Fenders feststellen, der auch bei einer nochmaligen Inspektionsrunde in unserer Steggasse nicht wieder auftaucht. Verwunderlich! – aber nicht zu ändern.

 

Erneut geht es nach draußen, wo wir ein gerefftes Groß und ein ebenso verkleinertes Vorsegel ausrollen. Schnell nimmt die Bavaria 41 Cruiser Fahrt auf und kämpft sich bei 30-40 Grad am Wind in nördliche Richtung am jeweiligen Tonnenstrich entlang. Je nach Abschnitt – wenn der Wind zu direkt kommt – rollen wir das Vorsegel ein und unterstützen die Fahrt durch den Motor, den wir dann schnell wieder in den Ruhezustand versetzen, so bald wir ein wenig abfallen können. So geht es flott entlang Hiddensee. Höhe Fährinsel taucht hinter uns aus Schaprode ausgelaufen die Fähre „Vitte“ auf, vor der wir mit Motorkraft „flüchten“. An der Rinnenabzweigung gen Rassower Strom und Breetzer Bodden ist genügend Platz für eine kleine Ehrenrunde, die die Fähre zu einer Überholung nutzen kann. Wir verfolgen den Kollegen mit einem gerefften Vorsegel, das uns mit 4,5 Knoten durch die Rinne zieht. Ab dem Abzweig nach Vitte motoren wir die letzten Meter nach Kloster, wo wir um 12.10 Uhr fest an Steg 3 liegen. Die kurze Strecke waren immerhin noch 19,1 Seemeilen, die wir also früh hinter uns gebracht haben.

 

Einen der Tageszeit angemessenen Manöverschluck später machen wir uns auf den Weg zu Willy‘s Fischkutter, wo wir Fischbrötchen oder Bücklinge zum Mittag zu uns nehmen. Einen kleinen Inselrundgang vollenden die beiden Wachführer früh am Schiff, um ein wenig Augenpflege zu betreiben, während die restlichen Crewmitglieder unter Anleitung des Skippers per Fahrrad die im gelben Ginster erstrahlende Insel erkunden und den Leuchtturm Am Dornbusch besuchen. Schnell noch einen Kaffee eingeworfen und den Blick über die Boddenlandschaft genossen, schon geht es wieder mit den Velos zurück Richtung Fahrradverleih und Hafen. Während man sich unter Deck einrichtet, zieht sich das Wetter weiter zu, der Wind pfeift unangenehm (20 Knoten Wind), es regnet und wird merklich kühler. Die Schlechtwetter-Front ist endgültig angekommen und trübt im wahrsten Sinne des Wortes die Stimmung ein wenig ein. Da müssen wir jetzt gegen ankämpfen, mit Mampf und Suff.

 

 

Logbuch:
Kloster auf Hiddensee – Warnemünde Hohe Düne
von 09:00 Uhr  bis 20:58 Uhr
Logge / Trip:
68,7 sm in 11 Std. 58 Min
unter Motor:
52 Minuten
Wind:
NO3 dann NO3-4 zunehmend auf NO4-5
am Nachmittag dann NO5  abnehmen auf NO 3
Trübe sieht es aus, als sich die Amelie auf den Weg macht zur letzten Etappe von Kloster nach Warnemünde. Auch wenn es nicht direkt regnet, so steht doch die Feuchtigkeit in der Luft. Wir fahren quasi in einer dicken Nebelsuppe in die Rinne im Vitter Bodden zurück, in der wir gestern noch hergekommen waren. Weder die Insel, schon gar nicht der Leuchtturm Dornbusch oder der blühende Ginster sind vom Boot aus zu entdecken. Einzig das uns von hinten aufbringende Fahrgastschiff sowie die ersten motorisierten Boten von Rügen kommend sind im Tonnenstrich erkennbar. Wir segeln bis zur Abzweigung, wo wir im rechten Winkel in nördliche Richtung der offenen Ostsee entgegen steuern. Vor dem letzten Tonnenpaar fallen wir bei östlichen Winden langsam Richtung Dornbusch oder auch rund Hiddensee ab. Allerdings tun wir uns schwer bei dieser Windrichtung den Dornbusch zu umrunden. Mehr als 290 Grad sind als Kurs nicht drin und noch würde uns der Gegenkurs auf Land bzw. untiefes Wasser bringen. Also schiebt uns der Blister auf die offene See hinaus. Ohne einen Orientierungspunkt in dieser trüben Nebelsuppe lassen wir uns von der Anströmung des Windes leiten und eiern auf der leicht aufgewühlten Ostsee bei Winden von 13 bis 16 Knoten grobe Richtung Moen. So fahren wir einige Zeit ohne uns wesentlich unserem heutigen Zwischenziel Darßer Ort zu nähern. Aber was soll es, die Naturgewalten sind nun mal so und wir haben ja hinten raus einen Liegeplatz in der Marina Hohe Düne sicher.

 

Als endlich der Gegenkurs zu passen scheint, halsen wir die Bavaria und schriggern jetzt mit bzw. an der Welle in südliche Richtung entlang der Westküste von Hiddensee. Die Monotonie des ansonsten unspektakulären Schlages gen Süden wird aufgelockert als einige Tümmler auftauchen und uns ungefähr eine Dreiviertel Stunde unterhalten. Sie nähern sich von hinten, schwimmen recht und links am Boot vorbei, kreuzen vorne unseren Weg und lassen sich für einen weiteren Durchluf wieder nach hinten fallen. Dabei liegen sie teilweise auf der Seite und beobachten uns als an der Reling stehende Crew. Augenscheinlich haben beide Seiten etwas von der Begegnung.

 

Irgendwann müssen wir wieder die Richtung ändern, denn wir nähern uns den Ausläufern von Zingst, und in etwa Breite Darßer Ort versuchen wir in westliche Richtung zu eben dieser Landmarke zu kommen. Immer noch lässt der Wind eine rein westliche Fahrt nicht zu, so dass unser Ölwart am Ruder den Pott zwar kitzelt und entlang Zingst bzw. dem Darß den Tages- und Törnrekord mit 10,1 Knoten aufstellt, aber wir stampfen auch wieder höher Richtung Kadetrinne bis wir endlich nach ca. zwei Stunden wieder gen Süden halsen und Kurs auf Warnemünde nehmen können. Der Wind ist nicht konstant, wird weniger, frischt dann wieder für einen Zeitraum auf, raumt ein wenig hin und her, so dass der Rudergänger einiges zu tun hat, um den Cruiser am Cruiser zu halten. Als das Gebläse zusehends wieder zunimmt, entschließen wir uns den Blister einzuholen und mit kleinerem Tuch zu fahren. Der Skipper macht sich gerade auf den Weg nach vorne als er am Mast stehend das ganze Elend eines kompletten Segelrisses vor seinen Augen miterleben darf. Eine mächtige, völlig unerwartete Boe von 25 Knoten rüttelt dermaßen an dem leichten, großen Lappen, dass er den Kräften nicht mehr gewachsen ist und mittig in langer Bahn reißt. Da wir ihn ohnehin bergen wollten, sind die beiden Teile schnell aus dem Wasser gezogen und an Bord gebracht. Wir stopfen das Tuch – so gut es geht – in den Segelsack und räumen Schoten, Umlenkungen und damit das Deck auf. Schließlich setzen wir die Genua und grübeln darüber nach, wie dieses Malheur passieren konnte, da wir doch gerade den richtigen Entschluss gefasst hatten. Wie nachher die Auswertung der digitalen Datenaufzeichnung ergibt, war es ein einzelner Windausreißer nach oben, der in seiner Stärke so nicht vorhersehbar war.

 

Sch…., aber wir sind heil und das ist das Wichtigste. Den Rest der Strecke segeln wir bei leicht gedämpfter Stimmung auf Warnemünde zu. Spät, aber nicht zu spät machen wir um 21.00 Uhr nach 68,7 sm und fast 12 Stunden auf dem Wasser an der Tanke in der Marina fest, so dass wir für den anderen Morgen um 08.00 Uhr die Ersten sind. Der Tipp kam vom Vercharterer, als wir unser Mißgeschick zur dortigen, besseren Koordinierung per Telefon durchgaben. So nehmen wir gegen Viertel nach Neun unser Abendessen ein (Wurstgulasch mit Bandnudeln) und reduzieren noch ein paar Flüssigbestände. Kurz nach Mitternacht geht es in die letzte Nacht an Bord…

 

 

Schiffrückgabe:
ab 09:00 Schiffsrückgabe der „Amelie“
Anreise:
10:15 – 17:15 Uhr Rückreise von Warnemnde (Hohe Düne) nach Schwelm
585 km mit dem Auto von Skipper und Jens
Wetter: bewölkt mit heftigen Regenschauern und Gewitter um Hamburg
zunehmend sonnige Abschnitt mit steigenden Temperaturen bis 30 Grad
Früh machen sich die Ersten an eine Renaturierung der Gesichtsfassaden und packen die Taschen, Rucksäcke oder Kartons. Aufgrund des genialen Nachtplatzes an der Tankstelle ist der Weg zu den Autos sehr kurz, so dass die Hände fliegen. Bis 08.00 Uhr ist das Gros der mitgebrachten Utensilien von Deck bereits verstaut. Die Dieselzapfe öffnet und schenkt uns schlappe 12 Liter Treibstoff ein, die davon zeugen, dass wir ich in diesem Jahr hauptsächlich gesegelt sind. Die 249 Seemeilen, die wir in den sechs Tagen gemacht haben, ließen sich doch weitestgehend unter weißem Tuch fahren – so soll es sein.

 

Schließlich bringen wir die Amelie an Steg 7 zurück, wo wir nach kurzer Suche noch eine freie Lücke finden. Die Abnahme läuft flott und reibungslos, so dass wir noch ein letztes Frühstück einnehmen können. Spülen, Rest einpacken, Abfälle wegbringen, Crewfoto schießen und um 10.20 Uhr machen wir uns auf den Heimweg, den wir mit einer kleinen Fährfahrt über die Warnowmündung starten.

 

Bei Lübeck tanken wir die Fahrzeuge voll, um uns dann schleunigst in den 10 Kilometerstau auf der A1 bei Billstedt zu stellen. Starke Regenfälle und ein Gewitter begleitet uns auf dem Heimweg in Hamburg. Schon direkt nach Hamburg reißt die starke Bewölkung auf und die Sonne zeigt Ihre Wirkung. Nach einer kurzen Kaffee- und Brötchenpause vor Bremen setzen wir die Reise fort. Gegen 17:15 Uhr kommen wir wieder in Schwelm an. Schnell werden die Autos geräumt. Ratzfatz war die Woche schon rum – schade..!
06.06.2020 – 13.06.2020
Warnemünde (Hohe Düne) – Rund Rügen

 

Logbuch über den Gesamttrip:
246,9 sm in 51 Std. und 3 Min

 

unter Motor:
8 Std. 8 Min..
Was haben wir für ein Glück gehabt, trotz der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Beschränkungen doch auf Törn gehen zu können. Klarheit darüber hatten wir erst drei Tage vor Törnbeginn. Leider mussten Guido und Micha aus unterschiedlichen Gründen kurzfristig absagen, aber wir haben dank Corona unseren Wachführer A, Haggy, wiedergewonnen, der eigentlich in Schweden per Wohnmobil unterwegs sein wollte.

 

Corona hat uns auch mit dem Yachthafen Hohe Düne in Rostock-Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern) einen anderen Ausgangshafen als Großenbrode (Schleswig-Holstein) beschert, was uns erst den gelungenen Törn rund Rügen und Hiddensee aufgrund der deutlich kürzeren Distanz ermöglichte. Mit dem Hafenwechsel war auch ein Yachtwechsel von einer Hanse 415 auf eine Bavaria Cruiser 41 (2018) verbunden. Inwieweit auch dieser Wechsel glücklich war, kann ich nicht beantworten, da ich die Hanse nicht kenne, aber die Bavaria war uns für den Törn eine angenehme und sichere Heimat, auch wenn sie sich etwas zickig zeigte, denn sie wollte sehr aufmerksam getrimmt und gesteuert werden. Die Qualität in der Verarbeitung und einige Details hinsichtlich praktischer Dinge für das Leben auf einer Yacht waren für unsere Charteryacht erwartungsgemäß nicht auf dem Niveau der letztjährigen Hallberg Rassy, aber o.k. für einen Wochentörn unter Freunden mit moderaten Bedingungen. Was sagte der erfahrene Mitarbeiter von Mola Yachting bei der Rückgabe: „Typisch Bavaria halt.“

 

Das Revier hat alle überzeugt und angesprochen, auch die, die vorher ein wenig skeptisch waren, ob denn Rügen so interessant und ansprechend wie Dänemark sein wird. Mit unseren Stationen Barhöft (viele Mücken), Lohme (hier trägt keiner Maske), Lauterbach (Katja und die Ketsch), Stralsund (Sight-Seeing) und Kloster (Fischbrötchen und Natur) konnten wir wirklich sehr zufrieden sein. Der Yacht-Hafen Hohe Düne ist so groß, dass er wenig Atmosphäre hat, aber selbst die letzte Nacht an der Tankstelle hat uns nicht gestört.

 

Die Segelbedingungen waren uns sehr freundlich gesinnt. Moderate Winde bis 4 Beaufort und nur manchmal 5-6. Das Opfer an Rasmus bei Törnbeginn hat sich ausgezahlt, auch wenn sich die Sonne an den letzten beiden Tagen hinter den Wolken versteckt hat. Zumindest wurden wir von Regen auf See verschont und mancher hat nichtmal sein Ölzeug ausgepackt.
Es war eine gute Entscheidung, einen Blister dabei zu haben. Dieser doch schon leicht ramponierte „Charter-Blister“ (Zitat Vercharterer) hat sich zwar am letzten Tag in einer Boe um 20 Knoten in mehrere Einzelteile zerlegt, aber in den anderen Tagen hat er uns die knapp 250sm überhaupt ermöglicht. Neben diesem „Blister-Unfall“ hatten wir nur noch zwei spannende Momente unterwegs als wir einen Sonnenschießer ausgerechnet direkt an einer Tonne des engen Fahrwassers in Richtung Kloster hatten und wir bei dichtem Nebel kurz die Orientierung in besagten Fahrwassern verloren haben, weil die nächste Tonne im dichten Nebel am letzten Tag nicht auszumachen war.

 

In Summe ist aber auch dieser Törn wieder als absolut gelungen zu werten. Das lag nicht zuletzt an der fantastischen Crew, die auf so engem Raum ohne Einschränkungen bestens harmoniert, weiß, was sie tut, zuverlässig im Handeln ist und dem Skipper sogar seine eigene Kabine nicht geneidet hat.

 

Danke an Jürgen, Haggy, Knut und Jens für einen wirklich schönen Törn.

 

Skipper