Toern 2014
SCHWELMER SEGELCREW „HIERUM & DARUM“ Begonnen hat es im Jahr 1991 mit einem Junggesellenabschied auf dem Ijsselmeer in Holland. Seitdem fährt die Schwelmer Segelcrew mit dem nicht ganz ernst gemeinten Namen „Hierum & Darum“ jedes Jahr auf einen gemeinsamen Törn. Neben der Ostsee (Deutschland, Dänemark und Schweden) wurden in letzten Jahren auch das Mittelmeer besucht. 4 Törns in Kroatien und 2 Törns in Griechenland begeisterte die Crew.
Schwelmer Segelcrew, Segeln, Hierum & Darum, Dänemark, Schweden, Kroatien, Griechenland, Spanien
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14.06.2014 – 21.06.2014
Schärengarten vor Stockholm (Schweden)

Markus Wiethoff
Andreas „Haggy“ Happe
Jürgen Michels
Ralf Stoffels
Guido Woeste
Dirk Stoffels
Christian Harde
KnutPomian
Skipper
Wachführer A
Wachführer B
Krötenmeister und Mâitre de plaisir
Leitender Ingenieur
Ersatz – Leitender Ingenieur
Smut (****)
Ersatz-Smut und Oel-Wart

Schiffs- Art:
Hersteller
Modell
Schiffs-Baujahr:
Schiffslänge / Breite
Tiefgang
Liegeplatz / Ort
Kojen / Schlafplätze
Wasser- / Dieseltank
SY
Dufour Yachs
Dufour 44 – ANN“
2004
13,67 Meter / 4,25 Meter
2,25 Meter
Marina Svinninge (Schweden)
4/ 8
340 Liter / 250 Liter
Fotogalerie
Logbuch:
Anreise Schwelm – Rasta Mölletöfta
von 09:30 Uhr bis 20:00 Uhr
Logge / Trip:
795 km in 10 Std. 30 Min
Selten zuvor war die Zeit zur Vorbereitung so knapp wie in diesem Jahr. Nur gut, dass alle ihre Aufgaben – auch in der Vorbereitung – kennen. Haggy besorgt Getränke und Frühstücks-Cerealien, der Smut kauft den Rest ein, der LI kümmert sich um Mettbrötchen für die Fahrt und natürlich die meiste Technik, Dirk und Jürgen haben für alle Fälle IT-Technik eingepackt (Fußball-WM hat angefangen!) und auf den letzte Drücker packen alle ihre Taschen.
Freitagmorgen um 08.30 Uhr trudeln die ersten beim Wachführer A ein und der Transit wird sukzessive gepackt. Letztlich passt wie in jedem Jahr alles rein. Das verbliebene Damentrio verabschiedet uns um 09.30 Uhr und wir machen uns auf den Weg über die A1 Richtung Norden. Erst in Hamburg erwischen wir den ersten richtigen Stau und die obligate Rast nach der Elbquerung beschert uns zum Mittag die Mettbrötchen.
Nach einem Fahrerwechsel  geht es weiter und auf der Fähre von Puttgarden haben wir erstmalig Kontakt mit einer kräftigen Ostseebrise. Interessant ist die zentimetergenaue Auffahrt des ICE von Berlin nach Kopenhagen auf das Fährschiff. Nach den notwendigen Kilometern über Dänemarks Inseln erreichen wir die Stadt mit dem Schloss, dessen Namen wir seit 2007 nicht mehr nennen/kennen. Nach kurzem Tankstopp lässt die zweite Fähre nach Helsingborg auch nicht lange auf sich warten, so dass wir pünktlich die letzten Kilometer Richtung Raststätte Mölletöfta zurücklegen.
Die Unterkunft verbreitet einen ungewohnten Charme  zwischen Kiosk, Dönerbude, Mäckes, Spielhölle und in Teilen Jugendherberge – wobei man letzteren nicht Unrecht tun sollte. Jedenfalls ist es sauber und insofern kriegen wir das auch über die Runden. Der Brüller ist eher das Instant-Essen, das man an drei Theken aus mehreren Standardangeboten wählen kann. Das ungewohnt teure Bier (kleine 0,33 – Flasche 9 Euro) verkneifen wir uns. Eine gute Alternative ist der Flatrate-Becher, den wir immer wieder mit Cola befüllen.
Draußen setzen wir uns auf die Bank, um die letzten Sonnenstrahlen zu genießen. Wie aus Zauberhand findet eine erste Ricard-Flasche den Weg an den Tisch und damit in die Pappbecher. Der Krötenmeister bemerkt auch gleich, dass bei uns zu Hause die Cola nicht so stark sei und bietet an, eine Linie Erdnussflocken nehmen zu wollen.  Mit Beginn des WM-Klassikers Spanien-Niederlande testen wir unsere iPad-DVBT-Kombination, so dass wir bei ruckelndem Bild draußen die ersten Tore sehen können. Zur zweiten Halbzeit verholen wir uns nicht nur wegen der auftretenden Mücken sondern auch wegen der merklich sinkenden Temperaturen in ein Zimmer vor den Flat-Screen, um der 5:1 Überraschung der Holländer beizuwohnen. Oranje!!!
Gut unterhalten fallen wir in die Kojen…
Fotogalerie
Logbuch:
Anreise Rasta Mölletöfta – Marina
Svinninge (bei Stockholm)
von 08:30 Uhr bis 15:00 Uhr
Logge / Trip:
598 km in 6 Std. 30 Min
Zweiter Teil der Anreise..
Das Frühstücksangebot ist besser als erwartet und wir futtern Brötchen, Müsli und Eier, um uns dann gegen 08.30 Uhr wieder auf den Weg zu machen. Der Weg führt durch unendliche grüne Weiten und die Birkenwälder Südschwedens, ein kurzer Tankstopp und bald haben wir den Vätternsee erreicht, an dem sich die Autobahn entlang windet. Weiter geht es an Norrköping vorbei nach Södertälje, wo wir die Autobahn verlassen, um in der Stadtmitte eine Datenkarte für die Internetversorgung zu besorgen. Im zweiten Anlauf haben wir die Karte, die weiteren Bemühungen in die weite Welt vorzustoßen, werden aus Kapazitätsgründen nicht näher beschrieben. Am Ende haben wir jedenfalls gegen Abend auf dem Schiff erste Kontakte übers Internet mit der Heimat.
Pünktlich sind wir um 15 Uhr an der Marina, aber das Team vom Vercharterer ist nicht präsent. Nach Zeiten des Wartens kriegen wir zudem die Nachricht, dass vor uns ein Team trinkfreudiger Russen das Boot zu spät und in einem überarbeitungsbedürftigen Zustand abgegeben haben, so dass wir uns den ersten Schlag noch heute abschminken können. Stattdessen räumen wir nach zwei Stunden unsere Utensilien in Ruhe ein und machen den Charter-Bomber, eine Dufour 44 namens „Ann“ klar. Christian zaubert zur Begrüßung erste Lachshäppchen, die wir bei einem Bierchen (wo ist eigentlich der Champagner?) genießen.
Wir checken das laufende Gut und die Sicherheitsleinen, binden neue Achterknoten, sichern die Fallen und den Mast gegen lautstarken Schlag, weil der Wind doch auffrischt und in Böen bis 8 Bft. aufweist. Die Schwelmer Fahne wird ebenfalls gehisst, eigentlich sind wir jetzt abreisebereit, aber die Übergabe des Potts verzögert sich weiter. Immerhin bekommen wir zwischendurch die Bettwäsche, so dass wir die Innenarbeiten auch noch erledigen können. Mittlerweile hat der Smut wieder in der Kombüse gezaubert und zum Abendessen kommt der nächste Schwung Kalorien auf den Tisch: Hähnchenfilets in Pesto, Reis und Salat aus Tomaten, Kidneybohnen , Mais, Zwiebeln zum Hauptgang, Wassermelone und Schafskäse an Pfefferminz zum Nachtisch zum Dessert.
Die eigentliche Abnahme gestaltet sich zwar sehr freundschaftlich, der Skipper haut auch noch drei Bernstein-Biere für die Jungs von vor Ort raus (als hätten wir das kostbare Zeug im Überfluss!), aber die kleinen Mängel, die uns die Vorgänger-Crew hinterlassen hat, können auf die Schnelle nicht behoben werden. Also fahren wir nur mit einem halben Buglicht los, die Steuerbordseite wird dunkel bleiben.  Um 23 Uhr findet die Übergabe ein Ende, draußen ist es immer noch hell genug, wir sind tatsächlich im Norden in der Nähe der Mittsommerwende…
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Logbuch:
Marina Svinninge – Ankerbucht „Napoleonsviken“
von 09:30 Uhr bis 18:50 Uhr
Logge / Trip:
42,2 sm in 9 Std. 20 Min
unter Motor:
2 Std. 40 Min.
Wind:
N 0-1, NW 1-3, dann NW 1-3
drehend auf SO 1-3, später NO 0-2
Die Wetteraussichten widersprechen sich in Teilen, aber in der Mehrzahl sind Sonne und wenige Wolken vorhergesagt bei schlappen umlaufenden Winden um 2 Windstärken. Also auf zum Kaffeesegeln.
Nach dem Frühstück geht es los und das Bierchen gestern Abend hat augenscheinlich Wirkung gezeigt, denn entgegen den Ankündigungen hat es Midnight Sun Charter tatsächlich geschafft, uns doch noch ein Dinghi zu besorgen. Jedenfalls liegt eins an unserem Steg und wir binden das gute Stück dankbar an der „Ann“ fest und stechen unter Motor in See. Zwischendurch kommt Wind auf, so dass wir für kurze Zeit die Segel hochziehen und vorbei an Resarö geht es durch die Inselwelt Richtung Växholm und weiter auf der Hauptschifffahrtslinie im Halykakssundet Richtung Stockholm City. Die anschließende Rundfahrt durch Saltsjön und unter Motor Strömmen geht bis vor das königliche Schloss und die Grand Hotels der Innenstadt. Vorbei an der Drei-Mast-Bark, die als Jugendherberge dient, geht es um Skeppsholmen rum weiter Richtung Vasa-Museum. Die Kameras klicken im Dauereinsatz. Wunderschöne Impressionen von der Seeseite nehmen wir mit und die Vorfreude auf den Landgang am kommenden Samstag steigt.
Zurück geht es wieder aus der City und auf Empfehlung von Philipp, dem Kontaktmann von Midnight Sun Charter, geht es in den schmalen Sund des „Baggensstäket“, einem traumhaft schönen Naturkanal, der uns in den Baggensfjärden führt. Dort kommen die Segel wieder zum Einsatz und wir brettern Richtung Süden vorbei an Älgö und Gäsön hinaus auf den Erstaviken. Wir fahren an Ägnö vorbei, um von Süden kommend wieder umzukehren und nach Nord in die Bucht „Napoleonsviken“ einzubiegen. Kurz vor der Enge nehmen wir die Segel runter, um uns langsam unter Motor einen passenden Platz für die Nacht zu suchen.
Der erste Versuch an Land mit einem konstruktiven Doppelknoten auf Slipp vom Krötenmeister und einem massiven Wackeltest am Minibäumchen durch den zweiten LI scheitert wegen Unsicherheiten der Befestigung, so dass wir uns auf die gegenüberliegende Seite verholen und dieses Mal den Buganker versenken und am Heck eine Baumleine ausbringen. Einige setzen mit dem Dinghi über und erkunden die nähere Umgebung von Ägnö. Nach Rückkehr werfen wir den Kameldung-Grill an und verputzen Cevapcici sowie Grillwürstchen aus der Kölner Straße in Schwelm. Nach einem obligaten Anis-Absacker geht es in die Kojen…
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Logbuch:
Ankerbucht „Napoleonsviken“ –
Marina Nynaeshamn
von 08:00 Uhr bis 15:10 Uhr
Logge / Trip:
36,4 sm in 7 Std. 10 Min
unter Motor:
25 Min.
Wind:
N 2-3, NNW 2-3 drehend auf SO 4
später SO 2
Wir haben wie in Abrahams Schoß gelegen, hatten also eine ruhige Nacht, und die Ersten wachen gegen 7 Uhr auf. Bis die Truppe insgesamt wach ist, vergeht eine Zeit und langsam läuft der erste Kaffee durch, wandern die Frühstücksutensilien in die Plicht, wo der Tisch von den Spuren der Nacht befreit wird. Eigentlich sind wir doch abreisebereit und verhalten dünne Kräusel auf dem Wasser zeugen davon, dass es – wenn auch langsam – unter Segeln gehen müsste.
Also starten die beiden LI und die beiden Wachführer ein Startmanöver, indem zur Vorsicht der Motor gestartet wird, die Landsicherungsleine eingeholt und gleichzeitig der Anker geborgen wird. Keine Minute später ist der Motor wieder aus und die Genua ausgefahren. Langsam setzt sich der „Frühstücksbomber“ in Fahrt und gleitet vom Vorsegel gezogen leise durch die südliche Ausfahrt der Bucht Napoleonsviken auf Ägnö. Während die Crew das Frühstück einnimmt geht es in den Erstaviken und Harsö lassen wir quasi links liegen.
Auf der Fahrt unter Vorsegel sitzt der Skipper entspannt im Heck und entdeckt dabei eine kleine Besonderheit unter dem Steuerrad. Lose liegt dort ein Zahnrad von der Selbststeuerungsanlage im Kasten, so dass der LI und der Skipper während der Fahrt eine provisorische Reparatur vornehmen müssen. Durch die breite Rinne des Gränöfjärden geht es Richtung Süden, ehe wir einen Schlenker nach Osten machen, um Smädalarö, Munken und Edesön zu runden.
Nachdem wir den Jungfrufjärden erreicht haben und in südwestliche Richtung einschwenken, holen wir das Großsegel aus der Tüte, damit wir etwas mehr Fahrt machen können. Ziel ist heute die Marina von Nynäshamn, da wir dort pünktlich zum Länderspiel Deutschland – Portugal einen public Viewer erreichen möchten. Unterstützt werden wir bei diesem Vorhaben durch immer wieder auffrischende Brisen, die allerdings den Nachteil haben, dass sie den einen oder anderen Regenschauer mit sich bringen – oder eben umgekehrt. Zwischendurch steht also ein Teil der Mannschaft draußen im Nass, was aber augenscheinlich nicht so schlimm ist, da der Regen auch schnell wieder aufhört. In einer Trockenphase reicht der Smut Rohkost mit 2 Cremes raus, die wir zwischendurch gerne zur Stärkung verputzen. Auch der Kirschlikör („Perversico“) von Lutz und Ina sowie die Schoko-Mitnahmen versüßen uns den Nachmittag.
Weiter geht es durch schöne Küstenlandschaften, vorbei an vielen kleinen und kleinsten Inseln Richtung Dalarö und der kleinen Insel von Dalarö Skans, wo die schwedische Flagge majestätisch auf dem Dach des Rundturms stramm im Wind steht. Südwestlich geht es weiter und wir passieren Ornö, Utö und die vielen kleinen Nachbarinseln, ehe wir die Ansteuerung auf Nynäshamn vornehmen. Ausgerechnet bei der Einfahrt in den Gästehafen öffnet der Himmel seine Pforten zu einer kleinen Schauer und einer frischen Anti-Einparkbrise, die uns das Leben das Festmachen in den Kurzboxen mit der 44er-Schüssel nicht gerade leichter macht. Nach einigem Verzurren und Turnübungen außerhalb der Reling liegen wir fest und nehmen unseren Manöverschluck.
Der heißen Dusche an Land haben wir entgegengefiebert und nach der wohltuenden Reinigung geht es ins Städtchen, um im Restaurant Moulin Rouge, einer Kneipe mit leckeren Pizzen, das Fußball-Länderspiel zu sehen. 4:0 für ‚Schland – der Start von Jogis Jungs ist wider Erwarten bestens gelungen und insofern unser Abend wohl gestimmt. Zurück auf dem Schiff stellen wir fest, dass es echt schattig geworden ist und wir müssen uns, nachdem wir ein kleines 5 Liter-Fässchen angeschlagen haben, unter Deck verholen, weil es wieder Ostsee typisch kälter geworden ist. Aber noch sind die Landschaftseindrücke so positiv, dass die Rufe nach dem Mittelmeer noch nicht aufgekommen sind. Vier Null, Vier Null, Vier Null….
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Logbuch:
Marina Nynaeshamn –
Skärvassaholemen (Nämdö)
von 10:20 Uhr bis 17:02 Uhr
Logge / Trip:
42,1 sm in 6 Std. 42 Min
unter Motor:
40 Min.
Wind:
NNW 4
Nach einer ruhigen Nacht öffnen sich langsam die Klüsen der Mannschaftsmitglieder. Ein Rumpler am Heck lässt den Skipper aus der Koje hüpfen, ehe er feststellen muss. dass einer seiner Wachführer beim frühen Gang zu den Duschen den Müllbeutel mitnehmen will und an der leeren Gasflasche hängen geblieben ist. Nach und nach trudeln alle zur Morgentoilette und bald sitzen wir unten im Salon – weil draußen ist es wechselhaft und zu kalt – beim Frühstück. Obwohl wir einen längeren Schlag vorhaben, lassen wir es ruhig angehen und sind um Viertel vor Zehn bereit, den heutigen Schlag in Angriff zu nehmen.
Die „ANN“ wird rückwärts aus der kurzen Box ausgeparkt und kurz nach Verlassen des Gästehafens ziehen wir vor den Fähren nach Gotland das Groß hoch und anschließend das Vorsegel aus. Während wir die Genua durchsetzen wollen, stellen wir eine Unregelmäßigkeit fest.  Nach kurzer Inspektion sehen wir das Unterliek des Vorsegels schon im Wasser schwimmen und erkennen, wie sich die Genua oben vom Fall verabschiedet hat. Wir ziehen den Lappen runter und bergen ihn, lassen den Motor an, holen das Groß wieder runter und legen schnell an der äußeren Mole des Gästehafens an.
Der Leichteste wird in den Bootsmannsstuhl gepackt und über die Winsch in den Mast gezogen. Oben angekommen zieht er das Fall hinunter, so dass wir mit einem Ersatzschäkel Segel und Fall erneut zur ordnungsgemäßen Verwendung vereinigen können. Mit Vorsicht fädeln wir die Genua wieder ein und ziehen bei leicht auffrischender Brise das Tuch nach oben.  Anschließend rollen wir es ein und sind erneut startklar.  11 Uhr 20 zeigt der Chronometer als wir einen zweiten Anlauf für den heutigen Tag nehmen. Beide Segel werden schnell gesetzt, diesmal funktioniert alles reibungslos, und schon nimmt die Dufour Fahrt auf Richtung Nord-Ost. Nach rund zwei Stunden passieren wir das Tor zwischen Utö und Ornö und halten weiter auf unser heutiges Ziel, die nördliche Bucht auf Namdö, zu. Das Wetter ist wechselhaft, der Himmel öffnet zwischendurch seine Pforten und lässt zumindest den Rudergänger im Nass stehen; dafür brist der Wind immer wieder auf und schiebt den Kahn mit höherer Geschwindigkeit durchs Wasser. Am Ende des Tages stellen wir fest, dass wir die 42 Seemeilen in 6 Stunden abgeritten sind, also im Schnitt 7 Knoten gefahren sind. Für Schweden nicht schlecht…
Wir passieren Talikobben und befinden uns eine halbe Stunde später östlich von Roegrund. Ein kleines Match-Race gegen zwei Yachten, die sich mit uns auf dem Wasser befinden, entscheiden wir schon nach zwei Schlägen für uns.  Jetzt geht es langsam auf Namdö zu. Bei nachlassenden Winden holen wir das Groß runter und lassen uns vom Vorsegel langsam in die Bucht Skärvassaholmen schieben. Wir werfen den Motor an und machen eine kleine Erkundungsfahrt ehe wir uns dafür entscheiden, in der nördlichen Spitze uns neben ein schwedisches Ehepaar zu legen. Zum Glück ist die Tonne noch frei, so dass wir uns mit dem Heck dort arretieren können. Vorne legt Haggy mit einem Sprung auf den glitschigen Felsen fast einen Wasserstunt hin, kann sich aber so eben noch vor einem Taucher bewahren. Glück gehabt. Die lange gelbe Leine legen wir steuerbords um einen stabilen Baum, backbords bringen wir einen kürzeren Festmacher um eine kleine Krüppelkiefer. Fest!
Alles ist gut, die Bucht ist ein Idyll und nach einem ersten Manöverschluck fiebern wir den kulinarischen Genüssen entgegen, die der Smut heute morgen in der Rokerei in Nynäshamn erworben hat. Lachsspießchen, Lachs- und Makrelenfilets mit zwei selbstgemachten Knoblauchsaucen von Meister Christian – Segler und Meeresfreund, was willst Du mehr? Köstlich!   
Nach diesem Gaumenschmaus geht es wieder runter in den Salon, da es doch kälter wird und die Anisvorräte werden zur Gewichtserleichterung des Bootes ein wenig minimiert. Im weiteren Verlauf zaubert der Ofen noch eine Nudelpfanne auf den Tisch, die mit einem großen Topf Krautsalat die letzten hungrigen Mäuler sättigt. Gegen Mitternacht verholen wir uns nach einem lustigen Abend in die Kojen und träumen süß vom nächsten Schlag oder was auch immer….
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Logbuch:
Skärvassaholemen (Nämdö ) –
Ankerbucht „Paradiesviken“
von 10:05 Uhr bis 18:47 Uhr
Logge / Trip:
35,5 sm in 8 Std. 42 Min
unter Motor:
1 Std..
Wind:
W 3-4, drehend auf O 3, abnehmend
O 1, am Abend dann SO 1,
Langsam kommen wir wieder aus den Kojen und da das Wetter trocken und – wie vorhergesagt – in den Temperaturen etwas höher angesiedelt ist, wird der Frühstückstisch draußen in der Plicht gedeckt. Der erste Morgenkaffee weckt wieder die Anisgedämpften Geister. Nachdem wir den Pott startklar gemacht haben, fährt Dirk im Dinghi zum Landleinen lösen. Der Motor läuft und noch hängen wir an der Mooring-Tonne. Langsam dreht der Skipper die Dufour Richtung Ausfahrt und bei den Nachbarbooten kommt zwar keine Panik auf, aber doch werden Heckanker gelockert und achtern darauf geachtet, dass wir nichts losreißen. Ausgerechnet das größte Boot lag am weitesten drin.
Nach einer kleinen Runde in der Bucht nehmen wir den zweiten LI und unser Beiboot wieder auf und schon geht es Richtung Arholma. Geplant ist ein langer Schlag in nördliche Richtung von rund 50 Seemeilen. Nachdem die Segel gesetzt sind, geht es zunächst Richtung Sandham, da der Smut gerade einen Krimi beendet hat, der zum Teil dort spielt. Wir machen am großen Steg steuerbords fest und die junge Hafenmeisterin weist uns freundlich ein. Zwei weitere offizielle Miezen schippern im motorisierten Gummiboot Patrouille. Der Maitre und ein Teil der Mannschaft erkunden die nähere Umgebung und nach einer Viertelstunde finden acht Gelati den Weg zurück zur ANN. Das Eiland ist so schön, dass Wachführer A noch mal zu einer kleinen Fotorunde geschickt wird. Da er sich „verläuft“ kriegt der Skipper schon einen dicken Hals, da sich die geplante Abfahrt um einige Minuten verzögert.
Aber im Sonnenschein legen wir um 13.06 Uhr ab. Dazu dampft der Skipper rückwärts in die Spring, um die Dufour 44 mit der Nase vom Steg zu bekommen. Wir schippern an Sandham vorbei zurück Richtung offene Ostsee. Unter Segeln schieben wir uns weiter Richtung Nord. Aber der Wind will nicht mehr so recht und fällt zusehends ein. Dazu dreht er auch noch, so dass wir gegen 16 Uhr 30 umdisponieren und auf die restlichen über 20 Seemeilen verzichten. Wir steuern westwärts Richtung Ingmarsö und halten uns die Entscheidung, ob Hafen oder Ankerbucht, offen.
Als wir wieder in den Schärengarten einfahren, kommt der Lorenz zu voller Entfaltung und in der frühabendlichen Lichtstimmung sind die Inseln noch mal so schön. Herrliche Impressionen lassen uns für die Ankerbucht Paradiesviken entscheiden. Wir tuckern langsam durch den engen Eingang, nachdem wir die Segel geborgen und den Quirl angeworfen haben. Eine Runde durch die Bucht, ein Blick an die „überfüllte Felswand“ und schon ist klar, dass wir am Buganker hängend die Nacht verbringen werden. Der Smut zaubert wieder in der Kombüse und wir feiern quasi italienischen Abend mit Vitello Tonato und Pinot Grigio. Zum Hauptgang gibt es Schweinefilets in Gorgonzolasauce an Bandnudeln. Wieder mal bellissimo!!
Auch wenn wir technische Probleme in dieser Einöde haben, schafft es der zweite LI tatsächlich, auf den kleinen Bildschirm eines iPad das DVBT Signal des Länderspiels Chile – Spanien zu zaubern. WIr trinken auf die Südamerikaner und feiern mit Trainer Del Bosque den Abschied aus Brasilien. Ooooohhh… Adios Spania!!!

 

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Logbuch:
Ankerbucht „Paradiesviken“ – Kyrkogärdsön (Festung Siaröfortet)
von 12:35 Uhr bis 17:40 Uhr
Logge / Trip:
20,9 sm in 5 Std. 5 Min
unter Motor:
1 Std..10 Min
Wind:
N 2-3, drehend auf NO 1-3
Ein trüber Tag nimmt seinen Anlauf. Draußen regnet es, kein rechter Kontakt zur Außenwelt, Wettervorhersage nur auf dem Weltempfänger. Im Grunde wird der Regen wohl nur nachlassen, aber nicht aufhören. Wir können allerdings froh sein, dass wir nicht an der norwegischen Nordseeküste sind, denn dort sind 9 Windstärken und 6 Meter Welle angesagt. Das Frühstück wird unter Deck eingenommen und zum „Abwettern“ eine Lesestunde eingeschoben.
Um 12.30 Uhr verlieren wir die Geduld und machen uns langsam startklar. Wir werfen den Motor an, bergen den Anker, checken, warum der Kahn sich nicht nach links drehen lässt, und ab geht es nach Norden durch die zweite Ausfahrt der Ankerbucht von Paradiesviken. Nach einer Viertelstunde haben wir auch Wind, so dass wir sofort die Stofflappen aus den Tüten rausholen und den Motor abschalten. Wir kämpfen uns durch die vielfältige Inselwelt und müssen hierzu einige Schläge machen. Das Wetter ist nach wir vor bescheiden und die eine Hälfte der Crew stellt sich klaglos den klimatischen Anforderungen Skandinaviens während die anderen vier Weicheier unter Deck Sudokus lösen oder erneut eine Lesestunde einschieben.
Um Viertel nach Zwei schippern wir mitten in Svartloegafs Jarden und schieben uns weiter Richtung Hauptschifffahrtsrinne. Das Wetter wird langsam besser, es hört auf zu regnen und etwas später sind erste kleine Wolkenlöcher zu erkennen. Zwei Stunden später dümpeln wir bei null Wind, dafür aber bei aufreißendem Wolkenhimmel in der Sonne und entschließen uns, für knapp 20 Minuten den Quirl anzuwerfen, um dieses Windloch zu überbrücken. Vor uns taucht zwischen bewaldeten Inseln der erste Schornstein und dann auch der Rest einer Finnlandfähre auf. Imposant, wenn sich so ein Riese durch die Schärenwelt hindurchschiebt.
Als wir die Fahrrinne erreichen haben wir freie Fahrt, so dass wir mit achterlichen Winden Butterfly Richtung Stockholm fahren. Aufgrund des Tipps vom Vercharterer Philipp steuern wir die Insel Kyrkogärdsön an, da dort nicht nur eine nette Liegemöglichkeit sondern auch eine zu besichtigende Militäranlage vorhanden ist. In der landschaftlich wunderschönen Bucht holen wir die Segel ein und steuern den Steg für Nachtlieger an, da dort für unsere dicke Schüssel Mooring-Tonnen vorhanden sind. Wir greifen uns eine solche auf der Steuerbordseite und fahren bis zum Steg vor. Noch eine Sicherungsleine ausgebracht und schon liegen wir sicher vor Ort.
Der erste Landgang Richtung Wanderheim ist viel versprechend, weil sich ein wunderbarer Ausblick auf die Bucht eröffnet. Die Maitre besorgt Kaffee und Kuchenbällchen für alle, es geht uns gut! Im Anschluss machen wir eine Besichtigungstour der militärischen Anlage Siärofortet. Zwei dicke Bertas sind in den Felsen eingebaut, die Bunkeranlagen können von außen nur erahnt werden. Hier wurde die Einfahrt zu Schwedens Hauptstadt überwacht und mit Nachdruck verteidigt. Nachdem wir das monumentale Bauwerk umrundet haben, entdeckt Dirk eine offene Tür und wir können die Anlage von innen besichtigen. Es öffnen sich beachtliche unterirdische Kammern, Schlafsäle, Wasch- und Sanitäreinrichtungen, eben eine autarke und komplette Bunker- und Gefechtsstation im Berg.
Nach einer ausführlichen Besichtigung geht es wieder zurück zur „ANN“ und der Manöverschluck wird genommen. Die um die Insel herumwandernde Sonne verfolgen einzelne Crewmitglieder auf dem Felsen oder im Liegestuhl und sinnieren zu den Naturimpressionen. Der Abend rückt näher, die Nachbarn am Steg igeln sich langsam ein. Da es schattig wird, gehen auch wir unter Deck, um das „falsche Filet vom Rind“ (Semmerrolle) mit Kraut einzunehmen. Wie immer, ein kulinarischer Genuss. „Gefräßige Stille“ macht sich breit und die Rochefort-Birne zum Nachtisch muss noch etwas warten.
Der letzte Abend draußen vor der Charterbasis bricht an und wir testen die Hochprozentigen. Für Schweden gar nicht schlecht…
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Logbuch:
Kyrkogärdsön (Festung Siaröfortet) – Marina Svinninge
Logge / Trip:
33,4 sm in 8 Std. 17 Min
unter Motor:
40 Min
Wind:
N 2-3
Am Morgen wandeln wir einzeln zum Wanderheim, wo die Duschen und die Toiletten in kleinen Holzhäuschen untergebracht sind. Alles sauber und piccobello, so dass uns die erfrischende Grundreinigung echt nach vorne bringt. Der Frühstückstisch wird wieder unter Deck aufgefahren und schon stärken wir uns für den kommenden Tag. Leider macht die Ersatz-Gasflasche genauso frühzeitig schlapp wie die erste und die kulanter Weise mitgegebene dritte Pulle ist dafür erst gar nicht gefüllt, so dass wir zum Einen keinen Kaffee mehr kochen können und zum Anderen heute noch was bunkern müssen. Auch das spricht für die mittägliche Ansteuerung von Vaxholm, wo es Sprit und Gas geben soll. Also segeln wir wieder in die Hauptschifffahrtslinie, nachdem wir alles klar Schiff gemacht und um 09.40 Uhr abgelegt haben. Bei Winden um Nord schieben wir uns mit 5 – 6 Knoten, in Böen bis zu 9 Knoten Richtung SüdWest. Wir halten auf Resarön zu und nehmen die südlich gelegene Einfahrt Richtung Vaxholm.
Gegen 12.30 Uhr holen wir die Segel ein und werfen den Motor an, um an der Tanke festzumachen. Ausgerechnet in diesem Augenblick wimmelt es vor der Festung von Fährschiffen, Ausflugsdampfern, motorenden Seglern und sonstigen Kleingefährten. Im Zick-Zack geht es auf die Tankstelle zu, wo wir bei sattem Gegenwind anlegen und 30 Liter Diesel bunkern. Zum Ablegen lassen wir uns locker vom Wind nach hinten drücken und nach einer kurzen Kehre unter Motor geht es an die lange Außenpier des eigentlichen Hafens, damit der LI und der Maitre die Gasbestände komplettieren können. Gleichzeitig bereitet der Smut alles zum Reste-Essen vor, dass wir hungrig bis 14 Uhr einschieben.
Nach einer kurzen Spüleinlage sind wir gegen 14.20 Uhr wieder startklar. Mit Hilfe des Vorsegels legen wir wieder ab und runden die Insel Rindö hinter der Festung von Vaxholm. Gemütlich fahren wir – die ein oder andere Halse einlegend – in den kleinen Arm zwischen Rindö und Ramsö. Am Ende stoßen wir mal wieder auf die Hauptschifffahrtslinie und luven leicht an, um die Fähre zwischen Rindö und Vamdö zu passieren. Da wir hart an den Wind müssen, bleibt nichts anderes übrig, an der engesten Stelle die die Anfahrt von Stockholm überhaupt hat, auswärts zu kreuzen. Zum Glück kommt kein Dickschiff und auch sonst ist wenig los, da die meisten schon in den Vorbereitungen für das Mittsommerfest stecken oder sogar schon angefangen haben zu feiern. Jedenfalls sehen wir von Wasserseite die viele Terrassen, auf denen die Menschen bei einem Gläschen zusammenstehen und plaudern.
Wir kreuzen weiter gegen die nördlichen Winde in die größer werdende Bucht, wobei die Brise häufiger schralt und wir eine größere Schwankungsbreite beim Kneifen entwickeln müssen. Gegen 16.30 taucht nördlich ein Schornstein oberhalb der Baumlinie auf und wenig später fährt die Galaxy der Silja Linie an uns vorbei. Als wir die Nordspitze von Vamdö erreicht haben, halten wir kurz Kriegsrat. Mittlerweile ist es doch später Nachmittag und der ursprüngliche Plan, nach Grindö für ein Kaffee-Päuschen zu fahren, erscheint etwas abwegig, weil viel Zeit draufgehen würde und wir aufgrund der Temperaturen eigentlich keine Veranlassung für einen Stopp haben. Einzig der warme Kaffee würde uns helfen. Eigentlich doch zum verrückt werden, es ist kalt und zusehends klamm – so richtiges Sommerfeeling will sich nicht einstellen. Wir beschließen, einen Schlenker Richtung Varhölma zu machen, dann aber Richtung Marina Svinninge abzubiegen und in die Home-Base zu fahren.
Kurz vor der Marina bergen wir die Segel, schmeißen den Diesel an und tuckern langsam in die Basis von Midnight Sail. Philipp weist uns etwas weiter innen eine Box zu und der Skipper hoppt rückwärts sowohl in den Seitenarm als auch die Box ein. Zum Glück ist es fast windstill, so dass wir eine Punktlandung hinlegen. Gegen 18 Uhr sind wir fest und die ersten Arbeiten werden verrichtet. Natürlich muss ein letzter Manöverschluck her und bald sitzen wir beim Bierchen in der Plicht und fachsimpeln über die vergangene Woche. Abgesehen von den Temperaturen war es eine sehr schöne Woche, da die Inselwelt vor Stockholm einfach klasse ist.
Die visuellen Eindrücke, die wir mitnehmen, sind doch vielfältig und nachhaltig beeindruckend. Gegen 22 Uhr kommen die Jungs von Midnight Sail vorbei, um bei einem Fläschchen Bernstein den Kahn wieder abzunehmen. Sie sind froh, dass sie das nicht auch noch morgen früh machen müssen. Die Spuren des Mittsommerfestes könnten doch tiefgreifender werden… Nachdem der offizielle Kram erledigt ist und die Jungs wieder abgerückt sind, lädt der Smut um halb elf (!)zum Reste-Essen unter Deck. Es ist zwar noch „hell“, doch wieder sehr schattig geworden. 8° Celsius sind selbst für Seebären wie uns zu wenig.

 

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Logbuch:
Marina Svinninge – Stockholm
(Stadtbesichtigung)
Logge / Trip:
35,4 sm in 5 Std. 5 Min
So richtig dunkel ist es eigentlich während der ganzen Nacht nicht geworden, jedenfalls ist es taghell als während der Schlafpausen der Kontrollblick durch die Luken nach draußen geworfen wird. Umdrehen und weiterschlafen! Kurz nach Sieben ist Schluss mit lustig, denn die ersten dackeln Richtung Duschhäuschen, um sich wieder unter die Lebenden zu bringen. Während die zweite Fuhre die Morgentoilette erledigt, werden schon Taschen und Rucksäcke gepackt, Kaffee gekocht und klar Schiff gemacht.
Um kurz nach 10 Uhr sind wir abreisebereit und es geht Richtung Stockholmer Innenstadt. Zwar ist heute Samstag, aber bei den Schweden ist heute augenscheinlich Feiertag, so dass nicht viel los ist. Die Geschäfte sind zu und es sind vornehmlich Touristen, die nach und nach die Innenstadt bevölkern. Um Viertel vor 11 sind wir jedenfalls mit dem Transit vor der Jugendherberge, besorgen uns ein Parkticket und machen uns auf, um die nähere Umgebung zu Fuß zu erkunden. Einchecken können wir erst ab 15 Uhr. Also nehmen wir die Kameras, legen noch ein Shooting für das obligate Crewfoto vor der Jugendherberge ein und los geht es von Skeppsholmen Richtung Königsschloss. Ein Foto hier, ein weiteres da – schnell werden die Datenspeicher gefüllt.
Da heute Feiertag ist, gibt es augenscheinlich um Viertel nach Eins eine große Wachablösung mit allem Zipp und Zap. Bis dahin verholen wir uns in ein Café auf dem Platz Stortorget, schlubbern einen Cappuccino und essen jeder ein Hefeteilchen. Um kurz nach Eins stehen wir mit einer riesigen Menge Menschen hinter dem Königsschloss in Erwartung der Wachablösung. Um Viertel nach geht es los, Marschmusik erklingt und um die Ecke kommt eine Marschkapelle mit zwanzig Wachsoldaten im Schlepp. Unter großem Hallo und mit einigen Einlagen wird hier heute das volle Programm geboten – der Maitre hat alle Register gezogen, um uns ein komplettes Tourist-Paket zu präsentieren. Im Anschluss bummeln wir durch die Altstadt über den Österlänggatan Richtung Slussen, dem zwar etwas herunter gekommenen, aber doch beeindruckenden Verkehrsknotenpunkt Stockholms.
Hier gibt es alles, U-Bahn, Eisenbahn, Buslinien, Autostraßen und zu allem Überfluss auch die Schleuse von der Ostsee in den Riddarfjärden, der Verbindung zum Mälarensee. Wir besichtigen den Turm Katarinahissen, von dem man aus einen beeindruckenden Überblick über die Innenstadt hat. Weiter geht es über Mosebacke zur Katarina-Kirche und über die Götgatan wieder zurück Richtung Slussen. Dort entschließen wir uns, mit der Fähre Richtung Djurgarden zu nehmen, dem Vergnügungsviertel Stockholms. Natürlich wollen wir uns nicht von einer der vielen Achterbahnen durchschütteln lassen, sondern von dort über das Vasa-Museum die Bucht wieder zurück Richtung Jugendherberge umrunden.
Wir machen einen Zwischenstopp im Restaurant Josefina, wo wir uns zu Chill-Musik in großen Bast-Plüsch-Sofas unter freiem Himmel (es ist schon wieder kalt, weil die Sonne hinter Wolken verschwunden ist) lümmeln und erneut einen Kaffee einwerfen. Um Viertel nach Fünf checken wir dann im Hostel ein, beziehen unsere Betten und damit die Zimmer. Im zweiten Anlauf entnehmen wir dem Transit die letzten verbliebenen Lebensmittel, die der Smut in der Küche der Jugendherberge anrichtet. Schweinefilet mit Kraut- und Kartoffelsalat, ein alkoholfreies Bierchen und die letzten Pastis-Bestände werden vernichtet. Am Abend läuft dann das Länderspiel Deutschland – Ghana, das wir im Gemeinschaftsraum mit der halben Herberge verfolgen. Eine Flasche Rotwein und ein paar Chips geben den richtigen Rahmen..
Logbuch:
Rückfahrt Stockholm – Schwelm
Logge / Trip:
1325 km in 14 Std. 35 Min
Um 05.30 Uhr geht der Wecker und verschlafen suchen wir den Weg zu den Nasszellen. Um Punkt 6 Uhr stehen wir wie geplant vor der Transe, die aber nicht anspringen will. 10 Volt reichen nicht aus, um den Ford Diesel zum Leben zu erwecken. Auch der Anschiebversuch vor der Jugendherberge ins Hafenbecken scheitert, so dass wir tatsächlich den Pannendienst anrufen müssen. In diesem Zusammenhang bekleckert sich der ADAC mit Ruhm, weil der erste Anrufer von uns zwar die Meldung absetzt, aber keinen Auslandsschutzbrief hat, was in der ersten Aufregung übersehen wurde. Beim zweiten Anruf in München weiß die zweite Call-Center-Dame zwar schon, dass es einen Vorfall gibt, der Auslandsschutzbrief wird auch bestätigt, aber „da der Vorgang noch offen wäre“, müssen wir uns selbst helfen und dürfen dann die Rechnung einreichen. Echter Service, der einen zur Kündigung treiben könnte. Mal sehen, wie die weitere Abwicklung von statten geht.
Nach einer längeren Zeit des Wartens am frühen Sonntagmorgen wabbert ein dicker Dodge-Achtzylinder-Abschleppwagen auf den Hof und ein freundlicher Schwede in oranger Montur bringt mit einigen Handgriffen den Wagen wieder ans Laufen. Der Krötenmeister zahlt und schon fahren wir mit 90 Minuten Verspätung durch die noch leere Stockholmer Innenstadt. Ein Gruß vor Carl Gustav’s und Sylvia’s Stadtbehausung und ab geht es Richtung Highway und zurück durch die unendlichen Weiten Mittel- bzw. Südschwedens. Birken- und Nadelwälder wohin das Auge schaut. Vorbei am Vättern fahren wir weiter Richtung Helsingborg und nach Malmö.
Die Batterie hat uns beim letzten Tankstopp zwar wieder gute Dienste geleistet, aber wir wollen den Wink des Transporters aufnehmen und ohne „Motor aus“ über die Öresund-Brücke, die wir bislang ja nur von unten kennen. Die letzten Schwedischen Kronen werden vertankt und bei Pizzahut in global bekannte Teichfladen investiert. Gestärkt fahren wir über die imposante Verbindung zwischen Malmö und Kopenhagen, kaum dass wir den Tunnel passiert haben, kommen wir in einen dicken Regenschauer. Nette Begrüßung!
Weiter geht es Richtung Rödby, wo wir um kurz nach halb fünf auf die Fähre Schleswig-Holstein auffahren. Bei starken 8 Windstärken legt der Pott ab und schippert auf Fehmarn zu, dass wir nach 45 Minuten Transfer erreichen. Der Transit springt ordnungsgemäß an und kaum im deutschen Netz melden sich alle seit Wochen vermissten Seeleute wieder bei Ihren Seemannsbräuten im Heimathafen. Weiter geht es an Heiligenhafen vorbei über Lübeck und Hamburg bis zur nächsten Tanke. Ein letzter Fahrerwechsel und schon geht es Richtung Bremen, wo wir ab dem Dreieck Stuhr im 12 km langen Stau bis Wildeshausen stehen. Ochnö!!! und völlig nervend! Ausgerechnet im dicksten Wochenende-Rückreise-Verkehr gibt es eine einspurige Baustelle und natürlich ist keiner an der Schüppe zu sehen. Die errechnete Ankunftszeit verschiebt sich entsprechend nach hinten. Mal sehen, wann wir die Fender in der PNS rausholen können und festmachen werden…..
Schweden zu Mitsommer! Das war die Idee, aus der sich ein Plan entwickelte und schließlich erfolgreich umgesetzt wurde. Aber was  heißt beim Segeln mit acht Mann auf engstem Raum schon erfolgreich? Fangen wir an mit der Crew. Alles beim alten, alles bekannt und wie immer harmonisch. Zu bemerken ist, dass Dirk, der für unseren Seebären eingesprungen ist, offensichtlich viel Spaß hatte und diesen auch auf die ganze Crew übertragen hat. Für Dirk ist keine Tür verschlossen, kein Mast zu hoch und kein Schiffsmanöver zu kompliziert – Hauptsache Action. Danke fürs Mitfahren.
Dass der Smut die wichtigste Person an Bord ist, haben wir wieder alle lustvoll erfahren. Auch der Vercharterer hat bestätigt, dass dem Smut eine besondere Rolle zukommt. Christian, danke für die Gaumenfreuden.
Das Revier des Stockholmer Schärengartens ist eine Granate. Natur pur, anspruchsvolle Navigation und dabei keinen nennenswerten Seegang – das läßt Skippers Herz höher schlagen. Ich fahre bestimmt nochmal hin. Das Wetter war für Schweden nicht schlecht, vielleicht etwas zu kalt, aber mit der richtigen Kleidung – wenn man sie denn mithat und auch anziehen möchte – kein Problem. Unsere Dufour zeigte nach zehn Jahren einige Verschleißerscheinungen, aber Gott sei Dank keine gravierenden Sicherheitsmängel. Dafür war sie problemlos  zu handeln und lief sehr gut. Sicher eine Option mit einem neueren Baujahr in einem anderen Revier. Die drei Studenten, die im Auftrag des Vercharterers für die Schiffsübergabe und -Rückgabe verantwortlich waren, sind ihren Aufgaben mit jugendlicher Unbekümmertheit, gepaart mit finnisch-schwedischer Unaufgeregtheit, aber übersichtlichem Sachverstand und Konsequenz nachgegangen. Inhaltlich haben uns wohl die angebotenen Biere am meisten geholfen. Die sachlichen Details in der Marina Svinninge verbunden mit den Mängeln der Yacht werde ich mit der Charteragentur nochmal austauschen.
Auch wenn in diesem Jahr das eigentliche Segeln für einige augenscheinlich nicht so im Vordergrund gestanden hat und der Zugang zum Internet manchmal das wichtigste Ereignis zu sein schien, bleibt als Fazit dieses Törns der von Harry formulierte Spruch aus unserem Göteborger Schärentörn in 2008 auch für den Stockholmer Schärengarten vollends gültig: für Schweden nicht schlecht!